Endlich einer, der uns aus dem Herzen spricht: «Der Shareholder-Value ist veraltetes Denken», sagt Uhrenkönig und Swatch-Grossaktionär Nicolas G. Hayek in einem Zeitungsinterview und prophezeit: «In fünf Jahren werden wir alle lachen über diese idiotische Kasino-Mentalität.»

Noch aber lachen andere. Zum Beispiel Martin Ebner. Der Mann mit der Fliege hat es mit seiner vergleichsweise winzigen BZ-Bank innert weniger Jahre zum Milliardär geschafft – dank einer guten Nase für goldige Börsengeschäfte. Und dank Ihnen und dank mir.

Denn zu Ebners wichtigsten Kunden zählen die Pensionskassen und Anlagefonds. Sie haben seinen Aufstieg erst ermöglicht. Die BZ-Bank handelt nämlich vor allem mit Vermögen von institutionellen Anlegern – also mit Geld, das zu einem Grossteil Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gehört. Daher kann es uns auch nicht gleichgültig sein, was an der Börse passiert. Fast jede Schweizerin, fast jeder Schweizer ist über Pensionskassenguthaben zumindest indirekt im Börsenring.

Die Zahlen sind gigantisch. Unsere Vorsorgekassen verwalten rund 400 Milliarden Franken – und jeden Arbeitstag kommen Dutzende Millionen dazu. In 25 Jahren – dem voraussichtlichen Höhepunkt – werden es sagenhafte 2200 Milliarden sein. Davon sind bereits heute über 100 Milliarden Franken in Aktien angelegt. Ob uns das passt oder nicht: Wir stehen mitten im Kasino. Und mit unserem Einsatz wird möglicherweise unsere eigene berufliche Zukunft bestimmt.

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Adtranz, Rieter, Alusuisse… Wo immer im Namen des Shareholder-Value von einem massiven Stellenabbau die Rede war – namhafte Pensionskassen kassierten mit. Mehr noch: Sie machten durch ihre Anlagepolitik solche Vorgänge möglich. Und erst allmählich reiben sich Arbeitnehmer die Augen. Sie sind zwar in den Personalvorsorgestiftungen paritätisch vertreten – doch in der Verwaltung ihrer Vermögen meist ohne erkennbaren Einfluss.

Ganz anders die Amerikaner: Ihre Arbeitnehmerorganisationen haben sich als starke Kraft in der Shareholder-Bewegung etabliert und nehmen direkten Einfluss auf die Politik von Unternehmen. Denn ausgerechnet der Börsenkapitalismus ermöglicht ein gewerkschaftliches Revival: Der Firmenbesitz wird über den Aktienhandel zum breiten Volksvermögen; die schon tot geglaubte «Arbeiterklasse» erlebt ihre wundersame Auferstehung als Global Player.

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Die helvetischen Pensionskässeler sind davon weit entfernt. Nur sehr zögerlich erhalten ethische Uberlegungen bei Aktienengagements stärkeres Gewicht. Eine löbliche Ausnahme bilden etwa die rund 80 Pensionskassen, die ihre Vermögen der Genfer Anlagestiftung Ethos anvertrauen – und damit finanziell nicht schlecht fahren. Ethos analysiert Unternehmen auch nach sozialen und ökologischen Kriterien – und tätigt die Investitionen entsprechend.

Doch landesweit gibts weit über 10000 Pensionskassen. Und für ihre vielen heimlichen Mitaktionäre noch viel, sehr viel zu bewegen.