Eine Fettleber macht lange keine Beschwerden. Meist wird sie auch eher zufällig entdeckt – wenn der Bauchraum bei einer Routinekontrolle mit Ultraschall untersucht wird. Doch betroffen sind viele: «Zwischen 20 und 30 Prozent der hiesigen erwachsenen Bevölkerung haben bereits eine verfettete Leber, Tendenz steigend», sagt der Mediziner und Ernährungsexperte David Fäh von der Berner Fachhochschule.

Fettleber ist an sich keine schlimme Diagnose. Doch sie ist ein eindringliches Warnsignal, sagt Fäh: «Sie ist ein klares Symptom eines ungesunden Lebensstils.» Und der lässt nicht nur die Leber verfetten, sondern erhöht auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen Test Wie geht es Herz und Kreislauf? , Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und weitere damit verbundene Beschwerden. «Wer eine Fettleber hat, sollte darum neben den Leberwerten auch anderes kontrollieren lassen. Etwa Blutfette, Harnsäure, Blutzucker Diabetes Haben Sie «den Zucker» im Griff? und Blutdruck», rät Fäh.

Zu viel Energie

Die Leber entgiftet nicht nur das Blut, sie speichert auch überschüssige Energie in Form von Fett. «Wenn wir über lange Zeit mehr Energie zu uns nehmen, als der Körper verbraucht, verfettet allmählich die Leber», erklärt Fäh. Auf lange Sicht kann sie sich entzünden, Leberzellen gehen kaputt oder vernarben und können ihre Funktion nicht mehr erfüllen.

«Um die Leber zu entlasten, muss der Energieüberschuss vermieden werden», sagt Fäh. Das heisse nicht, dass man auf Fett verzichten müsse, sondern vor allem auf zu viel Zucker und Kohlenhydrate Ernährung Was sind Kohlenhydrate? , die die Leber in Fett umwandelt. Ausserdem sollte man sich mehr bewegen, um Kalorien zu verbrennen und den Stoffwechsel anzukurbeln. Wer Übergewicht hat, sollte es reduzieren, damit die Bewegung leichterfällt und gespeichertes Fett abgebaut wird.

«Wer ­seinen Lebensstil dauerhaft verbessert, bekommt die Fettleber in den Griff.»

David Fäh, Ernährungs­experte, Fachhochschule Bern

Die gute Nachricht: Die Leber baut sich einmal im Jahr komplett um. «Wenn man ihr also die Ursache für die Verfettung nimmt, kann sie sich gut regenerieren», sagt David Fäh.

Andere Erkrankungen, die auch mit dem Lebensstil zusammenhängen, sind dagegen nicht so einfach heilbar. Zu viel Zucker und Kohlenhydrate steigern das Risiko für Diabetes Diabetes-Test Wie hoch ist Ihr Risiko, an Diabetes zu erkranken? . Viel verarbeitetes Fleisch, Fast Food und gesättigte Fette schädigen die Arterien und begünstigen Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall. Übergewicht belastet die Gelenke und erhöht das Krebsrisiko.

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Studie über 18 Jahre hinweg

«Wer seinen Lebensstil dauerhaft verbessert, bekommt die Fettleber in den Griff und schützt sich auch vor anderen, weitaus lebensbedrohlicheren Krankheiten», sagt David Fäh. Das zeigte bereits 2011 eine Studie der renommierten Johns-Hopkins-Universität in den USA. Sie wertete Gesundheitsdaten von über 11'000 Personen zwischen 20 und 74 Jahren aus und beobachtete sie bis zu 18 Jahre lang. Etwa jeder Fünfte entwickelte in dieser Zeit eine Fettleber. Am Ende waren nur 44 an einer Lebererkrankung verstorben, aber rund 700 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 480 an Krebs.

Was man tun kann

Der Berner Ernährungsexperte empfiehlt die mediterrane Ernährungsweise. Sie hat sich in Studien immer wieder als gut durchführbar erwiesen, da sie keine grossen Einschränkungen bringt, sehr schmackhaft ist und auf gesunde Weise sättigt. «Ausserdem schützt sie vorbeugend vor Diabetes und anderen Erkrankungen. Und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sie das Gewicht nachhaltiger reduziert als eine Low-Carb- oder Low-Fat-Diät.»

Eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent reicht bereits aus, um die Fettleber und andere Körperwerte deutlich zu verbessern, haben Studien gezeigt.

«Auch Alkohol wird von der Leber in Fett umgewandelt. Darum sollte es bei maximal einem Glas pro Tag bleiben.»

David Fäh, Ernährungs­experte, Fachhochschule Bern

Ein typischer mediterraner Teller besteht aus einer Hälfte Gemüse und Früchte, einem Viertel faserreicher Kohlenhydrate wie Vollkornpasta, Vollreis, Hülsenfrüchten wie Bohnen, Linsen oder Kichererbsen oder Quinoa sowie einem Viertel Proteinen, zum Beispiel aus Tofu, einem Milchprodukt, Geflügel, Fisch oder Fleisch.

Bei der Zubereitung sollten ein bis zwei Esslöffel Olivenöl verwendet werden. Diese ungesättigten Fette Omega 3 Fisch auf den Tisch! schützen die Blutgefässe. Auch ein Glas Rotwein zum Essen ist erlaubt, es sorgt für bessere Cholesterinwerte, eine reduzierte Blutgerinnung und eine geringfügig optimierte Funktion des Insulins. «Doch auch Alkohol wird von der Leber in Fett umgewandelt. Darum sollte es bei maximal einem Glas pro Tag bleiben.»

Tipps: Das tut der Leber gut

Die Mittelmeer-Diät:

  • drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Früchte pro Tag (Früchte zum Dessert, nicht zwischendurch)
  • faserreiche, unverarbeitete Kohlenhydrate (Roggen-/Vollkornbrot statt Weissbrot; brauner, nicht weisser Reis)
  • eine Portion (30 Gramm) Nüsse
  • ungesättigte Fette wie kalt gepresstes Olivenöl
  • Eiweiss aus wenig verarbeiteten pflanzlichen Quellen (Hülsenfrüchte, Soja, Nüsse, Samen, Kerne, eiweissreiche Stärke wie Buchweizen), aus zuckerarmen Milchprodukten (Nature-Joghurt, Käse, Milch), seltener über Fisch, Eier und weisses Fleisch
  • täglich mindestens zwei Liter Wasser Übergewicht Wasser trinken hilft beim Abnehmen , allenfalls ein Glas Rotwein zum Essen
     

Dazu:

Davon weniger:

  • stark verarbeitete Lebensmittel
  • Gezuckertes und künstlich Gesüsstes
  • Kartoffeln, weisses Mehl, weisser Reis
  • gesättigte und tierische Fette (in Fast Food, Frittiertem, Tiefkühl-Fertigessen)
  • rotes und verarbeitetes Fleisch (Wurst)
  • Alkohol

Brauchen wir zwei Liter Wasser am Tag?

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Täglich acht Gläser Wasser trinken? Das ist ein Mythos. Dr. med. Claudia Twerenbold erklärt, wie viel Wasser der Körper wirklich braucht.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

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