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SodbrennenZu viel des Guten für den Magen

Schmerzen in der Brust, saures Aufstossen: Sodbrennen kann sehr unangenehm werden. Bild: Thinkstock Kollektion

Wer an Sodbrennen leidet, sollte seine Essgewohnheiten prüfen. Denn schon mit simplen Tricks lässt sich die Lebensqualität steigern.

von Vera Sohmeraktualisiert am 2017 M09 21

Reichlich Fleisch, Pommes frites, Dips mit Mayonnaise, dazu das eine oder andere Glas Rotwein. Sehr fein und gemütlich. Man isst und isst, obwohl man längst satt wäre. Zum Dessert muss noch ein Stück Torte sein, der Cognac fürs Verdauen. Einige Stunden danach brennt es wieder im Oberbauch, hinter dem Brustbein oder zwischen den Schulterblättern, hinzu kommen saures Aufstossen oder Völlegefühl – typische Symptome bei Sodbrennen.

Es entsteht, wenn saurer Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfliesst, weil der Schliessmuskel nicht richtig funktioniert. Dieser Muskel trennt die Speiseröhre vom Magen. Er öffnet sich normalerweise nur beim Schlucken und verhindert, dass Mageninhalt in die Speiseröhre aufsteigt. Gelegentlich kommt es dennoch zu einem Rückfluss, Reflux genannt. Das ist zwar unangenehm, aber normal. Passiert es hingegen häufig, sprechen Ärzte von der Refluxkrankheit. Die Zahl der Betroffenen hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen. Mehr als 30 Prozent der Erwachsenen leiden gelegentlich unter Refluxbeschwerden, nahezu 10 Prozent sind täglich davon betroffen.

Stress, Alkohol und Nikotin

Einer der Gründe dafür: ein ungesunder Lebensstil. Dauerstress oder übermässiger Alkoholkonsum schlagen auf den Magen. Und falsche Ernährung erst recht. Wer die Beschwerden loswerden will, sollte deshalb ehrlich mit sich sein: Esse ich zu viel? Häufen sich die üppigen Schlemmereien? Wer seinen Magen regelmässig mit grossen Mahlzeiten überdehnt, kann damit den Schliessmechanismus zwischen Magen und Speiseröhre schwächen. Fest steht übrigens auch: Übergewichtige leiden häufiger unter Sodbrennen. Das Gewicht drückt auf den Magen, so kann der Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfliessen.

Betroffene sollten auch darauf achten, ob sie auf bestimmte Speisen empfindlich reagieren. Zwar fehlen bislang Studien, die eine Wechselwirkung zwischen bestimmten Lebensmitteln und Sodbrennen eindeutig belegen, doch findet man leicht heraus, was einem guttut – und was nicht. Wer nach Schokolade, Chili oder ofenfrischem Brot unter Schmerzattacken leidet, sollte diese Lebensmittel konsequent meiden. Und: Raucher trifft es überdurchschnittlich oft – das Nikotin lähmt den Muskel am Mageneingang.

Wann sollte man zum Arzt gehen? Sodbrennen ist zwar lästig und unangenehm, in den meisten Fällen aber harmlos. Viele Betroffene können sich selbst helfen, indem sie abnehmen, vernünftig essen, Genussmittel reduzieren oder meiden. Tritt Sodbrennen jedoch über Wochen und Monate auf, sollte man sich untersuchen lassen. Denn Magensäure ist aggressiv, sie kann die Schleimhaut der Speiseröhre schädigen: Wird diese permanent gereizt, kann sie sich entzünden. Die Folgen können Geschwüre und sogar Krebs sein. Gelangt Säure in die Atemwege, sind oft asthmaartige Beschwerden die Folge.

Im Notfall eine Operation

Auch eine zu grosse Lücke im Zwerchfell zwischen Brust- und Bauchraum ist oft Ursache von Sodbrennen – sie kann chirurgisch korrigiert werden. Mit einer Operation lässt sich zudem der Schliessmuskel zwischen Speiseröhre und Magen wieder funktionstüchtig machen. Auch gibt es eine Operationstechnik: das Plicator-Verfahren. Hier wird ein Teil der Magenwand um den Muskel gefaltet und vernäht. Das hilft, den Magen nach oben abzuschliessen. Zur Operation raten Ärzte etwa dann, wenn eine Therapie mit säurehemmenden Medikamenten nichts gebracht hat.

So schonen Sie Ihren Magen

Was Sodbrennen auslöst, ist individuell verschieden. Die folgenden 12 Massnahmen können Linderung bringen:

  • Essen Sie über den Tag verteilt fünf bis sechs kleinere Portionen, das ist bekömmlicher als eine oder zwei üppige Mahlzeiten.
  • Essen Sie in Ruhe und zu geregelten Zeiten; kauen Sie langsam und gründlich.
  • Setzen Sie auf vollwertige Nahrung: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Gemüse, Früchte mit wenig Säure.
  • Essen Sie nicht zu scharf, nicht zu salzig, nicht zu fett, nicht zu süss.
  • Verzichten Sie auf eiskalte und kohlensäurehaltige Getränke, auf säurehaltige Früchte und Fruchtsäfte, auf Produkte mit Pfefferminze.
  • Seien Sie zurückhaltend bei Alkohol, Kaffee und Schwarztee.
  • Rauchen Sie nicht.
  • Tragen Sie keine einengenden Kleider.
  • Bücken Sie sich nicht nach dem Essen und heben Sie nichts Schweres auf.
  • Schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper. Dazu das Bett am Kopfende schräg stellen oder behelfsweise Klötze oder Bücher unterlegen.
  • Ärger und Stress schlagen auf den Magen. Sorgen Sie für seelisches Gleichgewicht.
  • Probieren Sie es mit Hausmitteln: Oft empfohlen wird Kartoffelsaft. Auch Heilerde, in Wasser oder Kräutertee aufgelöst, hat eine lindernde Wirkung. Als gute Heilkräuter gelten Brennnessel, Kamille oder Wacholder. Linderung soll auch Leinsamen bringen: Weichen Sie ihn mehrere Stunden in Wasser ein; trinken Sie immer wieder einen kleinen Schluck vom Einweichwasser. Und oft hilft es schon, trockene Haferflocken zu kauen.