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PestizideVitamine ohne giftige ­Nebenwirkungen

Obst und Gemüse sind wichtige Bestandteile einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Allerdings enthalten einige Sorten oft Rückstände von Pestiziden.

von aktualisiert am 03. April 2018

Pestizide aus Früchten, Gemüse oder Beeren können leicht in den menschlichen Körper gelangen und aus gesunden Naturprodukten einen Risikofaktor machen. Immerhin vier Prozent der europaweit zugelassenen Pestizide stehen im Verdacht, krebserregend zu sein, Nervenzellen zu schädigen, den Hormonhaushalt zu stören oder die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Die Mehrzahl der Pestizide gilt zwar als weniger gefährlich, aber auch nicht als harmlos.

Als Pestizide bezeichnet man Pflanzenschutzmittel, die in Obst- und Gemüse­kulturen gegen Schädlinge wie Unkraut, Insekten oder Pilze eingesetzt werden. Um eine Gefährdung der Konsumenten zu verhindern, gibt es Grenzwerte für Rückstände in der reifen Frucht. Diese werden aber immer wieder überschritten oder umgangen, indem mehrere Pestizide verwendet werden, von denen später keines in ­kritischer Menge vorhanden ist. Dadurch kommt es zu Mehrfachbelastungen. Wissenschaftler sind sich bis heute uneinig darin, wie gefährlich so ein Pestizidcocktail ist. Bei Tausenden von Kombinationsmöglichkeiten fehlen schlicht die Daten für ein umfassendes Urteil.

Wer keine «Pestizidbomben» auf dem Tisch will, sollte auf Herkunft und Saison achten, Bioprodukte kaufen oder den Anbau gleich selbst in die Hand nehmen. Das gilt insbesondere beim unten aufgelisteten «dreckigen Duzend»: Obst- und Gemüsesorten sowie Beeren und Kräuter, bei deren konventionellem Anbau viele synthetisch-chemische Pestizide eingesetzt werden.

Küchenkräuter

Petersilie, Basilikum, Minze oder Schnittlauch setzen mancher Speise das i-Tüpfelchen auf. Zwar sind nur wenige Pflanzenschutzmittel zur Behandlung der Kräuter zugelassen, bei Warentests werden jedoch überdurchschnittlich oft Rückstände nicht zugelassener Stoffe beanstandet. Tipp: ­Biokräuter kaufen oder selber ziehen.

Trauben

Rebstöcke sind anfällig für viele Schädlinge. Daher kommen beim Anbau verschiedene Spritzmittel zum Einsatz: gegen Unkräuter, gegen Pilzbefall, gegen Insekten, gegen Spinnmilben und gegen Schnecken. Die einzelnen Stoffe werden zwar kaum überdosiert, doch Mehrfachrückstände können zu einer hohen Belastung führen.

Zitrusfrüchte

Zitronen, Orangen und Grapefruits werden während des Wachstums kaum behandelt, nach der Ernte bekommen sie aber eine regelrechte Pestiziddusche: durch Mittel gegen Pilzbefall und solche für eine gute Konservierung. Manche erhalten gar eine Wachsschicht zum Schutz vor Feuchtigkeitsverlust. Wer die Schale nicht isst, muss sich darum kaum kümmern. Wer aber einen Zitronencake bäckt oder Orangensaft presst, sollte auf den Vermerk «nach Ernte unbehandelt» achten. Allerdings kann diese Information irre­führend sein: Einige Produzenten spritzen die Mittel einfach vor der Ernte auf die Früchte.

Beeren

Wer liebt es nicht, in eine süsse Erdbeere zu beissen oder pralle, saftige Brombeeren zu naschen? Wegen ihres hohen Saft- und Zuckergehalts sind sie auch bei Pilzen beliebt. Um die sensiblen Beeren vor Pilz­befall zu schützen, behandelt man sie mit reichlich Fungiziden.

Salate

Zarte Salatblätter – insbesondere Rucola – sind ein gefundenes Fressen für Blatt­läuse. In «verschachtelten» Sorten wie Kopf- oder Eichblattsalat können sich die Insekten gut einnisten. Ernten wir den Salat im Garten, nehmen wir die Tierchen in Kauf. Bei Salat aus dem Kühlregal haben wir aber wenig Verständnis für die Grüne ­Salatblattlaus. Das wissen auch die Pro­duzenten, deshalb behandeln sie die Salate mit Spritzmitteln. Als Faustregel gilt: Je empfindlicher das Blatt ist, desto mehr ­Pestizide kommen zum Einsatz.

Zwetschgen

Beim violetten Steinobst werden immer wieder Pestizidrückstände beanstandet. Die Kantonslaboratorien Basel-Landschaft und Basel-Stadt fanden bei einem Test sogar Reste eines nicht zugelassenen Fungizids. Geschmack an Zwetschgen finden nicht nur Pilze, sondern auch Pflaumenwickler, kleine Würmchen, die sich gerne den Bauch vollschlagen, bevor sie zu Schmetterlingen werden.

Kirschen

Sie sind süss, saftig und richtige Vitaminbomben: Kirschen enthalten fast alle Vitamine der B-Gruppe sowie Vitamin C und wertvolle Mineralstoffe wie Eisen und Ka­lium. Leider sind sie oft mit Pestiziden belastet. Denn um Würmer und Kirschfruchtfliegen fernzuhalten, muss der Obstbauer zu reichlich Spritzmitteln greifen.

Chilischoten

Darfs ein bisschen scharf sein? Gerne, aber lieber ohne Chilischoten aus Südost- und Südasien. Die sind nämlich oft stark mit Pflanzenschutzmitteln belastet, die bei uns nicht zugelassen sind. Europäische Chilischoten hingegen sind unproblematisch. Es lohnt sich also, auf die Herkunft zu achten. Generell gilt: Exotische Kräuter und Gemüse aus asiatischen Ländern wie Thailand, China, Vietnam, Indien oder Sri Lanka sind oft viel stärker belastet als hiesige Produkte.

Äpfel

Ein Apfel pro Tag erspare einem den Arzt, sagt man. Leider sind die knackigen Snacks nicht immer frei von Pestiziden. Apfelplantagen werden oft mehrmals im Jahr gespritzt, was zu einer Mehrfachbelastung führt. In über die Wintermonate gelagerten einheimischen Äpfeln bauen sich die Pflanzenschutzmittel wegen der dunklen und kühlen Umgebung zudem weniger schnell und gut ab.

Kiwis

Die süsssauren Muntermacher werden geschätzt, weil sie vitaminreich und kalorienarm sind. Kiwis schneiden – ähnlich wie Zucchini – bei Kontrollen zwar eher gut ab. Sie werden aber beim konventionellen Anbau mit Insektiziden behandelt. So kommt es immer wieder zu erhöhten Werten.

Auberginen

Die Aubergine zählt heute zwar nicht mehr zu den am stärksten belasteten Gemüsesorten, trotzdem werden bei Stichproben immer wieder mehrere Pestizide gefunden. Auch wenn die Höchstwerte nur selten überschritten werden: Es lohnt sich, Bio-Auberginen zu kaufen.

So hält man sich Pestizide vom Hals

Obst und Gemüse waschen
An der Oberfläche haftende Pestizide lassen sich zumindest reduzieren, wenn man sie – idealerweise mit lauwarmem Wasser – wäscht. Pestizide im Inneren der Frucht wird man auf diese Weise jedoch nicht los.

Schale entfernen
Wer Apfel oder Gurke vor dem Verzehr schält, wird den Grossteil der Pestizide los. Diese Methode hat aber einen gewichti­gen Nachteil: Auch Vitamine und andere wertvolle Stoffe, die in hoher Konzentra­tion in der Schale stecken, gehen verloren.

Saisonal und regional einkaufen
Ausserhalb der Saison in Gewächshäusern oder hors-sol angebaute Produkte weisen oft eine höhere Pestizidbelastung auf. Dasselbe gilt für aus süd­lichen Ländern importierte Ware. Greifen Sie daher zu regionalen Produkten, die gerade Saison haben.

Abwechslungsreich essen
Wer Obst- und Gemüse­sorten variiert, läuft auch dann kaum Gefahr, viele Pestizide zu sich zu nehmen, wenn eine Sorte regelmässig stärker belastet ist.

Saubere Alternativen

In diesen Produkten finden sich nur selten Pestizidrückstände:

  • Zwiebel
  • Spargel
  • Weisskohl
  • Rotkohl
  • Rhabarber
  • Zuchtpilze
  • Randen
  • Fenchel