Die Organisation Pflege- und Adoptivkinder Schweiz (Pach) ist eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene und Behörden. Sie finanziert sich aus Spenden und geniesst einen guten Ruf. Nun stellt sich heraus: Auf ihrer Spenderliste stand bis 2018 ausgerechnet die Stiftung Adoptio. Sie wurde in den Achtzigerjahren von Alice Honegger gegründet. Die 1997 verstorbene St. Galler Fürsorgerin vermittelte über den gleichnamigen Verein Hunderte Kinder aus Sri Lanka an Schweizer Adoptiveltern.

Damals blühte in Sri Lanka der Kinderhandel Illegal adoptiert Das Schicksal der verkauften Kinder aus Sri Lanka . Ob Alice Honegger sich mit ihrer Vermittlungstätigkeit unrechtmässig bereicherte, ist unklar. Fest steht: Sie arbeitete in Sri Lanka mit einer Anwältin zusammen, die Teil des Netzwerks war, das Kinderhandel betrieb und sehr gut daran verdiente. Viele Adoptionen erfüllten die gesetzlichen Bestimmungen nicht. Falsche Angaben in den Dokumenten verunmöglichen den Adoptierten heute, ihre leiblichen Eltern zu finden Adoption Die Suche nach den Wurzeln .

Laut Stiftungsratspräsident Rudolf Honegger überwies Adoptio zwischen 2001 und 2018 insgesamt 9500 Franken an die Pach. «Unsere Organisation war nie im Bereich Auslandadoptionen tätig», sagt Geschäftsleiterin Karin Meierhofer. Es sei besser, wenn man jetzt das Augenmerk auf die Kontrolle der Vermittlungsstellen richte und dafür sorge, dass so etwas nie mehr passiere. Die Spenden erachtet sie nicht als problematisch. «Gemessen am Gesamtvolumen von etwa einer Million Franken pro Jahr, geht es um sehr kleine Beträge.»

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«Moralisch fragwürdig» 

Anders sieht das der Verein Back to the Roots, der die Interessen der Adoptierten aus Sri Lanka in der Schweiz vertritt. «Für uns ist die Annahme dieser Spenden moralisch fragwürdig, egal, wie viel oder wie wenig Geld es ist», sagt Geschäftsleiterin Ursula Berset.

Beide Organisationen würden es begrüssen, wenn Adoptio ihr Spendenbudget in einen Fonds stecken würde, der nun Betroffene etwa bei der Herkunftssuche unterstützen soll. Ausgeschlossen sei das zumindest für einen Teil des Budgets nicht, sagt Rudolf Honegger von Adoptio. «Wir müssten das aber erst einmal intern diskutieren.»

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