Die Frage ist so unbeschwert munter, dass sie einem den Tag retten kann, vielleicht sogar das Leben, denn sie stellt auch klar, dass es nicht unsere Aufgabe sein kann, das Glück beschwerlich selber zu suchen, vielmehr ist es an ihm, uns zu finden. Also können wir uns getrost zurücklehnen und abwarten. Gleichsam Teil der Lösung sein.

Wir öffnen die Balkontür, lassen den flirrenden Sommer herein, atmen die Luft so neugierig ein wie ein seltenes Parfüm, setzen uns in den weichsten Sessel mit dem weitesten Blick und ahnen hinter dem Rauschen der Restwelt schon die leisen Schritte des nahenden Glücks.

Doch halt! Darf das so einfach sein?

Werfen Sie doch mal an einem Abendessen unter Freunden die lockere Frage auf, ob jemand ihrer Gäste schon einmal im Leben so gänzlich glücklich war. Sie werden garantiert mindestens einen finden, der nachdenklich zurückfragt: «Du meinst also, so richtig vollkommen glücklich?»

Wer so eine Frage stellt, wird es schwer haben, je dem Glück zu begegnen. Nachdenken ist der Feind jeder Glücksregung. Sobald nachgedacht wird, mit Quervergleichen geprüft wird, ob das grade Empfundene, das grade Erreichte zum Glücklichsein auch wirklich reicht, zieht sich der seltene Gast sogleich diskret zurück, ganz so, als ob er nie dagewesen wäre.

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Denn Glück ist ein sonderbares Wesen. Es zeigt sich uns in verschiedenster Gestalt, aber eben nur, wenn wir hinsehen. Es bedient sich einer Art Mimikry-Technik, es taucht unvermittelt auf, zittert wie eine Fata Morgana, spiegelt uns etwas vor. Immer bleibt es ein Stück weit Illusion, doch so lange wir dran glauben, ist es da und weist auf etwas hin, was sein könnte.

Die Antwort auf die Fischli-Weiss-Frage heisst also einfach: Das Glück findet den, der es erkennt.

Die Schweizerinnen und Schweizer sind ganz gut darin, wie unsere Titelgeschichte zeigt (siehe Artikel zum Thema). Auch wenn die Nachrichten uns rundum eindunkeln, erkennen wir das Glück, wo es aufblitzt. Auf einer Glücklichkeitsskala von 1 bis 10 ordnen sich laut einer aktuellen Umfrage die Schweizer im Schnitt bei 7,5 ein. Nur zwei Zehntelpunkte tiefer als im Boomjahr 2003.

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Allerdings erachteten vor sechs Jahren die meisten der Befragten noch die Arbeit als sicherste Insel für gute Momente. Heute tauchen mit 22 Prozent Nennungen Familie, Verwandte und Haustiere als erster Glücksfaktor auf.

Das bietet die Chance, noch leichter vom Glück gefunden zu werden. Also öffnen Sie schon mal die Balkontür.