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Jacqueline Fehr«Für viele Kinder ein traumatisches Erlebnis»

Bei einem Obhutsentzug werden die Kinderrechte missachtet, sagt SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr. Sie fordert ein Anhörungsrecht und anwaltschaftliche Vertretung.

«Kinder werden oft zum Spielball verschiedener Interessen»: Jacqueline Fehr
von

Beobachter: Warum brauchen Kinder mehr Rechte, wenn sie von ihren Eltern getrennt werden?
Jacqueline Fehr: Der Obhutsentzug ist für das Kind eine äusserst einschneidende Veränderung, für viele ist es ein traumatisches Erlebnis. Es sollte normal sein, dass man die Kinder als Hauptbetroffene anhört. Kinder werden oft zum Spielball verschiedener Interessen. Darum ist es wichtig, dass es im Verfahren eine Person gibt, die ausschliesslich das Recht des Kindes vertritt.

Beobachter: Wie soll das geschehen?
Fehr: Kinder brauchen ein Recht auf Anhörung bei jedem Verfahrensschritt. Dabei muss man dem Kind einerseits glaubwürdig versichern, dass es keine Schuld an der schwierigen Situation trägt, und ihm anderseits das Gefühl vermitteln, dass sein Wohl im Zentrum steht. Zudem brauchen Kinder ihre eigene Rechtsvertretung. Die Annahme, dass Eltern neben den eigenen Interessen auch diejenigen des Kindes mit vertreten, ist nämlich im Konfliktfall meist eine Täuschung.

Beobachter: Das ehemalige Heimkind Thomas Frick verlangt eine Ombudsstelle. Wäre das hilfreich?
Fehr: Kinder, die in Heimen oder Pflegeverhält­nissen Probleme haben, sind sehr allein. Insofern wäre eine Ombudsstelle sicher hilfreich. Wichtig ist aber, dass die Kinder auch davon wissen und sie nutzen können. Das wiederum bedingt, dass Kinder in den vormundschaftlichen Verfahren über ihre Rechte aufgeklärt werden.

Beobachter: Es gibt bloss Schätzungen darüber, wie viele Kinder in Heimen und Pflegefamilien ­untergebracht sind. Rund 15'000 dürften es heute in der Schweiz sein. Warum gibt es eigentlich keine landesweite Statistik über die Zahl von Fremdplatzierungen?
Fehr: Die Familienpolitik fristet in der Schweiz ein Schattendasein. Und noch viel weniger Licht fällt auf spezielle Familienformen wie etwa Pflegefamilien. Die neue Pflegekinderverordnung, die auf nächstes Jahr in Kraft treten soll, wird die Kantone zu mehr statistischen Angaben verpflichten.

Veröffentlicht am 23. Juni 2009

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7 Kommentare

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evsch
Beobachter: Es gibt bloss Schätzungen darüber, wie viele Kinder in Heimen und Pflegefamilien ­untergebracht sind. Fehr: Die Familienpolitik fristet in der Schweiz ein Schattendasein- ICH WAR EINES DIESER KINDER ! und ich machte niemanden den Vorwurf… ab und zu bin ich aber "sehr wütend!!" Ausländer wurden besser behandelt als ich-in der (CH)-- dies auch eine Wahrheit in der Schweiz! Deswegen bin ich noch lange nicht Fremdenfeindlich.,-

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YM
Mein Sohn (12) wurde vor 2 Tagen mit Handschellen abgeführt. Er sollte zurück ins Heim. Er sagte nein und schon waren die Handschellen dran. Das Schulheim schickt die Kinder erst auf nen Bauernhof für ca 5 Wochen, so das Konzept. Dort müssen sie arbeiten. Mein Sohn wurde nicht beschult, das schon seit 1 Mai und wurde geschlagen. Wir machten Anzeige aber die Polizisten sagte das wären Erziehungsmasnahmen. Vor Gericht sagte mein Sohn und seine Anwältin dass er bei Mama bleiben und zur Schule gehen will. Nun ist er bei Pflegefamilie und ich habe Besuchsverbot.

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Yvonne Mielewczyk
Mein Sohn wurde fremd-platziert, weil er in der Schule gestört hat. seit 6 Monaten wird er nicht beschult. Die Bauernfamilie behandelt ihn wie Kuhmist. Er leidet sehr. Ich darf 4 Stunden jeden Sonntag mit ihm was unternehmen. Da es auf dem Land ist, 1,5 Stunden Zugfahrt für mich, sitzen wir meistens im Kaffee. Je nach Wetter. Die Behörden haben keinen Platz im Heim gefunden. Der einzigste Platz war in Effingen ( da gehört mein Sohn nicht hin). Effingen fuhr ihn sofort nach Emmental, wo er jetzt ist. 2 mal pro Woche darf ich ihn anrufen. Die Bauern wollen ihn gar nicht bei sich haben und behandeln ihn auch so. Mein Sohn und ich haben so schöne Zeiten gehabt. Ich bin (war) sein einzigster Halt. Nun brauch ich nen guten Anwalt. Wer weiss einen.?

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Olga Fahrni
Meine Tochter bekam einen Beistand, weil ich allein erziehend bin. Danach folgte ein Obhutsentzug mit Fremdplatzierung. Sie wurde bei der Person platziert, die erzählt hat, dass ich zu meiner Tochter nicht schaue. Ohne dies zu überprüfen, ob es stimmt! Ich hatte 1 Stunde ein Termin bei der Beiständin, wo sie mich mit ihrem Hund einschüchtern versuchte. Ich wurde nicht erhört, nur vor fertige Sache gestellt. Nach einem halbem Jahr Korrespondenz zwischen meiner Anwältin und versch. Behörde habe ich meine Tochter endlich wieder zurückbekommen. Aus psychischen Gründen habe ich meinen Job verloren. Meine Tochter wurde sehr vernachlässigt(riechte nach Tierextrementen) usw. Den Grund des Obhutsentzugs habe ich nie erfahren. Ist es nicht möglich, eine Entschädigung zu verlangen?

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