Dass diese Beziehung Sie nicht mehr befriedigt oder sogar belastet, kann ich gut verstehen. Aber ich denke, es wäre besser, sich zuerst zu lösen und erst dann jemand anderen zu suchen. Falls Sie es nur mit Hilfe eines neues Partners schaffen, den verheirateten Mann zu verlassen, besteht die Gefahr, vom Regen in die Traufe zu kommen.

Denn wenn man keine oder zu wenig Zeit aufwendet, um die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln, könnte sich das unbefriedigende Beziehungsmuster wiederholen. Wenn Sie zuerst die Ablösung vollziehen, mag das schmerzhafter sein. Doch es erlaubt Ihnen, genauer zu spüren, was Sie wollen und was Ihnen gut tut.

Dreiecksbeziehungen sind häufiger, als man glaubt – auch aus demografischen Gründen. Es gibt zu wenig allein stehende Männer; eine von fünf Frauen hat keinen potenziellen Partner. Für Frauen über 30 wird das Verhältnis noch schlechter, denn geschiedene Männer verheiraten sich meist sehr schnell wieder – oft mit Partnerinnen, die zehn und mehr Jahre jünger sind. Zudem sterben Männer im Durchschnitt sechs Jahre früher als Frauen.

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Kaum eine Frau dürfte mit Vorsatz auf die «Jagd» nach einem gebundenen Mann gehen: Liebesgeschichten entstehen meist ungewollt am Arbeitsplatz, wo sich Verheiratete und Ledige täglich begegnen.

Frauen sind heutzutage nicht mehr darauf angewiesen, aus ökonomischen Gründen zu heiraten. Deshalb können sie die Beziehung zu einem Mann, der schon gebunden ist, eher akzeptieren. Geblieben ist allerdings ein Wust von Vorurteilen: Die einen taxieren eine Beziehung zu einem verheirateten Mann als unmoralisch, andere sind schlicht neidisch auf so viel Freiheit.

Die «andere Frau» zu sein kann auch Vorteile haben: Sie kann sich der Karriere widmen und muss nicht «Hausmütterchen» spielen. Wenn sie den Geliebten trifft, bemüht er sich, ihr zu gefallen – schliesslich ist er ihrer nicht so sicher. Ausserdem stehen Erotik und Romantik nicht in Konkurrenz mit dem Familienalltag.

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Die Rolle als «andere Frau» ist kein Honiglecken
Umgekehrt ist die Rolle der «Anderen» nicht immer Honiglecken. Oft muss die Beziehung geheim gehalten werden, worunter viele Frauen leiden. Wenn es um Ferien oder Wochenenden geht, steht die «Freundin» in der Regel hinten an. Auch kann sie von Schuldgefühlen geplagt werden.

Mit den Jahren wächst vielleicht auch das Bedürfnis, nicht nur die guten, sondern auch die schlechten Stunden mit dem Partner zu teilen. Oft tauchen dann Gefühle der Ohnmacht und Wut auf: Enttäuschung über sich selbst und den Partner, das Gefühl, Zeit verloren zu haben und benutzt worden zu sein. Manchmal wird dieser Preis zu hoch.