Frage: Unser Eheproblem veranlasst mich, über eine Scheidung nachzudenken. Mein Mann und ich kennen uns seit über zehn Jahren. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass die grosse Leidenschaft, wie man sie von Filmen und Büchern her kennt, gefehlt hat. Seit unserer Hochzeit vor vier Jahren hatten wir genau zwei Mal Verkehr. Ich fühle mich bei meinem Mann geborgen, beschützt und geliebt, aber nicht begehrt. Ihm ist Sex nicht so wichtig, aber er möchte ein Kind. Verlange ich zu viel vom Leben? Und raten Sie in dieser Situation zu einem Kind? 

Koni Rohner, Psychologe FSP:

Nein, denn ein gemeinsames Kind eignet sich nicht zur Lösung bestehender Probleme. Auch scheint mir die Basis Ihrer Beziehung viel zu wacklig für die Übernahme einer so grossen Verantwortung. Ein Nein auch zu Ihrer ersten Frage: Ich finde nicht, dass Sie zu viel verlangen. Eine befriedigende Sexualität gehört einfach zum Leben und bringt Freude, Entspannung und liebevolle Verbundenheit mit dem Partner.

Sie erwarten, meiner Ansicht nach zu Recht, mehr von Ihrer Beziehung als Geborgenheit und Schutz, so wichtig solche «Heimatgefühle» auch sind. Natürlich können Ihr Mann und Sie in einer Paartherapie nach sexuellen Schwingungen suchen. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob Sie fündig werden, denn Sie haben mit diesem Partner ja nie etwas in dieser Richtung gespürt. Wahrscheinlich kommen Sie nicht darum herum, irgendwann für sich die Frage zu beantworten, ob Ihnen Geborgenheit wirklich wichtiger ist als Leidenschaft. Je nachdem werden Sie sich von Ihrem Mann trennen oder bei ihm bleiben. Und wie Sie sich betten, so liegen Sie dann auch.

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