Mit Ihrem Wunsch, die Antwort per E-Mail ins Geschäft zu bekommen, verhalten Sie sich so, als ob Sie ein schlechtes Gewissen hätten. Dies ist bereits ein Fehler, denn das bestärkt Ihre Frau in ihrem – wie Sie schreiben – unbegründeten Misstrauen. Sie können doch Ihrer Frau offen sagen, dass Sie unter ihrer Eifersucht und ihrem Kontrollbedürfnis leiden und deshalb beim Beobachter um Rat nachgefragt haben.

Äussern Sie gegenüber Ihrer Frau möglichst oft, aber ohne Vorwürfe zu erheben oder Druck auszuüben, wie sehr sie unter ihrem eifersüchtigen Verhalten leiden. Möglicherweise erkennt Ihre Frau dann, dass sie selber ein Problem hat, das den Konflikt verursacht.

Mein zweiter Ratschlag geht in die gleiche Richtung: Grenzen Sie sich liebevoll ab. Das heisst: Machen Sie Ihrer Frau deutlich, dass die Eifersucht, salopp aus-gedrückt, ihr ureigener «Film» ist, mit dem Sie als Partner nichts zu tun haben. Besonders wirksam ist dieses Verhalten, wenn Sie gleichzeitig Mitgefühl mit ihr zeigen können. Etwa in folgendem Sinn: «Es tut mir Leid, dass du so eifersüchtig bist, das muss sehr quälend sein.»

Lassen Sie sich keinesfalls in Diskussionen darüber ein, ob Sie irgendeine andere Frau angeschaut haben oder nicht. Oder sagen Sie einfach: «Natürlich habe ich sie angeschaut – so what? Was ist daran nicht in Ordnung?» Sanft und diplomatisch dürfen Sie ihr sogar empfehlen, sich einer Psychotherapie zu unterziehen. Vielleicht ist sie eher zu motivieren, wenn Sie ihr eine Paartherapie vorschlagen.

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All diese Rezepte – ausser der Paartherapie – sind natürlich unwirksam, wenn Ihre Frau doch Grund zur Eifersucht haben sollte. Dies wäre auch der Fall, wenn Sie sie nur in Gedanken betrögen. Dann sollten Sie zuerst mit sich selber ins Reine kommen, bevor Sie den Fehler bei Ihrer Frau suchen.

Auf das Mass der Eifersucht kommt es an
Ein bisschen Eifersucht mag ganz normal sein, weil wohl niemand völlig selbstlos lieben kann. Zu viel Misstrauen kann aber eine Beziehung zerstören.

Eifersucht kann viele Ursachen haben. Wenn ein Mensch etwa der tief sitzenden Überzeugung ist, nicht liebenswert zu sein, wird er immer und überall befürchten, dass sich der Partner jemand anderem zuwendet.

Eine andere Quelle krankhafter Eifersucht sind verdrängte eigene Wünsche. Wer selber immer wieder den Impuls verspürt, fremdzugehen, sich dies aber verbietet, neigt dazu, diese Schwäche beim anderen zu vermuten und zu bekämpfen. Dies ist der klassische Fall einer so genannten Projektion.

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Das Problem ist, dass beide Ursachen meist im Unbewussten verborgen bleiben und nur die Auswirkungen, eben die eifersüchtigen Gefühle, an die Oberfläche kommen. Deshalb brauchen Menschen, die unter grosser Eifersucht leiden, in der Regel therapeutische Hilfe, um an die Wurzel des Problems zu kommen.