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Koni Rohner zu Kommunikation«Wie bringe ich ihn bloss zum Reden?»

Frage: Man kann mit meinem Mann nicht reden. Weder über ihn noch über die Beziehung. Er sagt, er sei eben von Natur aus schweigsam. Ich aber brauche den Austausch. Wie kann ich seine Schweigemauer durchbrechen? Lisa B.

Sicher nicht mit Gewalt! Vorwürfe oder Druck lösen keine Widerstände, sondern stärken und verfestigen sie. Klären Sie als Erstes, was Sie möchten - und nicht, was Sie ärgert. Mit andern Worten: Lösungsorientierung statt Kritik.

Und dann bitten Sie Ihren Mann darum und bleiben hartnäckig. Zum Beispiel: «Mich interessiert deine Meinung zum Thema XY.» Er, vielleicht ausweichend: «Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.» Sie, hartnäckig: «Dann denk doch jetzt darüber nach, ich bin wirklich an deiner Ansicht interessiert.» Wenn Sie immer wieder auf diese Weise versuchen, ihm näher zu kommen, wenn er Ihr ernsthaftes Interesse spürt, wird er sich entweder allmählich öffnen oder aber realisieren, dass es ihm tatsächlich an Kommunikationskompetenz fehlt. Im letzteren Fall ist die Chance gross, dass er Sie in eine Paartherapie begleitet, in der an der Verbesserung Ihrer gemeinsamen Gesprächskultur gearbeitet werden kann.

Wir müssen die Wege zum Zusammenleben immer wieder selber bauen. Das ist nur möglich, weil wir uns differenziert miteinander verständigen können. Doch obwohl wir alle der Sprache mächtig sind, gibt es doch beträchtliche Unterschiede von Mensch zu Mensch. Die einen verstehen sich selbst und andere besonders gut und können sich auch sehr präzise ausdrücken. Andere sind - wie der Ehemann von Lisa B. - weniger begabt oder haben es nie gelernt. Es ist aber nie zu spät. Man kann seine Kommunikationsfähigkeit das ganze Leben hindurch verbessern.

Drei Elemente sind für Partnerschaften wichtig. Zuallererst muss man fähig sein, seine eigenen Gefühle und das, was der Partner sagt, unverfälscht wahrzunehmen. Oft trüben nämlich Vorurteile und Erwartungen in Bezug auf sich selbst und andere den Blick. Zweitens sollte man, ohne vorerst zu urteilen, sich selbst und andere verstehen können. Das ist die Fähigkeit, die man Empathie (Einfühlung) nennt. Sie gelingt durch interessiertes, nachfragendes Zuhören beziehungsweise In-sich-hinein-Hören. Wenn man sich dann drittens ausdrückt, sollte man von sich sprechen, statt den andern anzugreifen oder Forderungen zu stellen.

Weil dadurch jeder seine Handlungsfreiheit behält, können im Hin und Her von Zuhören und Sich-Erklären Lösungen gefunden, Missverständnisse beseitigt und die Verständigung verbessert werden. Die aktuellen Festtage sind eine Gelegenheit, sich bewusst zu werden, was für ein Geschenk es ist, dass wir miteinander reden, uns oft sogar verstehen und uns dadurch verbunden fühlen können.

Veröffentlicht am 18. Dezember 2006