Frage von Angela B.: «Mein Mann und ich streiten uns immer wieder über die Erziehung unserer Kinder. Ich habe das Gefühl, er setzt die Kinder zu stark unter Druck, und er wirft mir vor, sie zu verwöhnen und ihnen alles abzunehmen. Wie können wir eine Lösung finden?»

Die Erziehung der Kinder ist einer der häufigsten Konfliktpunkte zwischen Eltern. Was gehört sich, was nicht? Was sollte ein Kind können? Wie soll man reagieren, wenn ein Kind sich danebenbenimmt? Was heisst überhaupt «sich danebenbenehmen»?

Erziehung ist viel einfacher, wenn sich die Eltern über die Ziele und den Weg, wie sie zu erreichen sind, einig sind. Es ist ungemein anstrengend, immer wieder mit dem Partner kämpfen zu müssen. Elterliche Konflikte sind auch für die Kinder schwierig. Es besteht die Gefahr, dass die Kinder die Eltern gegeneinander ausspielen. Oder die Eltern die Kinder. Konflikte verunsichern die Kinder, da sie nicht wissen, was sie nun tun dürfen und was nicht. Und nicht unwesentlich: Die ständigen Konflikte schaden dem Paar- und dem Familienklima. Ein liebevolles Miteinander kann so nicht gelebt werden.

Rückblick ins eigene Elternhaus

Wie wir an die Erziehung unserer Kinder herangehen, ist stark von den Erfahrungen im eigenen Elternhaus geprägt. Sind wir damit zufrieden, werden wir versuchen, unseren Nachwuchs ähnlich zu erziehen. Haben wir das Gefühl, dass wir von den Eltern nicht gerecht behandelt, unterstützt oder genügend geliebt worden sind, werden wir sehr wahrscheinlich versuchen, mit unseren Kindern bewusst anders umzugehen. Die Familie ist auch die Kinderstube der Werte und Normen. Finden wir diese gut, versuchen wir, diese Werte und Normen weiterzugeben. Im anderen Fall werden wir die uns aktuell prägenden Normen und Werte unseren Kindern zu vermitteln versuchen.

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Werte und Normen sind wichtig. Sie geben uns Orientierung, Halt und Sicherheit. Unsere Wahrnehmung ist so aufgebaut, dass wir Informationen und Beobachtungen, die zu unserem Weltbild passen, besser aufnehmen als solche, die diesem zuwiderlaufen. Wir picken uns die Aspekte aus dem Gehörten und Gesehenen heraus, die das bestätigen, was wir für richtig und wahr halten. Treffen wir auf einen Menschen mit einem anderen Weltbild und anderen Wertemodellen, geben wir unser eigenes nur widerstrebend auf. Denn dadurch verlieren wir Sicherheit und Halt. Aus Selbstschutz haben wir die Tendenz, diese andere Meinung zu ignorieren oder aktiv dagegen zu kämpfen. Auseinandersetzungen entstehen aus diesen nicht übereinstimmenden Werten, Einstel­lungen, Zielen und auch Bedürfnissen.

Die Probleme als Paar angehen

Eltern müssen sich auf einige wichtige Punkte einigen, um nicht im Strudel der Alltagsprobleme mit den Kindern unter­zugehen. Es ist daher wichtig, dass diese als Paar angegangen werden, wie andere Konflikte in der Partnerschaft auch:

  • Sprechen Sie in Ruhe über die Erziehung, die Sie beide erlebt haben. Was hat Ihnen gefallen, was möchten Sie warum weitergeben? Was nicht? Hören Sie einander zu und versuchen Sie, sich im Gespräch zu öffnen, um wirklich zu verstehen. Das kann Ihnen ein Verständnis geben, warum bestimmte Erziehungsziele für den anderen wichtig sind. Eventuell sind die Unterschiede mit einem grösseren Verständnis nicht mehr so gravierend.
  • Diskutieren Sie miteinander, was Ihnen wichtig ist. Was möchten Sie Ihren Kindern mitgeben? Versuchen Sie, sich auf ein paar Grundhaltungen zu einigen.
  • Eltern müssen nicht in allen Punkten übereinstimmen. Kinder können gut unter­scheiden, was bei wem möglich ist und was nicht. Wichtig ist, dass Sie beide für das Kind voraussehbar und liebevoll reagieren. Und sich die Eltern nicht gegenseitig einmischen.
  • Investieren Sie in Zeit zu zweit. Vergessen Sie nicht, dass Sie ein Paar sind. Wenn man sich mag, ist es einfacher, Kompromisse einzugehen und eine Lösung zu finden. 
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