Wenn Diego* (Name geändert) aus der Schule kam, rannte er in die Küche, spuckte seine Mutter an und ohrfeigte sie. Die ganze Wut, der ganze Frust, die sich während des Tages angesammelt hatten, brachen aus ihm heraus. Auch verbal. «Er beschimpfte mich oft übelst», erzählt seine Mutter mit Hilfe einer Gebärdendolmetscherin. «Arschloch» sei noch einer der netteren Ausdrücke gewesen. Richtig schlimm wurde es mit dem Übertritt in die Oberstufe. Der schulische Druck nahm zu, der damals Zwölfjährige wurde noch aggressiver. 

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Diego ist ein sogenanntes Coda-Kind, «child of deaf adults», ein Kind hörbehinderter Eltern. Seine Mutter Beatriz Völkli* ist gehörlos und nutzt die Gebärdensprache, sein Vater Armin Völkli* ist stark schwerhörig, liest von den Lippen und kann dank seines Hörgeräts gut mit Hörenden kommunizieren. Diego und seine ältere Schwester hören normal. Für hörende Kinder gehörloser Eltern ist die Sprache ihrer Eltern ihre Muttersprache; wichtig ist, dass die Kommunikation funktioniert, egal, ob Gebärdensprache, Lautsprache oder mehrsprachig.