Beobachter: Herr Drösser, seit zehn Jahren prüfen Sie in Ihrer Kolumne «Stimmts?» Alltagsmythen auf ihren Wahrheitsgehalt hin. Gibt das so viel Stoff her?
Christoph Drösser: Es gibt noch viel mehr. Ich mache das ja ausserdem täglich im Radio. Zunächst dachte ich auch, das läuft irgendwann mal aus. Doch der Mensch ist faul, glaubt alles, was man ihm erzählt. Ohne sich die Mühe zu machen, das zu prüfen. Vielleicht ist das der Grund, warum sich so viele Mythen hartnäckig halten. Anderseits sind originelle Alltagsmythen einfach auch amüsanter Party-Talk.

Beobachter: Was fasziniert Sie am Thema?
Drösser: Vielleicht ist das eine persönliche Ader von mir. Ich bin ein skeptischer Mensch und möchte alles gerne ganz genau wissen.

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Beobachter: Was ist der schrägste Mythos, der Ihnen jemals unterkam?
Drösser: Schön sind die, bei denen ich denke: So ein Quatsch. Und dann stellt sich raus, dass es stimmt. Ein Leser fragte mich, ob es in den Brötchen tatsächlich einen Stoff gibt, der aus menschlichen Haaren gewonnen wird. Es stimmte, zumindest für die Vergangenheit.

Beobachter: Gibt es Leserreaktionen auf Ihre Kolumne? Melden sich Leute bei Ihnen, die sich gegen die Entlarvung der Mythen wehren?
Drösser: Es gibt immer welche, die sich nicht überzeugen lassen. Mir fällt das Beispiel von den grauen Haaren ein, die man über Nacht kriegen soll, aufgrund eines Schocks. Das stimmt definitiv nicht. Das haben mir auch Dermatologen bestätigt. Es gibt aber Leute, die mir schreiben, dass der Freund ihres Bruders jemanden kennt, der so etwas erlebt hat. Der Mythos ist in denen drin, den kriegt man nicht mehr raus.

Beobachter: Eltern sind ja mit schuld, dass sich Alltagsmythen halten. Mit welchen Elternregeln sind Sie aufgewachsen?
Drösser: Nach dem Essen nicht schwimmen. Bei uns ging es so weit, dass man nach dem Essen nicht mal in die Badewanne steigen durfte. Kinder sollen nicht alles glauben, was die Eltern ihnen erzählen. Die sollen kritisch nachfragen - und dann kann man zusammen drüber diskutieren. Oder zusammen im Internet nach der Wahrheit googeln.

Beobachter: Sie sind selbst Vater. Operieren Sie auch mit Elternregeln?
Drösser: Jetzt muss ich natürlich sagen, dass ich meinen Sohn zu einem vollkommen selbständigen Menschen erzogen habe.