Zwei Kinder schreien im Chor, müssen gestillt, gebadet, gewickelt und liebkost werden: Mit der Geburt von Zwillingen kommt eine Menge Arbeit auf Eltern zu. Doch: «Ich würde heute auf jeden Fall wieder Ja sagen zu Zwillingen – trotz den beiden ersten strengen Jahren», meint Karin Saameli Züblin aus dem Ber­ner Oberland. Ihre zweieiigen Zwillinge Riona und Yorick sind sechs Jahre alt.

Die Zwillingsmutter musste sich mit der Nachricht vom doppelten Nachwuchs erst einmal auseinandersetzen. Und auch Väter sind bei Mehrlingsgeburten besonders gefordert: «Zum Glück haben uns Eltern, Schwiegereltern, Geschwister und Freunde tatkräftig unterstützt.»

Einen Vorteil erleben viele Zwillings­eltern: Kinder im Doppelpack lernen sehr früh, sich im Verzicht zu üben. Eines muss sich immer gedulden. Auch werden Zwillinge schneller selbständig, sie kommunizieren schon sehr früh miteinander, gelten als sehr sozial und nicht egoistisch. Sie haben ein gleichaltriges Gegenüber, an dem sie sich messen können, das aber auch Sicherheit und Halt gibt. Yorick beispielsweise war mit vier Jahren bei seiner Gotte in den Ferien. Auf die Frage, ob er die Zeit als lange empfunden habe, antwortete er, er wolle endlich Riona wieder sehen. Und Riona hat erklärt, sie brauche kein Schlaftier, sie habe ja Yorick.

Es gibt unter Zwillingen aber auch einzelne, die sich über die ständige Doppelsicht auf ihre Person nerven. Eltern können eine Menge dazu beitragen, dass aus kleinen schwarzen Wolken, die es immer mal gibt, kein Dauergewitter entsteht.

Gleiche Schule? Gleiche Kleider?

Wichtig ist, die Kinder nicht immer in einen Topf zu werfen oder miteinander zu vergleichen. Denn: Es sind zwei verschiedene Persönlichkeiten mit eigenständigen Vorlieben und Verhaltensweisen. Auch eineiige Zwillinge unterscheiden sich in Charakter und Temperament. Besonders achtgeben sollten Eltern, wenn ein Zwilling klar dominiert und immer befiehlt.

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Die Frage, ob Zwillinge getrennt Kinder­garten oder Schule besuchen sollen, wird in Fachkreisen nicht eindeutig beantwortet. Ausschlaggebend ist die Persönlichkeit der Kinder. Hat eines immer alles zuerst oder besser im Griff, sollte man beiden die Chance geben, sich unabhängig voneinander in verschiedenen Gruppen zu entwickeln. Eigene Freundschaften aufzubauen und zu pflegen ist ein Muss. Geburtstage etwa können je nach Wunsch gemeinsam oder zweimal über die Bühne gehen.

Zwillinge haben immer einen Verbündeten neben sich und sind weniger abhängig von den Reaktionen der Erwachsenen. Klare Regeln sind daher speziell wichtig.

Ob sie die gleichen Kleider tragen sollen, hängt ebenfalls von ihren Vorlieben ab. Manche mögen es, als «doppeltes Lottchen» aufzutreten, anderen ist es zuwider. Deshalb sollte auch dieses Thema immer wieder diskutiert werden.

Yorick und Riona jedenfalls kommen im August eventuell in verschiedene Schul­klassen. Aber dem sehen sie gelassen entgegen: Sie sind und bleiben Zwillinge und erzählen es jedem, der es hören will.

Buchtipp

Angela Grigelat: «Auf einmal zwei»
Deutsche Verlags-Anstalt, 2007
320 Seiten, 32.90 CHF,
www.zwillinge.ch