Der elfjährige Alex hat Schwierigkei­ten in der Schule. Obwohl er regelmässig lernt, fallen seine Prüfun­gen nur knapp genügend aus. Hauptgrund dafür ist seine Konzentrationsschwäche. Einige mögen jetzt reflexartig an das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit oder ohne Hyperaktivität denken (ADS oder ADHS). Aber dafür fehlen bei Alex weitere typische Anzeichen wie Impulsivität und tiefe Frusttoleranz.

Eine «normale» Konzentrationsschwäche ist nichts Aussergewöhnliches; viele Schüler und Schülerinnen leiden zumindest zeitweise darunter. Manchmal aber besteht die Schwäche über längere Zeit hinweg. Etwa bei Vorschulkindern, die wie Schmetterlinge von einem Spiel zum andern «flattern», ihre Puzzles unfertig aufgeben und sich kaum in eine Beschäftigung vertiefen können. Da Kinder noch viel Entwicklungspotential haben, unternimmt man meistens nichts dagegen. Es ist normal, dass sie ihre Interessen rasch wechseln und alles ausprobieren wollen.

Bei Kindern, die ihren Eltern nicht gut zuhören, kann dieselbe Ursache dahinterstecken. Besser ist es da, jeweils nur eine Anweisung aufs Mal zu geben. Und dabei den Blickkontakt des Kindes zu suchen und auf Augenhöhe hinunterzugehen. So fällt es dem Kind leichter, den geforderten Auftrag zu erfüllen.

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Deutlich sichtbar wird die Konzen­trationsschwäche oft erst in der Schule. Dann, wenn ein Kind nicht stillsitzen oder aufmerksam zuhören kann. Oder wenn es die Hausaufgaben hastig und schludrig erledigt oder herumtrödelt. Vor allem aber dann, wenn es in Tests sein Können nicht zeigen kann. Typisch sind Prüfungen, die bis zur Mitte sehr gut gelöst werden, in der zweiten Hälfte aber viele Fehler aufweisen. Leider nützt noch so viel Lernen und Vorbereiten nichts, wenn die Konzentration nur für eine halbe Stunde reicht.

Training für mehr Aufmerksamkeit

Die allgemeine Konzentrationsfähigkeit können Sie mit Ihrem Kind wie folgt ­trainieren:

  • Pausen: Nach 20 Minuten Hausaufgaben fünf Minuten pausieren.

  • Trinken: Wasser ist Gehirnnahrung pur und verbessert nachweislich die Denk­fähigkeit.

  • Ohren und Augen reiben vor Hausaufgaben oder einer Prüfung: Die Sinnesorgane werden geweckt und aufnahmefähig gemacht.

  • Bewegung, die das Denken anregt: Zum Beispiel das Wanderdiktat: Der wiederzugebende Text liegt in der anderen Zimmer­ecke, das Kind «wandert» zwischen dem Text und seinem Arbeitsplatz hin und her und schreibt portionenweise auf, woran es sich jeweils erinnert. Oder zur Auflockerung Papierknäuel in einen Papierkorb werfen oder auf einem Bein um den Tisch hüpfen.

  • Frische Luft in der Pause: Fenster öffnen, tief durchatmen.

  • Mandalas ausmalen: Diese Entspannungstechnik führt zu innerer Ruhe und Konzentration.

  • Memory spielen: Das Spiel stärkt das ­visuelle Lernen und die Merkfähigkeit.

  • Denkspiele: Sudoku, Logeo ratio (Kombinationsspiel) oder Schach machen lernfit.


Besonders geeignet zur Stärkung der Konzentrationsfähigkeit sind sogenannte Kim-Spiele, die jedes Sinnesorgan einzeln trainieren. Füllen Sie einen Sack mit kleinen Gegenständen. Wer errät nur durch Fühlen mit der Hand, was er gerade hält? Oder verbinden Sie Ihrem Kind die Augen. Hört es heraus, womit Sie ein Geräusch machen? Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

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Buchtipp

Regina Bestle-Körfer, Annemarie Stollenwerk: «Sehen, hören, schmecken… Mit Kindern alle Sinne entdecken»; Christophorus-Verlag, 2005, 60 Seiten, Fr. 28.90