Früher mussten Kinder den Teller immer leer essen und am Tisch schweigen. Gespräche zu führen war den Erwachsenen vorbehalten. Zu Recht gelten heute diese und andere Regeln nicht mehr ganz so rigide. Denn mittlerweile haben verschiedene Studien gezeigt, dass Kinder in ihren Tischsitten nicht allzu sehr kontrolliert werden sollten. Äusserst strenge Vorschriften führen nicht selten genau zum Gegenteil dessen, was man erreichen möchte, so die Forschung. Und doch: Tischsitten sind wichtig, spätestens im Schulkind- oder Teenageralter ecken Kinder an, die nicht anständig essen.

Grundlage für gute Tischmanieren von Kindern ist, dass sich die Erwachsenen am Tisch einig und bewusst sind: Was sie den Kindern vorleben, prägt viel stärker als alle Ermahnungen und alles Reden. Kinder kopieren naturgemäss schlechte Vorbilder eher als gute. Wenn Erwachsene also das Gefühl haben, das Essverhalten laufe aus dem Ruder, sollten sie erst mal ihr eigenes Verhalten überdenken.

Grundsätzlich gilt: Ein Kleinkind gehört ab seinem ersten Geburtstag an den Familientisch und soll auch versuchen dürfen, selber mit dem Löffel zu essen. Eltern, die ihr Kind füttern, bis es drei Jahre alt ist, bloss weil es schneller geht und sie die Unordnung fürchten, erweisen dem Kleinen einen Bärendienst: Es dauert dann nämlich umso länger, bis die Kinder routiniert mit Messer und Gabel umgehen können.

Manchmal erwarten Eltern aber auch zu viel von ihren Kindern. Nicht jedes Kleinkind ist von der motorischen Entwicklung her gleich rasch in der Lage, sauber zu essen. Deshalb sollten besonders die etwas unbeholfenen Kinder nicht ständig getadelt und ermahnt werden. Viel besser ist eine liebevolle, geduldige Anleitung. Wie nimmt man das Besteck in die Hand? Wie kann man das Fleisch am besten schneiden?

Erklären, was stört
Gelegentlich provozieren grössere Kinder am Esstisch auch ganz bewusst. Da gibts nur eins: Teller wegnehmen mit der Bemerkung, dass das Kind weiteressen darf, wenn es sich wieder anständig benimmt. Am besten erklären Eltern kurz, was genau sie gestört hat und warum. Diskutieren Sie - nicht während des Essens - über den Sinn von Tischsitten. Es interessiert Kinder, dass man in China rülpst, wenn einem das Essen gut geschmeckt hat. Wie kommt das hier an, wenn jemand während des Essens rülpst? Nützt alles nichts, können Eltern einmal kommentarlos selber ganz unappetitlich zu essen beginnen. Weil die Kinder dann realisieren, wie unangenehm ein schmatzender Tischnachbar ist, wird so die Situation häufig schlagartig entschärft.

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