Grimassen schneiden, Witze reissen, auffallen um jeden Preis: Wer kennt ihn nicht, den Gruppenkasper oder Klassenclown? Da ist zum Beispiel der sechsjährige Noah, der beim Vorlesen ständig dazwischenquatscht und rum­blödelt. Oder die gleichaltrige Jessica, die meint, wenn sie immer wieder aufsteht und sich im Kreise dreht, fänden sie die anderen alle cool. Doch die anderen ­finden das eben gar nicht so toll.

Anfangs haben die beiden die Lacher auf ihrer Seite. Nimmt das «Herumkaspern» und «Aus-der-Reihe-Tanzen» jedoch kein Ende, nervt es nur noch. Je mehr ­Noah und Jessica immer wieder Grenzen überschreiten, weil sie Aufmerksamkeit wollen, desto mehr können sie auf Ablehnung stossen und ins soziale Abseits geraten. Es gibt kaum ein Entrinnen aus diesem Teufelskreis.

Die «Clowns» sind auf die Unterstützung von Lehrpersonen und Eltern an­gewiesen, um aus ihrer Rolle wieder ausbrechen zu können. Allein gelingt ihnen das meist nicht. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, das störende und auf Dauer auch selbstzerstörerische Verhalten zu verändern. Dabei steht die Frage nach dem Warum im Vordergrund. Mögliche Gründe für das auffällige Verhalten des Kindes sind die folgenden:

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  • Es ist unsicher und weiss nicht, was von ihm erwartet wird – welches Verhalten ihm positive Zuwendung beschert.

  • Es wird von den anderen ausgegrenzt und ausgelacht.

  • Andere drängen es in diese Rolle hinein.

  • Es glaubt nicht an seine Fähigkeiten und es fehlt ihm an Erfolgserlebnissen.

  • Es ist über- oder unterfordert.

  • Es ist durch die Trennung der Eltern oder die Geburt eines Geschwisters irritiert.

Das beste Mittel: Positive Unterstützung

Es hilft, genau zu beobachten, in welchen Situationen das Kind rumblödelt. Wird es immer dann auffällig, wenn es in der Grup­pe etwas vortragen soll, so fürchtet es vielleicht, etwas falsch zu machen. Gute Betreuung könnte das Problem lösen. Fühlt sich ein Kind stets überfordert, hat die gezielte Förderung Priorität. So wird es immer mehr Positives erleben. Unterforderte und gelangweilte Kinder können sich allenfalls durch die Lösung schwieriger Aufgaben beweisen. Manchen dienen auch klare Rückmeldungen, damit sie verstehen, was von ihnen erwartet wird.

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Mit konsequenter positiver Unterstützung gelingt es meist, das störende Verhalten abzubauen. Immer wenn sich ein Kind kurz zurückhält, ruhig zuhört oder konzentriert mitspielt, sollte es gelobt werden. So wird ihm bewusst, wie es positive Aufmerksamkeit auf sich lenken kann.

Damit sich das Verhalten ändert, sind zudem Alternativen gefragt. Beispiele: Bevor das Kind mit den Essensresten spielt, könnte es aufgemuntert werden, schon mal den Tisch abzuräumen, damit es Platz gibt fürs Dessert. Wer gern singt, könnte im Kinderchor das Richtige finden, Sportskanonen im Sportverein.

Im Zentrum stehen jegliche Begabungen oder auch Vorlieben. Fühlen sich He­ran­wachsende in einer Sparte sattelfest, haben sie Erfolg, sind anerkannt und können ihre überbordende Energie sinnvoll einsetzen. Und wer weiss, vielleicht wird aus dem Grimassenschneider doch einmal ein witziger Komiker, weil er schon als Kind die Möglichkeit erhielt, sein Talent in einer Theatergruppe auszuleben.

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