«Wie war es heute im Chindsgi?» - «Affengeil.» Seit Leandra in den Kindergarten geht, kommt sie mit Wörtern nach Hause, von denen ihre Eltern nicht eben begeistert sind. Trotzdem werden sie sich daran gewöhnen müssen: Neben garstigen Ausdrücken wird ihre Tochter fortan auch die verschiedensten Marotten von ihren neuen Gspäändli übernehmen.

Denn darum geht es: Kinder lernen zu einem überwiegenden Mass durch Nachahmung. Sie kopieren einerseits viele nützliche Dinge - etwa sich selbständig die Schuhe anzuziehen, Lieder zu singen oder gemeinsam zu spielen. Anderseits lernen sie von den anderen auch Sachen, die, gelinde gesagt, nicht sein müssten - und die in der Welt der Erwachsenen gegen die Benimmregeln verstossen. Sie rülpsen laut, sind unflätig, sagen «du Furz», «fick dich» oder «hammermegageil» und haben ihren Spass daran, weil sie wissen, dass sie damit ihre Eltern ärgern oder verlegen machen können. Ganz nach der Devise: Phantastisch, wenn man als Kind mit so wenig Aufwand für so viel Aufregung sorgen kann!

Bleiben wir realistisch: Schimpfwörter sind Teil unserer Sprachkultur. Bei Kindern und Jugendlichen werden sie oft zum Ritual unter Gleichaltrigen. Man will dazugehören. Und auch die Eltern haben ihre Kraftausdrücke, um spontan Dampf abzulassen. Ein Fluch ist immer noch besser, als die Fäuste gegen andere zu erheben. Gleichwohl müssen sich Eltern nicht alles anhören, sondern sollten Grenzen setzen.

So bringen Sie Ihr Kind dazu, weniger Schimpfwörter zu benutzen.

  • Fragen: Wenn Ihr Kind nicht weiss, was das Wort bedeutet, erklären Sie es ihm in groben Zügen. Betonen Sie, dass dieser Ausdruck andere Leute traurig oder wütend machen kann.


  • Stellung beziehen: Sagen Sie deutlich, dass Sie solche Worte nicht hören möchten.
  • Alternativen suchen: Suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind nach Ausdrücken, die es Ihrer Meinung nach benutzen darf. Zum Beispiel: «Das ist so blöd!» statt «Das ist Scheisse!».
  • Nicht mitspielen: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes, wenn Ihr Kind grob redet. Dadurch machen Sie im Machtspiel nicht mit, und das Kind verliert das Interesse daran.
  • Ritual: Jedes Familienmitglied erhält eine kleine Plastiktüte. Es werden diejenigen Worte in den Sack gesprochen, die von nun an tabu sein sollen. Danach zubinden und wegwerfen. Das ist lustig und bleibt in Erinnerung.
  • Regeln: Wer ein Schimpfwort sagt, zahlt 50 Rappen oder führt während zehn Minuten eine lästige Hausarbeit aus.
  • Ignorieren: Hält sich Ihr Kind nicht an die Abmachungen, sondern legt es in der Öffentlichkeit darauf an, Sie zu provozieren, hilft nur Ignorieren und so zu tun, als ob Ihnen das - Entschuldigung - am A... vorbeigeht.
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