Eigentlich darf man damit rechnen, Blut zu sehen. Emilia hat in ihrem ganzen Leben noch nie geschnitzt. Sie ist fast fünf Jahre alt, die Haut an den Fingern zart, die Klinge scharf. Entschlossen setzt sie das Messer an – und schält in einem Zug den ersten Rindenstreifen vom Ast. Wenig später ist die Achse für Emilias Kreisel fertig. Alle Befürchtungen waren unbegründet, es gibt keine Verletzten.

Kinder, die mit Messern arbeiten, sind selten geworden. Dabei gehörte das Schneidewerkzeug einst zur Grundausstattung: Neben Nastuch und Schnur war das Messer Sackbefehl für «e rächte Giel».

Doch statt im Zuge und Sinne der Gleichberechtigung auch den Mädchen einen Sackhegel in die Finger zu drücken, haben übervorsichtige Erzieher das Werkzeug zur Waffe erklärt.

Ein Naturerlebnis mit zwei Klingen

In den vergangenen Jahren ist das Messer deshalb mehr und mehr aus den Taschen rechtschaffener Kinder verschwunden. Als gefährlich verboten, wird es heute selbst auf Schulreisen kaum mehr gesichtet. «Hemmungen haben vor allem Erwachsene, die selbst im Umgang mit Messern wenig Erfahrung haben», sagt Felix Immler, Sozialarbeiter und Naturpädagoge in St. Gallen. Das ist schade. Mit dem Rückzug des Taschenmessers gehen nicht nur nützliche Fertigkeiten und schöne Naturerlebnisse verloren, es fällt vor allem sehr viel Spass weg.

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Deshalb hat Immler ein «Taschenmesserbuch» verfasst. Darin finden sich An­leitungen zu einfachen Schnitzprojekten wie Kreisel, Klangstab und Steinschleuder (siehe Folgeseiten), aber auch zu schwierigeren Vorhaben wie Schiffchen, Wind- und Wasserrädern oder Musikinstrumenten.

«Den Kleinsten fehlt für manche Fertigungsschritte noch die Kraft in der Hand», sagt Immler. Selbst Siebenjährige hätten oft noch Mühe, selbst das Messer aufzuklappen. Deshalb sei anfangs Betreuung und Unterstützung durch Erwachsene wichtig: «Das gemeinsame Projekt steht im Vordergrund. Es reicht völlig, wenn das Kind am Wasserrad mitarbeitet, indem es einfach die Rinde von den Ästen schält.»

Die Sicherheitsregeln beachten

Kindern das Schnitzen beizubringen lohnt sich in vielerlei Hinsicht: Es verlangt Ausdauer und Konzentration; schult Auge, Feinmotorik und Kreativität. Zudem verleiht es das Selbstvertrauen, mit einem scharfen Messer selbständig etwas schaffen zu können.

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Natürlich gibts all das nicht umsonst: «Kleinere Schnittverletzungen gehören dazu – genau wie die Stürze, wenn sich ein Kind erstmals aufs Velo traut», sagt Immler. Blut und Schmerz gemahnen zu mehr Vorsicht beim nächsten Mal. Und Kindersackmesser, die zwar scharfe Klingen, aber abgerundete Spitzen haben, helfen Stichverletzungen zu verhindern.

Wichtig ist einfach, die gängigen Sicherheitsregeln zu beachten: stets vom Körper weg schnitzen, genügend Abstand zu anderen halten und nicht mit offener Klinge herumlaufen, zum Beispiel.

Erst mal allein in den Wald

Die Schnitzprojekte in Immlers Buch sind teilweise anspruchsvoll, selbst für Erwachsene, die früher selbst geschnitzt haben. Früher ist lange her. Darum lohnt es sich, zuerst allein mit dem Buch einen Nachmittag lang in den Wald zu gehen, um sich wieder mit Holz, Klinge und deren Wechselspiel vertraut zu machen. Für die, die sich das nicht zutrauen und den Umgang mit Messer und Holz von Grund auf lernen möchten: Felix Immler wird in Zukunft als Taschenmesserpädagoge Kurse anbieten – auch für Erwachsene.

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Buchtipp

Felix Immler: Werken mit dem Taschenmesser. AT Verlag/Aarau 2012. Weitere Informationen: www.taschenmesserbuch.ch

Schnitztipp «Bubentraum»

Auf einer Unterlage arbeitet sichs leichter: Janik schnitzt eine Nut in den Schenkel der Steinschleuder.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Die fertige Schleuder

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

«Die Steinschleuder ist megacool.» Janik mit seinem selbstgebastelten Bubentraum

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Steinschleuder: Der Klassiker

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

Eine geeignete Astgabel zurecht­sägen — Schenkel wie Griff mit rund 14 Zentimetern Länge.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Eine Nut an den Schenkelenden verhindert, dass das Gummiband abrutscht.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

Die Löcher im Lederstück sollten möglichst rund sein, damit der Gummi  nicht ausreisst.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

Für ein Klangholz brauchen Sie einen geraden Hartholzast – trocken und geschält klingt Holz am besten.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Bestimmen Sie die Stelle, wo der Stock ideal schwingt – meist etwa bei einem Fünftel der Länge.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

Durchbohren Sie den Stock an dieser Stelle. Zur Not tuts auch eine Nut rundherum.

Der Gummi – zum Beispiel ein Latexband – wird eingefädelt und mit Schnur festgebunden.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

Befestigen Sie eine Schnur – damit der Stock in der Hand oder an einem Baum schwingen kann.

Schnitztipp «Orakel»

Wetterorakel (Bild) oder Würfel: Mit Phantasie wird mehr aus einem simplen Kreisel.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Achten Sie darauf, dass beide Bänder gleich lang sind, wenn Sie den Gummi an der Schleuder befestigen.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

«Morgen scheint die Sonne.» Emilia sagt mit dem selbstgeschnitzten Kreisel das Wetter voraus.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Kreisel: Als Würfel oder Orakel einsetzbar

Ein Job für Erwachsene: Sägen Sie eine regelmässige Scheibe von einem Ast.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Ein klarer Fall für die Ahle: Durchbohren Sie die Scheibe vorsichtig.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

Für die Achse einen kleinen Ast vierteln. So muss man weniger wegschnitzen.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Schnitztipp «Klangwunder»

Jetzt einen der Viertel sorgfältig zur Kreiselachse zurechtschnitzen.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

Richten Sie die Achse sorg­fältig, bis der Kreisel laufruhig dreht.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Das Klangholz ist einfach zu schnitzen. Abgerundete Klingen verkleinern die Verletzungsgefahr.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

«Das lange Stück klingt am schönsten.» Joris musiziert mit seinem Klangholz.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)
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Mehrere Klanghölzer können Harmonien ergeben: Mit viel Geduld und Musikgehör bauen Sie gar ein Waldxylophon.

Quelle: Rebekka Heeb (Illustrationen)

Klangholz: Hier spielt die Musik