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Hotel MamaWarum die Jungen heute nicht mehr ausziehen wollen

Der Nachwuchs wird immer später erwachsen. Eltern spüren das nicht nur im Portemonnaie.

Für immer Kind: Junge Erwachsene kosten ihre Eltern vermehrt Geld, Zeit und Nerven.
von aktualisiert am 25. Oktober 2018

Die brutalste Erkenntnis junger Eltern: Dieses Kind bleibt für immer unser Kind. Die Hilf­losigkeit, wenn das ­Baby nicht so zunimmt, wie es die Gewichtstabelle vorsieht. Die Sorgen, wenn sich die Erstklässlerin erstmals allein auf den Schulweg macht. Die Angst, dass der Sprössling keine Lehrstelle findet, keinen Partner. Es hört nie auf. Der Preis fürs Glück ist ewiger Kummer – plus 200'000 Franken.

Die Zahl stammt vom Bundesamt für Statistik. Vermutlich ist sie viel zu tief. Das Amt rechnet für ein Kind bis zum 20. Lebensjahr mit monatlichen Kosten von 819 Franken. Richtig ins Geld gehts aber oft erst danach. Ein Danach, das sich in den letzten Jahren so stark ausgedehnt hat, dass die Psychologie eigens dafür einen Fach­begriff geschaffen hat: Emerging Adulthood – die immer länger werdende Phase zwischen Jugend und unabhängigem Erwachsensein Volljährigkeit Erwachsen - und was nun? . Das Schöne daran: Eltern haben mehr von Kindern, die später ausziehen. Das weniger Schöne: Es wird teurer.

Zu viele Möglichkeiten

Gründe dafür, dass Junge immer später auf eigenen Beinen stehen, gibt es viele. Vereinfacht gesagt: Alles ist komplizierter geworden. In den fünfziger und sechziger Jahren war das Erwachsenwerden eine starre Aneinanderreihung von Meilensteinen: einen Job finden, eine Wohnung Mietwohnungen Endlich eine eigene Wohnung! , heiraten, Kinder kriegen. Für die Generationen, die auf die Babyboomer folgten, gilt das nicht mehr. Sie leben in einer Gesellschaft, die ihnen eine verwirrende Anzahl Möglichkeiten bietet. Sie wachsen in Familien auf, in denen die klassische Rollenverteilung aufgehoben ist. Sie müssen sich in einer von Konkurrenzkampf geprägten Arbeitswelt Arbeitsplatz «Bei Kollegen ist Grundvorsicht geboten» mit stets steigenden und sich verändernden Ansprüchen behaupten.
 

«Man hat keinen zwingenden Grund mehr, früh auszuziehen.»

Pasqualina Perrig-Chiello, Entwicklungspsychologin


Die Entwicklungspsychologin Pasqualina Perrig-Chiello wohnt mit ihrem Mann in einem grossen Haus in Basel. Die Söhne sind schon seit einiger Zeit ausgeflogen. Beide haben studiert, ­beide haben in dieser Zeit zu Hause 
gewohnt. Perrig-Chiello sagt: «Kinder aus intakten Familien bleiben nachweislich länger.» Wenn das Elternhaus eine Wohlfühlzone ist, gibts für den Nachwuchs keine Dringlichkeit, möglichst früh die Koffer zu packen. Die emeritierte Professorin hat das Phänomen während vieler Jahre erforscht. In dem von ihr mitverfassten «Sozial­bericht Schweiz» heisst es, dass die Hier­archien in den Familien flacher geworden sind. «Man hat keinen zwingenden Grund mehr, früh auszuziehen», sagt Perrig-Chiello.

Dass es in den meisten Familien nicht mehr so zugeht wie auf dem Kasernenhof, findet Perrig-Chiello begrüs­senswert: «Familien sind kleiner geworden, die Beziehungen ­intensiver und existenzieller.» Anderseits könne sich daraus eine ungute Anspruchshaltung entwickeln, die den Übertritt in ein autonomes Leben Volljährigkeit Hallo, Ernst des Lebens hinauszögert: Es passt ja, ich kann mir Zeit lassen, muss mich nicht festlegen. Und wenn es nicht klappt, kann ich immer wieder zurück. Die Tür zum Hotel ­Mama bleibt sperrangelweit offen, der Tisch gedeckt, das Bett gemacht.

4 von 10 Studenten wohnen im Hotel Mama

Studierende, die bei ihren Eltern wohnen (nach Altersgruppen)
Anteil Studierende, die bei den Eltern wohnen (nach Altersgruppen)
Quelle: BFS – Infografik: Andrea Klaiber

Pasqualina Perrig-Chiello gehört 
einer Generation an, die nur eins wollte: möglichst schnell raus. «Viele wollten einfach weg von den patriarchalen und autoritären Strukturen des Elternhauses. Sie wollten ihr Leben in Freiheit gestalten.» Die Wohlstandsphase Mitte des 20. Jahrhunderts begünstigte diese Pläne. Wer wollte, fand sofort Arbeit, verdiente schnell sein eigenes Geld.

Heute sei das nicht mehr so einfach, sagt Perrig-Chiello. Stichwort: Generation Praktikum. Wobei man unterscheiden müsse: «Wer eine Berufslehre machen will, muss dafür in der Regel nicht den Bückling machen Berufseinstieg Schnoddrigkeit liegt nicht drin .» Anders sehe es bei vielen jungen Akademikern aus. Im europäischen Ausland – etwa in Italien – ist das Problem akut. Da finden selbst bestens ausgebildete Junge kaum Jobs, die ein Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Geschweige denn das Gründen einer Familie.

Aber auch in der Schweiz sind schlecht bezahlte Praktika, Stages und Volontariate in Mode gekommen. 2017 befanden sich fast zehn Prozent der 15- bis 24-Jährigen in einem Praktikumsverhältnis, zeigt die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung. Für die grüne Nationalrätin Lisa Mazzone eine besorgniserregende Entwicklung. Im September forderte sie vom Bundesrat eine Situationsanalyse. Sie wollte wissen, in welchem Ausmass Praktikanten in der Schweiz als billige Arbeitskräfte aus­genutzt Schnupperstiftin Vom Traum bleiben noch 200 Franken werden. Die Regierung lehnte ab: Ein solcher Bericht sei unnötig, das Arbeitsrecht biete genügend Schutz vor Ausbeutung.

Höhere Bildung, länger zu Hause

Seit Jahren steigt die Maturitätsquote in der Schweiz. Im Jahr 2000 absolvierten 
26 Prozent die Prüfung, inzwischen sind es knapp 40 Prozent. Eine Folge der gestiegenen Ansprüche an die Bildung. Denn Arbeitgeber fordern heute mehr Stelleninserate Jobanforderungen der Superlative als gute Noten: Programmierkenntnisse, Fremdsprachenzertifikate, womöglich einen MBA. Chinesische Eltern schicken ihren Nachwuchs schon im Kindergartenalter zum Geigenunterricht. Schweizer Mamis und Papis geben Unsummen für Privatschulen und Nachhilfelektionen aus Nachhilfe «Aber ich will doch gar nicht ins Gymi!» . Das verzögert den Auszug der Kinder. Das Streben nach einer höheren Bildung gilt als Hauptgrund dafür, dass sich die Zeit zwischen Heranwachsen und Erwachsensein immer mehr ausdehnt.

Mit den gestiegenen Ansprüchen gehen junge Menschen ganz unterschiedlich um. Die einen investieren viel Zeit in eine Ausbildung, die anderen verweigern sich komplett. Mit dem gleichen Resultat: Man bleibt länger von den Eltern abhängig. Dieses Verhalten sei nachvollziehbar, sagt Pasqualina Perrig-Chiello. «Die Tatsache, dass in unserer postmodernen Gesellschaft alles möglich, aber nichts sicher ist, produziert häufig Orientierungslosigkeit und rückt die Frage nach der Sinnhaftigkeit ins Zentrum.» Früher waren Lebensläufe gesellschaftlich getaktet, jeder wusste, was er wann und wie zu tun hatte.
 

«Dass in unserer postmodernen Gesellschaft alles möglich, aber nichts sicher ist, produziert häufig Orientierungslosigkeit und rückt die Frage nach der Sinnhaftigkeit ins Zentrum.»

Pasqualina Perrig-Chiello, Entwicklungspsychologin


Die heutige Wahlfreiheit, so erwünscht sie auch ist, bringt unweigerlich auch Verunsicherung mit sich: «Wozu ins Hamsterrad steigen, wenn sowieso unklar ist, ob mir jemals eine Rente ausbezahlt wird?» Als Konsequenz schalteten einige in einen Passivmodus, sagt Perrig-Chiello: «Sie lassen sich treiben. Es kommt eh so, wie es kommen muss.» Diese Jungen jobben eine Weile, gehen auf Reisen, posten Fotos von Machu Picchu auf Instagram – vielleicht klappt es ja als Influencer Influencer Die Selbstverkäufer – und checken bei Ebbe im Portemonnaie immer wieder im Hotel Mama ein.

Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen

Pasqualina Perrig-Chiello warnt vor zu viel Opportunismus. «Lebensziele zu haben ist extrem wichtig», sagt sie. «Denn was wäre die Alternative? Sinnlosigkeit Psychologie «Warum langweilt mich mein Leben?» . Depression.» Solche Ziele müssten ja nicht bis ans Lebensende reichen. Einmal Lehrer, immer Lehrer – das sei vorbei. Wichtig sei eine solide Basis, dass man durchziehe, was man einmal begonnen habe. Wohlwissend, dass es noch tausend weitere Optionen gibt. «Ohne Ziele ist eine Sinnfindung unmöglich. Und ohne Sinnfindung gibts kein Wohlbefinden.»

Letztlich sei es eine Frage der Erziehung, sagt Perrig-Chiello. Es ist an den Eltern, dem Kind beizubringen, Dinge durchzuziehen. Das beginne schon früh. Wenn der Sohn unbedingt das ­Gitarrenspiel lernen will – wunderbar. Nur dürfe man nach drei Monaten nicht einknicken, wenn er dann doch plötzlich lieber Schlagzeug spielen möchte. Dafür brauche es keinen Zwang, aber eine klare Haltung: «Eltern sollten mit gutem Beispiel vorausgehen Generation ­Nervensäge Das Problem sind die Eltern

Dieses Erziehungsprinzip zahlt sich aus. Im Haushalts- und im Nervenbudget. In der Schweiz sind Eltern verpflichtet, ihre Kinder so lange zu unterstützen, bis sie ihre Erstausbildung abgeschlossen Ausbildung Die Eltern müssen zahlen – aber nicht für alles haben. Wenn die Tochter ihr Glück zuerst in einem Architekturstudium sucht und anschliessend bei den Historikern, ehe sie sich endlich für ein Journalismus-Studium entscheidet, zahlen die Eltern womöglich weit über den 25. Geburtstag hinaus.

Verwöhnte Jugend

Den Kindern der Babyboomer mag es an Orientierung mangeln, Geldsorgen plagen sie nicht Familie Teenager wollen Geld ausgeben . Eine Studie der Jacobs Foundation stellt fest: «Die Jugendlichen in der Schweiz sind alles andere als knapp bei Kasse.» In einer Umfrage gaben drei Viertel an, sie müssten nie auf etwas verzichten – dank ihren Eltern.

Die Ergebnisse decken sich mit einer Umfrage des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken zum Umgang Jugendlicher mit ihrem Lehrlingslohn Lehrstelle Leitlinien zum Lehrlingslohn . Die meisten Befragten lebten noch zu Hause, weniger als ein Drittel musste für Wohn- und Lebenskosten einen Teil des Lohns ­abgeben. Und rund die Hälfte bekam zum Lehrlingslohn einen Zustupf von den Eltern, Grosseltern oder vom Götti. An den Hochschulen zeigt sich Ähnliches. Gemäss Bundesamt für Statistik leben vier von zehn Studenten bei den Eltern, und 83 Prozent erhalten finan­zielle Unterstützung von der Familie. Wer jobben geht, finanziert damit den Ausgang, die Ferien, Luxusartikel.

Diese Lebensziele haben Junge heute

Lebensziele junger Leute heute
Quelle: Jugendbarometer 2018 – Infografik: Andrea Klaiber

Die Zürcher Psychotherapeutin Nicole Züllig begleitet Familien in Krisensituationen. Sie kennt sie, die zahlreichen Geschichten von Kindern, die ihr Elternhaus nicht verlassen wollen. Oft sind psychische Erkrankungen oder Drogen der Grund. Etwa bei jenem Sohn, der zu Hause so heftige Partys feierte, dass sich die Eltern regelmässig in die Garage zurückziehen mussten. Oder bei jener 29-jährigen Tochter, die ihr abgedunkeltes Zimmer nicht mehr verlassen wollte – zugedröhnt mit Medikamenten. Manchmal sind Nesthocker aber auch schlicht orientierungslose Rebellen.

«Junge Menschen haben heute enorm viele Möglichkeiten», sagt Nicole Züllig. «Wie sollen sie herausfinden, was sie zufrieden macht?» Und diesen Anspruch haben die Millennials: Sie wollen primär glücklich werden. Das zeigt ein Blick auf das Jugendbarometer der Credit Suisse. Darin geben knapp 80 Prozent der Befragten an, dass es ihnen sehr wichtig sei, das Leben in ­vollen Zügen zu geniessen. Karriere ­machen (37 Prozent) oder Geld scheffeln (23 Prozent) sind weit hinten auf der Prioritätenliste.
 

«Die Jungen wollen sich nicht in ein Burn-out krampfen wie die Alten. Oder einen Haufen Geld horten, der beim nächsten Börsencrash sowieso hopsgeht.»

Nicole Züllig, Psychotherapeutin


«Früher machte man das, was man konnte», sagt Nicole Züllig. Oder man trat beruflich in die Fussstapfen der 
Eltern. Heute heisse es: Jeder kann alles werden. Auch Youtube-Star oder Hip-Hop-Tänzerin. Wenn man aber ständig einer Reizüberflutung ausgesetzt sei, überfordere die Suche nach dem Selbst komplett. Im schlimmsten Fall führe das zu einer Lähmung und zu Rückzug. Im besten Fall zu einem temporären Aufstand gegen die Verhältnisse. «Um flügge zu werden Flüggewerden Wie viel Kontrolle und Verbote nötig sind , müssen Junge durch eine Rebellionsphase», sagt Züllig. «Die Jungen wollen sich nicht in ein Burn-out krampfen wie die Alten. Oder einen Haufen Geld horten, der beim nächsten Börsencrash sowieso hopsgeht.» Dass die Jungen aufbegehren, findet sie gesund. «Aber sie brauchen halt mehr Zeit, bis sie unabhängig sind.»

Guider Logo

Merkblatt «Unterhalt für volljährige Kinder» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Müssen beide Elternteile für den Unterhalt des Kindes aufkommen? Kann die volljährige Tochter oder der Sohn Unterhaltsbeiträge der Eltern einklagen? Mitglieder von Guider erhalten im Merkblatt «Unterhalt für volljährige Kinder» Antworten dazu.

Kinder werden zu Nesthockern Hotel Mama «Kinder werden zu Nesthockern, weil man sie lässt» , weil sie es können. Weil viel Geld vorhanden ist – und noch mehr Toleranz und Verständnis. Kurz: Die Generationenbeziehungen sind in der Schweiz intakt. «Die Mehrheit der Bevölkerung spricht sich dafür aus, dass Eltern ihren erwachsenen Kindern und erwachsene Kinder ihren Eltern bei finanziellen Schwierigkeiten helfen sollten», heisst es im ­Bericht «Familien in der Schweiz» des Bundesamts für Statistik.

Interessant sind die Unterschiede bei den Sprachregionen. In der Deutschschweiz finden 57,3 Prozent, dass Eltern ihre erwachsenen Kinder mit Geldsorgen unterstützen sollten, in der Romandie 62,6 Prozent und im Tessin sogar 72,4 Prozent.

Studenten im Hotel Mama: «Warum sollte ich ausziehen?»

Zu Hause ist es praktischer und günstiger: Junge Erwachsene erzählen, warum sie noch immer bei ihren Eltern wohnen.

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Familientherapeutin Nicole Züllig sagt: «30 ist das neue 20. Man sollte diese Lehr- und Wanderjahre Weiterbildung Nach 40 noch studieren? nicht abschaffen, denn sie sind wichtig.» Die Psychologin spricht aus eigener Erfahrung. Sie ist Mutter eines 28-jährigen Sohnes, den sie grösstenteils allein erzogen hat. Er wuchs bei ihr in der Schweiz auf, der Vater lebt in Kanada. «Unser Sohn hat lange ausprobiert, machte mal dies, mal das, es war ein Jammer, da zuzuschauen», sagt Züllig. Nach der Matura arbeitete er als Koch in einem Restaurant, zog mit der Freundin in eine eigene Wohnung. Als er sich mit dem Chef zerstritt, zog er wieder bei der Mutter ein. Samt Freundin, für anderthalb Jahre. Seit kurzem studiert er in Kanada – mit Erfolg. «Nun ist ihm der Knopf aufgegangen», sagt Züllig und strahlt. Es sei eine Freude. «Finally!» Endlich.

Das klassische Familienmodell gehört der Vergangenheit an

Ihr Sohn sei ein typisches Scheidungskind, sagt Nicole Züllig. Damit ist er nicht allein. Das klassische Familienmodell gehört in der Schweiz je länger, je mehr der Vergangenheit an. Seit 1970 hat sich hierzulande die Zahl der Ein­elternhaushalte mit Kindern unter 25 Jahren mehr als verdoppelt. Es gibt ­immer mehr Patchwork- oder Regen­bogenfamilien Patchworkfamilien Neuer Papi? . Die wenigsten sind dysfunk­tional.

Wenn aber die Rollenverhältnisse durcheinandergewirbelt werden, können Probleme auftauchen. Töchter schlüpfen verhängnisvollerweise in die Rolle der besten Freundin der Mutter, Söhne übernehmen den Part des Mannes im Haus. Sei es auch bloss der­jenige Teil, bei dem sich der Filius jeden Abend an den Esstisch setzt und sich von der Mama bedienen lässt Erziehung «Viele Eltern lassen sich vom Kind steuern» . Das führt zu Abhängigkeiten, die Ab­lösungsprozesse erschweren. In Italien gibt es einen Ausdruck für einen solchen Sohn: Mammone.
 

«Eltern, die einem Kind das Studium finanzieren, für Kost und Logis aufkommen, dürfen auch den Wunsch äussern, dass es mit 25 auf eigenen Beinen steht.»

Nicole Züllig, Familientherapeutin


Bei allem Verständnis gegenüber dem rebellierenden Nachwuchs plädiert Nicole Züllig für klare Regeln Umgang mit Teenagern Wie viel Ausgang darf sein? bei der Erziehung. Die antiautoritäre Erziehung sei eine Folge der Enge gewesen, die in den Sechzigern geherrscht habe. Das Pendel habe ins Gegenteil aus­geschlagen. «Wenn es sich jetzt mittig einschwingt, kommts gut.» Kinder brauchten Vorbilder, Strukturen und gewaltfreie Führung, damit sie sich richtig entwickeln könnten, sagt Züllig.

Nicht verkehrt sei dabei nötigenfalls auch das Setzen von Fristen. «Eltern, die einem Kind das Studium finanzieren, für Kost und Logis aufkommen, dürfen auch den Wunsch äussern, dass es mit 25 auf eigenen Beinen steht.» Falls etwas dazwischenkomme, könne man ja immer noch nach einer Lösung suchen. Kinder sollten aber wissen, dass es eine Grenze gebe. «Das Leben ist so: Irgendwann stirbt man. Also erledigt man die Dinge besser.»

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Peter Aeschlimann, Redaktor

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