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ErnährungGefahr aus der Flasche

Die gängigen Schoppenflaschen aus Plastik können Kinder in ihrer körperlichen Entwicklung schädigen. Doch es gibt saubere Alternativen.

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Die meisten Babys und Kinder trinken ihre Milch aus durchsichtigen, unzerbrechlichen Schoppenflaschen. Sie sind praktisch für die Eltern und fürs Kind wegen des geringen Gewichts einfach zu handhaben. 95 Prozent der heute erhältlichen Schoppenflaschen bestehen aus ­Polycarbonat. Doch dieser Kunststoff enthält als Hauptbestandteil die Chemikalie Bisphenol A. Diese kann sich aus dem Material abspalten, immer und immer wieder, etwa durch das Waschen im Geschirrspüler, durch das Erhitzen der Flaschen im Mikrowellenofen oder beim Sterilisieren.

Fehlentwicklungen der Sexualorgane

So gelangt Bisphenol A in die Milch und von da in den Körper des Kleinkinds. Mehr als 1000 internationale Studien belegen mittlerweile die Gefährlichkeit von Bisphenol A. Der Stoff wirkt ähnlich wie das weibliche Hormon Östrogen und führt im kindlichen Körper mit seinem noch nicht ausgereiften Hormonsystem zu Fehlsteuerungen. Diese können sich später als Fehlentwicklungen der Sexualorgane, Unfruchtbarkeit bei Jungen oder verfrühter Einsatz der Pubertät bei Mädchen zeigen. In Tierversuchen blockierten geringe Dosen von Bisphenol A zudem die Gehirnentwicklung.

Grund genug für die kanadischen Behörden, letztes Jahr den Verkauf der Polycarbonat-Babyflaschen zu verbieten. Anders urteilt die europäische Behörde für Lebens­mittelsicherheit. Sie kam zum Schluss, dass die Versuche mit Ratten und Mäusen nicht eins zu eins auf Menschen übertragen werden könnten und daher kein Risiko bestehe. Die Schweiz hält sich an den EU-Grenzwert von täglich maximal fünf Milligramm Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht.

Beruhigend für Eltern: Wenn sie mit den problematischen Flaschen richtig umgehen, kann der Bisphenol-A-Wert rund 100 Mal tiefer gehalten werden als der erlaubte Grenzwert. Das zeigt eine Studie des kantonalen Labors Zürich. Da sich Bisphenol A in erster Linie beim Erhitzen und im alkalischen Milieu (Gegenteil von sauer) löst, sollten folgende Tipps befolgt werden:

  • Sterilisieren Sie Flaschen aus Polycarbonat höchstens drei bis fünf Minuten. Schütten Sie das Sterilisierwasser danach weg.

  • Füllen Sie nur warme, keineswegs aber siedend heisse Flüssigkeit ein. Halten Sie Schoppen nicht über längere Zeit warm.

  • Erhitzen Sie die Flaschen nie im Mikrowellenofen.

  • Waschen Sie Polycarbonatflaschen von Hand mit normalem Geschirrspülmittel. Maschinenspülmittel sind alkalischer und setzen mehr Bisphenol A frei.

  • Werfen Sie zerkratzte Flaschen weg: Aus aufgerauten Oberflächen wird mehr Bisphenol A freigesetzt.

Sichere Schoppen

  • Der sicherste Weg: Kaufen Sie Schoppenflaschen aus Glas.

  • Falls Sie auf Plastikflaschen bestehen: Nehmen Sie unschädliche aus Polyamid (PA) und Polypropylen (PP), erkennbar am Gütesiegel «Bfree».

  • Woraus Kunststoffe bestehen, ist auch an der Zahl im dreieckigen Recyclingsymbol ersichtlich. Die Zahlen 01 bis 06 sind Bisphenol-A-frei, 07 kann Bisphenol A enthalten.
Veröffentlicht am 03. März 2009