Pflichten sind oft mühsam. Für Kinder ist das nicht anders als für Erwachsene. Dazu kommt, dass Kinder mehr im Moment leben: Es ist wichtiger und macht viel mehr Spass zu spielen, herumzuhängen und sich von den Dingen, die rundherum passieren, ablenken zu lassen, als Aufgaben zu erledigen. Ewige Diskussionen, Bitten, Drohungen und Anweisungen über Anweisungen bringen nichts – ausser schlechte Laune, Streit und Verzweiflung.

Motivation und die Erwartung, dass man die Aufgabe bewältigen kann, sind zwei wichtige Voraussetzungen dafür, dass wir etwas gerne tun. Dafür braucht es Vertrauen in sich selber und Bezugspersonen, die einem die Aufgabenlösung zutrauen.

Es gibt verschiedene Gründe, die Kinder bei ihren Hausaufgaben trödeln lassen. Daher ist es wichtig, genau hinzuschauen.

Ist das Kind überfordert?

Hinter der Weigerung, sich an die Hausaufgaben zu setzen, kann Überforderung stecken: Das Kind hat in der Tat Schwierigkeiten, die Aufgaben selbständig zu erledigen. Es ist verträumt und ablenkbar. Eventuell braucht es immer wieder Bestätigung, weil es unsicher ist und sich selber wenig zutraut. Für diese Kinder sind die Aufgaben eine ständige Erfahrung, dass sie nicht genügen. Sie erleben: «Lernen ist mühsam. Und wenn ich einmal anfange, dann wird es richtig mühsam. Also gehe ich erst gar nicht dran.» Ähnliches gilt für Kinder, für die die Hausaufgaben zu einfach sind, da sie diese langweilig finden.

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Andere Gründe sind weniger in Lernschwierigkeiten zu finden. So erhalten Kinder dadurch, dass Eltern sich für die Erledigung der Hausaufgaben verantwortlich fühlen, paradoxerweise eine Extraportion Aufmerksamkeit. Andere Kinder wiederum fragen ständig um Hilfe, weil es bequem ist: Mama und Papa können es mir schnell erklären, dann muss ich nicht nachdenken.

Welche Gründe es auch immer sind, warum ein Kind die Hausaufgaben hinauszögert oder diese ewig andauern: Es ist wichtig, aus den ständigen Konflikten herauszukommen. Denn wenn wir merken, dass wir unser Ziel nicht erreichen, sollten wir unser Verhalten ändern. Ständige Konflikte um das Thema Hausaufgaben und Pflichten zu Hause haben zur Folge, dass die Beziehung zwischen Eltern und Kindern Schaden nimmt und die gemeinsame Zeit nicht als schön, sondern als Stress empfunden wird.

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Dauerbrenner Ufzgi: So können Sie helfen

  • Beobachten Sie Ihr Kind: Wie reagiert es, wenn es etwas selber tun muss? Und wie reagieren Sie?

  • Steigen Sie nicht in einen Konflikt ein. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben, und geben Sie Ihrem Kind die Verantwortung für seine Pflichten zurück. Es sind seine Aufgaben, nicht Ihre.

  • Statt Drängen und Ermahnen: Versuchen Sie, Ihrem Kind zu zeigen, dass Sie verstehen, wenn es im Moment grosse Mühe hat, sich an die Hausaufgaben zu setzen. Bieten Sie ihm dann Hilfe an: Was brauchst du, damit du anfangen kannst?

  • Erreichbare Ziele helfen, die Motivation zu steigern. Lassen Sie Ihr Kind die Aufgaben in kleine Schritte unterteilen. Loben Sie es für jede erreichte Etappe oder die Mühe, die es sich gegeben hat.

  • Lassen Sie Ihr Kind kleine Pausen machen, bevor es ermüdet. So bleibt ein positives Gefühl, und es erlebt, dass es vorwärtsgehen kann, wenn man sich konzentriert.

  • Klare Strukturen (Anfangs- und Endzeiten, Arbeitsort) und auch die Bereitschaft, konsequent Grenzen zu setzen, sind nötig, damit das Kind die Erfahrung machen kann, dass es selber verantwortlich ist für sein Tun.

  • Besprechen Sie mit der Lehrperson, was diese in der Schule beobachtet.

Buchtipps

  • Fabian Grolimund: «Mit Kindern lernen. Konkrete Strategien für Eltern»; Verlag Hans Huber, 2012, 216 Seiten, CHF 29.90
    Onlinekurs: www.mit-kindern-lernen.ch

  • Fritz Jansen, Uta Streit: «Positiv lernen. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene»; Verlag Springer, 2006, 348 Seiten, CHF 45.90
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