D. B., Mutter von vier Kindern in der Oberbaselbieter Gemeinde Eptingen, weiss nicht mehr ein noch aus. Seit ihre beiden Buben R., 8, und J., 7, Opfer von sexuellen Übergriffen wurden, kommt es ihr vor, «als seien die Täter die Opfer».

Wirklicher Täter war der damals achtjährige kosovo-albanische Schüler Z., der zu Hause Pornofilme konsumierte. Der körperlich durchschnittliche, aber charismatische Bub «mit Engelsgesicht» (so eine Bekannte) hatte im August 2000 im Schacht einer Zivilschutzanlage dem damals sechsjährigen R. «die Hosen herunter gezogen und ihm von hinten an den After uriniert», schrieb die Jugendanwaltschaft.

Im Sommer 2001 musste sich ein anderer Achtjähriger mit entblösstem Hintern auf den Bauch legen, worauf Z. zusammen mit einem Schweizer Kollegen versuchte, den Penis einzuführen.

Zusammen um jeden Preis
Im August 2001 kam J. dran: Z. und ein Schweizer Kollege urinierten ihm über das Gesicht und führten einen Stecken in seinen After ein.

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Zwar verfügte die Eptinger Vormundschaftsbehörde, dass sich Z. einer Therapie unterziehen und auf dem Schulweg von Erwachsenen beaufsichtigt werden müsse. Doch als R.s Schulgötti wählte die Lehrerin ausgerechnet den Schweizer Komplizen. Bei zwei Papiersammlungen teilte sie R. in eine Gruppe mit Z. und dem Mittäter ein.

Trotz dem Strafverfahren stiess Z. weiterhin Drohungen gegen die Kinder von Frau B. aus, die allerdings vor verbalen Provokationen ebenfalls nicht zurückschreckten. Als J. gegen Ende November 2002 während der Schulzeit auf dem Pausenplatz erneut an ein Geländer gefesselt wurde, nahm die Mutter ihre vier Kinder aus Schule und Kindergarten. Falls die Kinder auch im neuen Jahr unentschuldigt fehlten, machte das Schulinspektorat Druck, drohten 5000 Franken Busse.

So weit kommt es nicht: Seit Anfang Jahr besuchen die Kinder die Schule in einem 20 Autominuten entfernten Dorf, wohin die B.s bald ziehen wollen.

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In Eptingen heisst es, D. B. sehe in ihrer Angst nur noch Gegner. Ihre Anwältin dagegen meint: «Ich hätte genauso gehandelt. Schulpflege, Gemeindepräsident und Lehrerschaft haben den Fall bagatellisiert. Sie taten alles, damit die Kinder zusammenkommen. Aber es gibt zu viele Scherben.»

Schulinspektor Walter Brönnimann wie auch Gemeinde- und Vormundschaftspräsident Hansjörg Schmutz halten die Forderung der B.s, Z. und seinen Hauptkomplizen aus der Schule zu nehmen und in ein Heim einzuweisen, für «übertrieben». Dass dies nur wegen hoher Kosten für die Gemeinde nicht geschehe, bestritt Schmutz gegenüber dem Beobachter. Die Dorfschule biete mit ihrem heilpädagogischen Zusatzangebot die beste Möglichkeit, dass «auch ohne Heimeinweisung wieder die Normalität eintreten kann».

Für die B.s ist Normalität nicht denkbar, wenn sich Täter und Opfer in der Schule begegnen. Die Familie fühlt sich allein gelassen. Obwohl der kantonale Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst die Kinder an der Eptinger Schule als «ernsthaft gefährdet» einstufte und «dringend eine möglichst baldige Parallelversetzung in eine andere Gemeinde» empfahl, will Gemeindepräsident Schmutz keinen Rappen lockermachen. Letztlich, so drohte er den Eltern, müssten sie eben das Schulgeld selbst zahlen. Da irrt er: Das ist nicht möglich, da die Schule staatliche Pflicht ist.

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