Es hat Vor- und Nachteile, als Einzelkind aufzuwachsen. Trotzdem sollten Sie die diesbezüglich unterschiedlichen Vorstellungen in Ihrer Partnerschaft eingehend besprechen. Nehmen Sie dabei aber nicht das Kindeswohl als Vorwand, sondern sagen Sie offen, weshalb Sie sich ein zweites Kind wünschen. Versuchen Sie aber gleichzeitig zu verstehen, wieso Ihr Mann dagegen ist. Treffen Sie dann eine gemeinsame Entscheidung, mit der beide leben können.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist in der Schweiz die Zweikindfamilie das nicht hinterfragte Ideal. Eltern von Einzelkindern hören deshalb oft Bemerkungen wie: «Und wann gibt es ein Schwesterchen oder ein Brüderchen?» Die Realität sieht jedoch anders aus: 40 Prozent aller Schweizer Familien haben nur ein Kind. Immer mehr Kinder wachsen also heute als Einzelkinder auf – in Städten häufiger als auf dem Land. Oft sind beide Elternteile berufstätig, haben eine höhere Ausbildung und verdienen gut.

Ein Kind bedeutet grössere Freiheiten für die Eltern
Eigentlich ist also die Einkindfamilie die modernste Form des Zusammenlebens. Es gibt gute Gründe dafür: Kinder machen zwar viel Freude, sind oft aber auch eine Last und eine grosse Herausforderung. Kinder brauchen viel Zuwendung sowie emotionale Präsenz, und sie kosten nicht zuletzt eine schöne Stange Geld. Sich auf ein Kind zu beschränken bedeutet deshalb grössere Freiheiten für die Eltern und erlaubt mehr Ressourcen für das Kind.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die negativen Vorurteile gegenüber geschwisterlosen Kindern nicht belegen lassen: Einzelkinder sind nicht seltsamer, neurotischer oder unsozialer als andere. Viele von ihnen sind der Tendenz nach sogar selbstständiger und in der Schule und später im Beruf erfolgreicher. Zwar sind keine Geschwister als Kollektiv und Rückenstärkung da, doch kann das höhere Mass an elterlicher Zuwendung ihre Leistungsfähigkeit und ihr Selbstbewusstsein stärken.

Eines ist allerdings klar: Kinder brauchen für ihre Entwicklung auch andere Kinder und nicht nur gute Eltern. Einzelkinder sollten deshalb Freunde haben und in gleichaltrigen Gruppen integriert sein; in der Regel werden sie solche Beziehungen ganz allein aufbauen. Erleichtert wird dieser Weg indes, wenn Einzelkinder regelmässig Zeit in familienergänzenden Institutionen verbringen können. Das Angebot reicht von der Krabbelgruppe und dem Hort über den Mittagstisch und die Tagesschule bis hin zur Pfadigruppe und zum Sportverein.

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Buchtipp

Margarete Kümpel: «Typisch Einzelkind? So gewinnt Ihr Kind soziale Kompetenz»; Urania-Verlag, 2003, 128 Seiten, 23.90 CHF