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VolljährigkeitErwachsen - und was nun?

Der 18. Geburtstag wird von vielen Teens heiss ersehnt: endlich selbstbestimmt! Doch mit der grossen Freiheit kommt auch der Ernst des Lebens: ein paar Tipps für frischgebackene Erwachsene.

Mit 18 Jahren sind Schweizer Bürgerinnen und Bürger stimm- und wahlberechtigt. Wer wahlberechtigt ist, kann sogar als Bundesrat kandidieren. Wenn das keine Handlungsfähigkeit ist...
von aktualisiert am 03. Juli 2017

Endlich in eine eigene Wohnung ziehen, ein Auto leasen oder gar den Traum vom Auswandern wahr machen. Wer volljährig ist, wird vom Recht für voll genommen. So darf die 18-Jährige ihren Liebsten heiraten und kann für die Hochzeitsreise das frei gewordene Jugendkonto plündern, auch wenns die Eltern dabei schaudert.

Denn mit der Volljährigkeit endet die elterliche Sorge: Mama und Papa sind nicht mehr gesetzliche Vertreter ihres Sprösslings. Jetzt gilt das Prinzip der vollen Verantwortung, die aus der eben erlangten «vollen Handlungsfähigkeit» erwächst. Nun gilt: «Ein Mann/eine Frau - ein Wort». Das hat in vielen Bereichen weitreichende Folgen:

Wohnen

Wohnt der Nachwuchs weiterhin bei den Eltern, können diese ein sogenanntes Kostgeld verlangen, sofern die Kinder ein eigenes Einkommen erzielen. Das gilt zwar schon für Jugendliche. Mit einem Unterschied: Eltern können volljährige Kinder auffordern auszuziehen oder sie sogar vor die Tür stellen, wenn sie die Spielregeln der Eltern nicht akzeptieren. Das Kostgeld ist kein fixer Betrag, sondern ein dem Familienbudget angemessener Obolus.

Anderseits kann der 18-Jährige für regelmässige Arbeiten, die er im elterlichen Familienbetrieb leistet, eine Entschädigung verlangen.

Tipp: Bei Budgetberatungsstellen können Sie Kostgelder berechnen lassen: Budgetberatung/Kostgeld

Finanzen

Mit der Volljährigkeit entfällt grundsätzlich die Pflicht der Eltern, für ihr Kind aufzukommen.

Mit einer wichtigen Ausnahme: Während der Erstausbildung müssen Eltern so weit zumutbar bezahlen. Von der Erstausbildung abgesehen, müssen Eltern nur noch für ihre erwachsenen Sprösslinge zahlen, wenn diese sonst in Not geraten würden.

Zwar kann bei arger Finanznot ab 18 ein Antrag auf Sozialhilfe bei der Gemeinde gestellt werden. 40 Prozent der Sozialhilfebezüger sind denn auch unter 25 Jahre alt.

Müssen junge Leute Sozialhilfe beziehen, prüft das Gemeinwesen jedoch häufig, ob die Eltern in guten finanziellen Verhältnissen leben und für die Lebenskosten mit aufkommen können. Das ist in der sogenannten Verwandtenunterstützungspflicht begründet. Sie gilt unter Verwandten in auf- und absteigender Linie.

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Mehr zu den Rechten von Jugendlichen bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Kinder und Jugendliche haben verschiedene Rechte und Pflichten. Guider-Mitglieder erfahren, ob Eltern mithaften, wenn das Kind einen teuren Kaufvertrag eingeht, ob die Post des Filius geöffnet werden darf und was besorgte Eltern tun können, wenn die 14-jährige Tochter sich ein Tattoo stechen will.

Verträge

Handlungen sind ab 18 in aller Regel rechtsverbindlich. Es besteht entgegen weitverbreitetem Irrglauben kein allgemeines Rücktrittsrecht bei Verträgen. Ob Miet-, Arbeits- oder Kaufvertrag: Wenn Sie einen solchen unterzeichnen, verpflichten Sie sich, ihn einzuhalten.

Haftung

Was teils schon im Jugendalter galt, gilt jetzt generell: Wer vorsätzlich oder fahrlässig andere Personen, fremdes Eigentum oder ein Unternehmen verletzt und schädigt, haftet zivilrechtlich gegenüber den Geschädigten.

Wer nicht versichert ist, muss selbst einen ohne böse Absicht verursachten Schaden aus eigener Tasche bezahlen. So kann zum Beispiel ein Zusammenstoss mit einem Familienvater auf der Skipiste den Haftpflichtigen finanziell ruinieren.

Tipp: Klären Sie mit Ihren Eltern, ob Sie bereits über die Familienhaftpflichtversicherung mitversichert sind. Schliessen Sie andernfalls unbedingt eine eigene Haftpflichtversicherung ab.

Strafrecht

Wer vom Kurs abkommt, für den gilt ab dem 18. Geburtstag nicht mehr das Jugendstrafgesetz, sondern das Strafgesetzbuch. Allerdings geniessen junge Erwachsene noch eine gewisse Schonfrist: Die unter 25-Jährigen sind zwar die Altersgruppe mit der relativ grössten Kriminalitätsrate, aber auch jene mit dem grössten Entwicklungspotential. Daher können Strafgerichte unter 25-Jährige als stationäre therapeutische Massnahme in eine besondere Institution einweisen. Erweist sich die Massnahme als erfolgreich, sieht das Gericht nachträglich von der verhängten Strafe ab.

Militär

Bereits 16-jährige Männer erhalten eine erste Vororientierung. Im 18. Altersjahr, also noch vor dem 18. Geburtstag, werden sie zu einer Orientierungsveranstaltung aufgeboten. Im 19. Altersjahr kommt in der Regel das Aufgebot zur Rekrutierung (Aushebung).

Tipp: Ihr Gesuch um Zuteilung zu einer bestimmten Truppengattung können Sie bereits als Jugendlicher selbständig an der ersten Orientierungsveranstaltung kundtun.

Steuern

Mit 18 wird zum Steuerzahler, wer ein steuerpflichtiges Einkommen und Vermögen hat. Die Steuern werden für das ganze Jahr erhoben, auch wenn der 18. Geburtstag im Dezember liegt. Die erste Steuerrechnung erhält man erst ein Jahr später. Das geht gerade zu Beginn der Steuerpflicht gerne vergessen.

Tipp: Errechnen Sie mit dem Online-Steuerrechner Ihres Kantons den Betrag, den Sie voraussichtlich zahlen müssen. Legen Sie für Ihr erstes Steuerjahr monatlich einen entsprechenden Betrag auf die hohe Kante oder zahlen Sie monatliche Beträge bei der Steuerverwaltung ein - so verhindern Sie finanzielle Engpässe, die entstehen können, wenn Sie den ganzen Betrag auf einmal zahlen müssen.

Mitbestimmung

Mit 18 Jahren sind Schweizer Bürgerinnen und Bürger stimm- und wahlberechtigt. In kaum einem anderen Staat hat das Volk ein so weitgehendes Mitbestimmungsrecht wie in der Schweiz: Mit 18 kann man auch Volksinitiativen, Referenden und Petitionen unterzeichnen, in gewissen Kantonen auf kantonaler Ebene schon ab 16. Wer wahlberechtigt ist, kann sogar als Bundesrat kandidieren. Wenn das keine Handlungsfähigkeit ist...