Achtung! Lassen Sie sich nicht erpressen. Lassen Sie sich nicht von Ihrem Weg abbringen. Lassen Sie sich nicht die Verantwortung für sein Leben zuschieben. Wenn der Mann nämlich spürt, dass sein «Spiel» – mit dem es ihm unter Umständen bitterernst ist – funktioniert, wird er es immer weiter treiben.

Sie sind manipulierbar geworden – und sollte er sich schliesslich wirklich selber töten, weil er trotz Druck Ihre Zuwendung nicht zurückgewinnen kann, stehen Sie mit Schuldgefühlen da. Das richtige Verhalten heisst: Abgrenzung. Der Begriff ist zwar zum viel gebrauchten Schlagwort geworden, aber kaum jemand weiss, wie man das konkret anstellt. Den andern brutal zurückzustossen ist meistens kontraproduktiv, weil Druck Gegendruck erzeugt. Sich kalt abwenden, das Gespräch verweigern oder sich davonschleichen, weckt Hassgefühle und führt unweigerlich zur Reaktion, dass sich der andere anklammert.

Dazu stehen, dass man dem andern Schmerz bereitet
Die Abgrenzung beginnt im eigenen Innern. Man muss zuerst genau erkennen, was man empfindet, dann spüren, was man will und wie der weitere eigene Weg aussieht. Erst wenn man sich innerlich sicher ist, kann man nach aussen überzeugend auftreten: konsequent und trotzdem liebevoll und fair. Man muss, wenn man die Entscheidung für eine Trennung gefällt hat, dazu stehen, dass man damit dem Partner Schmerzen bereitet oder ihn vielleicht sogar in eine Lebenskrise stürzt. Davor die Augen zu verschliessen ist feige und verantwortungslos. Der Verlassene wird mit Trauer, Verzweiflung, Enttäuschung oder Wut reagieren. Dafür sollte man Verständnis zeigen, denn diese Reaktion ist normal und um einiges gesünder, als wenn jemand alle Gefühle unterdrückt.

Am schönsten wäre es, wenn man den Expartner in den Arm nehmen und ihm sagen könnte, dass es einem leid tut, ihn zu verletzen, aber dass man eben den eigenen Gefühlen folgen wolle und müsse. Wer sich nämlich verstanden fühlt und Mitgefühl erfährt, kann eine Zurückweisung ertragen. Die menschliche Seele ist dazu fähig, und die Wunden der Verlassenen heilen wieder.

Eine Beziehung ist übrigens in der Regel für beide Beteiligten gleichzeitig am Ende. Der eine Partner sieht es lediglich früher oder deutlicher und ergreift die Initiative für die Trennung. Es sieht dann fälschlicherweise so aus, als wolle der eine nur die Freiheit und der andere nur das Bestehende retten. Je heftiger der eine wegwill, umso verkrampfter hält der andere fest. Eine Paartherapie oder Mediation kann helfen, diese quälende Rollenverteilung aufzulockern. Der Verlassene erkennt dann möglicherweise die Chance, die in der Trennung steckt; der Aussteiger spürt vielleicht die Trauer über verlorene positive Elemente.

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