Seit 1995 darf man Gelder aus der 2. Säule (Pensionskasse) und aus der Säule 3a für den Kauf von dauernd selbst genutztem Wohneigentum verwenden. Die Idee dahinter: In jüngeren Jahren fehlt oft das nötige Eigenkapital für den Kauf eines Eigenheims, dafür ist das Einkommen gross genug, um zusätzlich zur Zinszahlung bis zur Pensionierung auch das Loch in der Vorsorge wieder stopfen zu können. Kommt hinzu, dass der Besitz eines teilweise abbezahlten Eigenheims im Alter billiger sein kann als eine Mietwohnung.

Dank der Gelder aus Pensionskasse und Säule 3a verfügen Sie über mehr Eigenkapital. Sie brauchen einen weniger hohen Hypothekarkredit und profitieren von tieferen Zinsen. Konkret stehen zwei Wege offen: der Vorbezug oder die Verpfändung.

Vorbezug aus der Pensionskasse

Sie können sich Ihr Guthaben bei der Pensionskasse auszahlen lassen und es als Eigenkapital für den Kauf eines Eigenheims verwenden. Ein solcher Vorbezug ist aber nur alle fünf Jahre möglich; der Mindestbetrag liegt bei 20'000 Franken. Sind Sie älter als 50, gilt zudem eine Limite: Sie können entweder maximal die Hälfte Ihrer aktuellen Freizügigkeitsleistung bezie­hen oder die Freizügigkeitsleistung, die Ihnen im Alter von 50 Jahren zugestanden hätte – je nachdem, welcher Betrag höher ausfällt. Drei Jahre vor dem frühestmöglichen Pensionierungstermin ist ein Bezug nicht mehr möglich.

Gut zu wissen

Für den Vorbezug ist die Unterschrift des Ehemanns respektive der Ehefrau erforderlich; er wird im Grundbuch vermerkt. Verkaufen Sie die Liegenschaft, müssen Sie das Geld an die Pensionskasse zurückzahlen. Dasselbe gilt bei einer langfristigen Vermietung oder wenn Sie jemandem eine Nutzniessung einräumen.

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Mit dem Vorbezug werden Ihre Altersleistungen bei der Pensionskasse reduziert. Bei einzelnen Kassen können auch die Leistungen bei Invalidität oder Todesfall betroffen sein. Es ist also unabdingbar, die Zahlen zu prü­fen und die so entstandene Lücke mittels einer zusätzlichen Risikoversi­cherung zu beheben.

Die Pensionskasse ist verpflichtet, ihre Versicherten auf die Auswir­kungen eines Vorbezugs (oder einer Verpfändung), die Möglichkeit der Zusatzversicherung für die Risiken Tod und Invalidität sowie auf die steuerlichen Auswirkungen aufmerksam zu machen. Die zusätzlichen Ab­sicherungskosten tragen Sie selbst – auch das sollten Sie in Ihrem Budget berücksichtigen.

Achtung!

Bis das Geld fliesst, können gut und gern sechs Monate ins Land gehen. Melden Sie einen Vorbezug deshalb rechtzeitig an. Die Auszahlung zieht zudem Steuern nach sich, die je nach Wohnort rund 5 bis 15 Prozent der bezogenen Summe betragen. Einige Pensionskassen verlangen auch Bearbeitungsgebühren.

Den Vorbezug können Sie bis drei Jahre vor dem frühestmöglichen Pensionierungszeitpunkt zurückzahlen: Der Mindestbetrag liegt ebenfalls bei 20'000 Franken (ausser für die letzte Tranche, falls diese tiefer ist). Dabei sollten Sie bedenken, dass auch Zinsen und Zinseszinsen dazugehören, wenn Sie wieder die gleichen Altersleistungen erreichen wollen. Die Steuern, die Sie beim Bezug entrichtet haben, können Sie gegen Vorlage der Belege zurückfordern, jedoch ohne Zinsvergütung.

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Vorbezug aus der Säule 3a

Wenn Sie Ihr Säule-­3a-­Konto für den Kauf eines Eigenheims leeren, gelten die gleichen Bedingungen wie bei der 2. Säule: Sie können dies nur alle fünf Jahre tun und nur für Wohneigentum, das sie selber bewohnen. Al­lerdings ist kein Mindestbetrag vorgeschrieben; Sie können auch weniger als 20'000 Franken auf einmal beziehen. Danach lässt sich die Säule 3a wieder alimentieren wie zuvor. Ein Eintrag ins Grundbuch erübrigt sich. Den Vorbezug kann man nicht zurückzahlen.

Verpfändung von Vorsorgekapital

Bei einer Verpfändung dient der Bank das Kapital aus der Vorsorge nur als Sicherheit; im Gegenzug gewährt sie ein Darlehen, das eine Belehnung in Höhe von bis zu 90 Prozent des Kaufpreises ermöglicht. Die Zinsen für dieses Darlehen bewegen sich meist im Bereich derer für die erste Hypothek.

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Die Vorteile der Verpfändung: Es gibt keine Leistungseinbussen, insbesondere keine Reduktion des Versicherungsschutzes bei der 2. Säule. Das gesamte Alterskapital wird weiter verzinst. Die durch das Darlehen höher ausfallenden Zinskosten ermöglichen Steuereinsparungen. Nachteilig ist hingegen die höhere Zinsbelastung durch die Belehnung im Umfang von bis zu 90 Prozent. Auch muss das Darlehen in Höhe des verpfändeten Vorsorgekapitals in den meisten Fällen bis zum Erreichen des AHV­-Alters zurückgezahlt werden.

Vorbezug oder Verpfändung?

Ob Vorbezug oder Verpfändung der Pensionskasse – langfristig betrachtet kommen beide Varianten in etwa auf das Gleiche heraus (siehe Berechnungsbeispiel unten). Allerdings nur, wenn Sie beim Vorbezug wirklich das Ka­pital samt entgangenen Zinsen wieder ansparen wollen. Meist entscheiden sich Personen mit eher knappem Budget für den Vorbezug, damit die Wohnkosten günstiger werden. Dann ist eher davon auszugehen, dass das Geld für die Rückzahlung der Vorsorgegelder fehlt. Somit bleibt die Lücke in der Vorsorge bestehen; die Altersrente wird tiefer ausfallen.

Verpfändung ist im Hinblick auf die Vorsorge meist die bessere Lösung, sie funktioniert aber nur, wenn das Einkommen hoch genug ist, dass die Zinsen tragbar bleiben. Zudem hat die Bank künftig ein Wörtchen mitzu­reden, wenn es um Ihr Vorsorgekapital geht. Wollen Sie beispielsweise einen Teil des Geldes beziehen, um sich selbständig zu machen, oder müs­sen Sie bei einer Scheidung einen Teil an die Pensionskasse Ihrer Ehefrau überweisen, brauchen Sie dazu die Einwilligung der Hypothekarbank.

Achtung!

Können Sie beim Kauf des Eigenheims kein eigenes Erspartes aufbringen und steht Ihnen ein eher knappes Budget zur Verfügung, sollten Sie sich zweimal überlegen, ob die Investition richtig ist. Denn wenn Sie Schwierigkeiten haben, die Zinsen und Amortisationen zu zahlen, ist nicht nur das Eigenheim verloren, sondern meist auch die Altersvorsorge.

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Quelle: Thinkstock Kollektion

Seit dem 1. Juli 2012 müssen mindestens 10 Prozent des Kaufpreises bzw. des Belehnungswerts aus Eigenkapital bestehen, das nicht aus der 2. Säule, also nicht aus Vorbezug oder Verpfändung stammt. Diese Regelung gilt bei allen Neugeschäften und Krediterhöhungen, nicht aber bei Verlängerungen oder Ablösungen bestehender Hypotheken. Dabei handelt es sich um Mindestvorgaben; je nach Anbieter können die Vorschriften auch restriktiver sein.

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Dieser Artikel stammt aus folgendem Ratgeber:

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