Ferien ohne Ende! Musse für neue Hobbys! Zeit für die Enkel, den Garten und für ausgedehnte Reisen…! So malen sich viele Erwerbstätige die Zeit nach der Pensionierung aus. Doch manche vergessen: Mit der Rente wird in der Regel das Budget kleiner. Nur wer genug Geld gespart hat, kann sich eine Weltreise oder eine teure Freizeitbeschäftigung leisten oder die Hypothek zurückzahlen. Deshalb sollte man so früh wie möglich mit dem Sparen fürs Alter beginnen.

Am leichtesten fällt dies, wenn man konkrete Ziele vor Augen hat. So stellt sich auch die nötige Spardisziplin ein. Mit Vorteil plant man früh und setzt für jedes Vorhaben einen Betrag fest. Dann stellt man das verfügbare Vermögen zusammen. Es zählen Guthaben auf Sparkonten, Vorsorgekonten, Sparversicherungen oder Wertschriften. Anschliessend berechnet man, wie viel Geld die einzelnen Projekte benötigen, und zieht davon das Ersparte ab. Dabei darf man einen Reservebetrag für Unvorhergesehenes nicht vergessen: Ideal sind zwei bis drei Monatslöhne auf dem Privatkonto und mindestens gleich viel auf einem Sparkonto.

Daniela und Roland F., beide 48 Jahre alt, haben sich ein ambitioniertes Ziel gesteckt: Sie wollen sich mit 63 Jahren frühpensionieren lassen, die AHV-Rente aber erst im ordentlichen Rentenalter beziehen. Da sie mit einer Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre rechnen, müssen sie zwei Jahre überbrücken. Die Rente aus der Pensionskasse dagegen wollen sie vorbeziehen. Die gewonnene Freizeit möchten Daniela und Roland für ausgedehnte Reisen nutzen. Sie rechnen mit jährlichen Reisekosten von rund 20'000 Franken und hoffen, diese Pläne während acht Jahren verwirklichen zu können.

Als Erstes erstellen Daniela und Roland F. ein detailliertes Budget für ihre heutige Situation und eines mit den mutmasslichen Zahlen nach der Pensionierung (siehe «Budgetbeispiel»). Daniela hat ein Nettoeinkommen von 2500, Roland von 4800 Franken. Die Budgetaufstellung ergibt Ausgaben von 6200 Franken vor der Pensionierung. Das kinderlose Ehepaar rechnet sich aus, dass es – mit eisernem Willen – etwa 1100 Franken pro Monat auf die Seite legen kann.

Daniela und Roland stellen fest, dass ihre monatlichen Ausgaben nach der Pensionierung nur wenig sinken werden: Sie belaufen sich dann noch auf rund 5800 Franken. Die gekürzten Pensionskassenrenten betragen 600 Franken bei Daniela und 1950 bei Roland. Unter dem Strich müssen die zwei also für die Frühpensionierung mit einem Ausgabenüberhang von total 78'000 Franken sowie Reisekosten von 160'000 Franken rechnen.

Die beiden beschliessen, vom monatlichen Überschuss einen festen Teil von 800 Franken für diese Projekte auf zwei neue Vorsorgekonten der Säule 3a zu verteilen. Mit einer Durchschnittsverzinsung von zwei Prozent kommen sie in 15 Jahren auf die stattliche Summe von über 168'000 Franken. Zudem profitieren sie von tieferen Steuern, da sie die Einzahlungen von den steuerbaren Einkünften abziehen können. Bei der Auszahlung dieser Vorsorgeguthaben zahlt man eine einmalige separate Steuer. Um nochmals steuerlich zu profitieren, sollte das Ehepaar die beiden Vorsorgekonten in zwei verschiedenen Kalenderjahren auflösen. Denn Kapitalzahlungen aus Vorsorge werden pro Jahr addiert und in einer höheren Progression besteuert.

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Die restlichen 300 Franken vom monatlichen Überschuss legen Daniela und Roland auf ein normales Sparkonto; hier rechnen sie mit einem Prozent Rendite. Falls sie diese Reserve nie anknabbern müssen, kommen so nochmals 58'000 Franken zusammen, und das bereits heute angesparte Polster von gut 65'000 Franken wird mit dem gleichen Zins auf 75'000 Franken anwachsen. Es zeigt sich also: Die Frühpensionierung und die Ferienpläne sind realistisch und finanzierbar.

Nicht alle haben in so komfortables Budget wie das Ehepaar F. So gibt etwa Renée S. ihr monatliches Nettoeinkommen von 4200 Franken fast ganz zur Finanzierung ihrer Lebenshaltungskosten aus. Mit 44 hat sie allerdings noch 20 Jahre Zeit, um bis zur Pensionierung zu sparen. Sie beschliesst, monatlich 100 Franken auf ein 3a-Vorsorgekonto einzuzahlen. Dazu richtet sie einen Dauerauftrag ein. Wenn sie mit einer Rendite von zwei Prozent rechnet, bringt sie es bis zum Rentenalter auf rund 30'000 Franken. Da sie auch in Notfällen nicht auf das Konto zugreifen kann, kommt sie nie in Versuchung, das Geld für anderes abzuheben.

Bisher waren Renées Sparpläne an der nötigen Disziplin gescheitert. Die Aussicht auf die erkleckliche Auszahlung bei der Pensionierung gibt ihr nun aber den Mut, das Vorhaben anzupacken. Obwohl noch viel Zeit vergeht, bis sie ihr Ziel erreicht hat, kann sie Pläne schmieden, die sie nach der Auszahlung mit grosser Wahrscheinlichkeit realisieren kann.

Die Kinder von Ruth und Felix W. sind eben erst ausgeflogen. Bisher war es nicht möglich, grosse Summen zu sparen. Auf ihrem Sparkonto liegen derzeit rund 18'000 Franken; Ruth erwartet aus einer Erbschaft weitere 40'000 Franken. Die beiden beschliessen, davon den Betrag von 30'000 Franken in einen gemischten Anlagefonds zu investieren, und rechnen mit einem jährlichen Ertrag von drei Prozent. Bis zur Pensionierung in zehn Jahren sollte die Investition auf 40'000 anwachsen. Die aufgrund des Budgets überschüssigen 500 Franken pro Monat legen Ruth und Felix auf ein Vorsorgekonto 3a. Mit einem Durchschnittszins von zwei Prozent kommen sie bis zum Rentenalter auf gut 66'000 Franken. Ihr langgehegter Wunsch, mit dem eigenen Wohnmobil durch Europa zu fahren, kann sich durchaus noch erfüllen.

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Diese drei Beispiele zeigen: Je früher man mit dem Sparprozess beginnt, desto mehr Möglichkeiten eröffnen sich im Rentenalter. Dabei ist es durchaus sinnvoll, auch kleinere Beträge auf die Seite zu legen wie Renée S. Mit einem Dauerauftrag vom Lohn- auf das Vorsorgekonto geht dies sogar wie von selbst. Wer erst spät mit dem Sparen fürs Alter beginnt, muss entweder kleinere Brötchen backen oder eine höhere Sparquote anstreben. So legen zum Beispiel Ruth und Felix W. in nur zehn Jahren mehr als doppelt so viel auf die hohe Kante wie Renée S. in 20 Jahren. Ganz nach dem Motto: Es ist nie zu spät, sich Gedanken zur finanziellen Zukunft zu machen – auch wenn man schon weit über 50 Jahre alt ist.

Budgetbeispiel

Mit einer einfachen Finanzplanung wird klar, wie sich Einnahmen und Ausgaben während des Erwerbslebens, der Frühpensionierung und im ordentlichen Rentenalter verhalten und ­verändern. So berechnet man die eigene jährliche Sparquote und ein allfälliges Manko:

Aktuell Phase Früh-
pensionierung
ordentliches
Rentenalter
Löhne Daniela und Roland 7300
AHV-Renten Daniela und Roland 3250
PK-Renten Daniela und Roland 2550 2550
Total Einnahmen 7300 2550 5800
Ausgaben gemäss
Budget-
aufstellung*
–6200 –5800 –5800
Überschuss/
Manko pro Monat
1100 –3250 0
Überschuss/
Manko pro Jahr
13'200 –39'000 0


*Budgetberechnungen und -beispiele unter www.budgetberatung.ch

Sparberechnungen mit variabler Verzinsung

 Jahre   1.00%   2.00%   3.00%   4.00%   5.00% 
 5   0,194   0,188   0,183   0,178   0,172 
 10   0,095   0,09   0,085   0,08   0,076 
 15   0,062   0,057   0,052   0,048   0,044 
 20   0,045   0,04   0,036   0,032   0,029 
 25   0,035   0,031   0,027   0,023   0,02 

Lesebeispiele

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  • Sie wollen in 25 Jahren 100'000 ­Franken sparen, rechnen mit 3 Prozent Rendite und möchten den jährlichen Sparbetrag ausrechnen: Fr. 100'000.– x 0,027 = Fr. 2700.–

  • Sie legen jährlich Fr. 5000.– auf die Seite und wollen wissen, wie viel Sie 15 Jahre später bei 2 Prozent Zins haben: Fr. 5000.– : 0,057 = Fr. 87'719.–