1. Home
  2. Geld
  3. 3. Säule
  4. Lebensversicherungen: Nichts aufschwatzen lassen!

LebensversicherungenNichts aufschwatzen lassen!

Eine Lebensversicherung kann empfehlenswert sein. Doch viele Verkäufer sorgen mit hohen Renditeversprechen und liederlichen Abklärungen für Ärger und happige Verluste.

Eine persönliche Beratung ist vor dem Abschluss einer Lebensversicherung angezeigt. Fragen Sie Ihren Berater auch nach seiner Ausbildung und Erfahrung.
von aktualisiert am 10. August 2018

Petra Ammann* schloss 1995 eine gemischte Lebensversicherung bei der damaligen Winterthur-Leben ab. Sie zahlte während der Laufzeit total 82'500 Franken. Beim Ablauf der gebundenen 3a-Versicherung erhielt sie jetzt 85'231 Franken. Die Rendite: weniger als ein halbes Prozent. Verdient hat vor allem Axa Winterthur – über 19'000 Franken. Petra Ammann liess sich durch die versprochene garantierte Verzinsung von drei Prozent und die zusätzlichen Überschussanteile überzeugen. Was die Kosten der Versicherung anbelangt, waren die Angaben im Vertrag völlig undurchsichtig.

Wie funktioniert die 3. Säule?

loading...

Wie funktioniert die 3. Säule und weshalb soll man ein 3a-Konto abschliessen?

Angelockt mit viel zu hoher Rendite

Felix Meier* unterzeichnete 1999 den Antrag für eine fondsgebundene Lebensversicherung der Swiss Life. Er zahlte eine Einmalprämie von 80'000 Franken. Man hatte ihn in der Offerte mit 9,5 Prozent Rendite geködert. Die sei zwar nicht garantiert, aber erreichbar, schrieb Swiss Life. Statt der prognostizierten 187'000 Franken erhielt Meier nach zehn Jahren gerade mal 73'223 Franken. In der Offerte wurde mit unseriösen Renditeprognosen gerechnet – die 9,5 Prozent waren viel zu hoch gegriffen. Auf Kosten und Kursrisiken sei er nicht aufmerksam gemacht worden, sagte Meier. Später wurde auch ihm klar, dass die Risiken einer Fondsanlage allein der Versicherte trägt. Profitiert haben Berater und Swiss Life.

Sebastian Stocker* war 24 Jahre alt, ledig und kinderlos, als er sich im Frühling 2009 von einem Kollegen beraten liess. Dieser war kurz zuvor beim Strukturvertrieb Strukturvertriebe Soll ich freischaffender Finanzberater werden? WNB eingestiegen. Stocker schloss auf Empfehlung eine fondsgebundene Lebensversicherung 3b der Liechtensteiner Quantum Leben ab: Laufzeit 35 Jahre, anfängliche Jahresprämie 3000 Franken, jährlich um vier Prozent ansteigend. Im Jahr 2043 würde die Prämie über 10'000 Franken betragen. Ihm wurde eine Rendite von neun Prozent versprochen. Stocker wurde danach im Herbst 2009 skeptisch und kündigte die Versicherung. Die bereits bezahlte Prämie war verloren. Auf die geforderte Kündigungsbestätigung wartete und wartete er.

Kassiert hatte Stockers Kumpel. Die WNB-Berater leben von Provisionen und sind darauf angewiesen, Policen und Fonds-Sparpläne zu verkaufen. Die Masche ist stets gleich: Die Opfer stammen aus dem Bekanntenkreis der Berater, sind meist jung, ungebunden und unerfahren. Die Verträge sind langfristig ausgelegt und die Renditeversprechen zu optimistisch. Die Berater klären oft gar nicht erst ab, ob man überhaupt einen Versicherungsschutz braucht. Viele Betroffene reagieren erst nach Jahren, wenn sie die Prämien nicht mehr zahlen können. Die Verluste bei der Vertragsauflösung sind happig.

Das sind nicht etwa drei Extrembeispiele, sondern Fälle, mit denen sich das Beratungszentrum des Beobachters regelmässig konfrontiert sieht: Versicherte beklagen sich über mangelhafte Beratung beim Abschluss und fehlende Kulanz bei Reklamationen. Und oft kommen ihnen die Versicherungskonzerne keinen Schritt freiwillig entgegen.

Am Anfang steht die Vorsorgeanalyse

Dabei können Lebensversicherungen sehr wohl sinnvoll sein, wenn eine Vorsorgelücke besteht. Dafür muss man insbesondere abklären, wie sich die finanzielle Situation im Fall einer Erwerbsunfähigkeit oder im Todesfall präsentieren wird. Genau hier liegt aber der Hund begraben. Oft erstellen die Berater keine oder nur eine ungenügende Vorsorgeanalyse. Ein grosser Fehler.

Denn nur mit einer sorgfältigen Analyse lässt sich genau ermitteln, wie gross die Vorsorgelücke ist. Das geht im Prinzip ganz einfach: Man zählt von den mutmasslichen künftigen Ausgaben die Einkünfte ab. Erst dann weiss man, wie stark man sich versichern sollte. Erfahrungsgemäss bestehen Lücken meist im Krankheitsfall. Unfälle sind weniger häufig und sind meist besser abgesichert.

Falls zur Existenzsicherung nötig, schliessen Sie mit Vorteil eine reine Risikoversicherung ab. Sie haben keinen Sparteil und lassen sich deshalb leichter anpassen, falls sich Ihre Bedürfnisse ändern sollten. Man kann sie auch problemlos auflösen. Wenn immer möglich, sollten Sie den Spar- und den Versicherungsteil trennen. Das ist nicht nur flexibler, sondern macht die Versicherung auch transparenter.

Guider Logo

Mehr zur 3. Säule bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Bank- oder Versicherungslösung, Absicherung gegen Todesfall und Erwerbsunfähigkeit: Mit diesen Stichworten kommen Sie bei der privaten Vorsorge der 3. Säule unweigerlich in Kontakt. Dank einer Checkliste erhalten Guider-Mitglieder eine kompakte Übersicht zu den Vorsorgelösungen und erfahren unter anderem, wie sie bei den Steuern profitieren.

Wer als Anlagealternative eine gemischte Versicherung wählt oder sich das Renteneinkommen mit einer Leibrente sichern will, muss andere Überlegungen anstellen. Wichtig ist dann, dass Sie sich für eine Versicherung mit hohen garantierten Leistungen entscheiden. Die massiv gekürzten Überschussanteile und die schlechten Fondsrenditen der letzten Jahre haben gezeigt, dass man nur auf die in der Police garantierten Beträge zählen kann. Die Dauer der Versicherung sollte überschaubar sein. Wählen Sie nur Laufzeiten, die Sie aus heutiger Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit erfüllen können. Ein vorzeitiger Rückkauf kann zu grossen Verlusten führen.

Wann kann man Steuern sparen?

Die Erträge von Lebensversicherungen sind steuerfrei. Das ist aber nur der Fall, wenn die Verträge für mindestens fünf Jahre abgeschlossen werden. Bei Fondslösungen beträgt die minimale Frist gar zehn Jahre. Den Steuervorteil erhält man bei Versicherungen mit Einmalprämien nur, wenn die Auszahlung erst nach dem 60. Geburtstag erfolgt und man die Versicherung vor dem 66. Geburtstag abschliesst. Leibrenten müssen zu 40 Prozent als Einkommen versteuert werden – obwohl man die Einlagen bereits einmal versteuert hat. Auch einen allfälligen Rückkauf einer Rentenversicherung muss man so hoch versteuern.

Eine persönliche Beratung ist vor dem Abschluss angezeigt. Fragen Sie Ihren Berater auch nach seiner Ausbildung und Erfahrung. Ebenso ist es zwingend, dass Sie jeweils mehrere Angebote miteinander einholen und miteinander vergleichen, denn Kosten und Leistungen der einzelnen Versicherungsgesellschaften unterscheiden sich stark. Prüfen Sie die allgemeinen Versicherungsbestimmungen auf mögliche Ausschlüsse und auf ein vertragliches Rücktrittsrecht. Das Versicherungsvertragsgesetz sieht dies nur in Ausnahmefällen vor. Und: Lassen Sie sich nie zu einer Unterschrift überreden oder drängen.

*Namen geändert

Lebensversicherung: Für wen sinnvoll?

  • Konkubinatspaar mit gemeinsamen Kindern oder mit gemeinsamem Wohneigentum: gegenseitige Absicherung mittels Risikoversicherung.
  • Selbständigerwerbende ohne Pensionskasse Selbständigkeit Im Alter solls nicht knapp werden , die sich geschäftlich etabliert haben: gemischte 3a-Versicherung möglich. Allenfalls separate Risikoversicherungen für zusätzliches Todesfallkapital oder Erwerbsunfähigkeitsrente. Prämien­befreiung mitversichern.
  • 75-jähriges Ehepaar, das sich guter Gesundheit erfreut: Leibrente, um das sogenannte Langlebigkeitsrisiko abzudecken.
  • Junge Familie, die Pensionskassenkapital für Wohneigentum Pensionskassengeld Lieber ein Häuschen statt Geld im Alter? bezieht: Die Pensionskassen­leistungen können bei Erwerbsunfähigkeit und Tod massiv gekürzt werden, deshalb die Lücke durch ­eine Vorsorgeanalyse ermitteln und bei Bedarf mit Risikoversicherungen stopfen.
  • Alleinstehender Vater erwachsener Kinder, der Wohneigentum durch Pensionskassenvorbezug finanziert: Stirbt er vor Erreichen des Renten­alters, erlischt die Leistungspflicht der Pen­sionskasse. Die Erben müssen den Vorbezug ­zurückzahlen. Dieser Betrag kann mit einer Todesfallrisikoversicherung gedeckt werden.

Vorsicht bei diesen Versicherungen

  • Junge Alleinstehende ohne familiäre Verpflichtungen brauchen in der Regel gar keine Lebensversicherung. Banksparen ist günstiger Säule 3a Soll ich bei der Bank oder der Versicherung vorsorgen? .
  • Wer keine Kursrisiken tragen kann oder will, soll bei fonds­gebundenen Versicherungen nur solche wählen, die nach Ablauf eine Auszahlungssumme garantieren («garantierte Erlebensfallauszahlung»).
  • Hohe Aktienanteile bei fonds­gebundenen Versicherungen sind unsinnig. Aktienanlagen sind ausserhalb von Versicherungen günstiger zu haben. Kursgewinne sind bei Privat­personen auch ohne Lebensversicherung steuerfrei.
  • In Tiefzinsphasen lohnen sich gemischte Lebensversicherun­gen mit garantiertem Zins nie. Die Rendite ist so tief, dass die Steuerfreiheit keine Rolle spielt.

Buchtipp

Vorsorgen, aber sicher!

So planen Sie Ihre Finanzen fürs Alter

Mehr Infos

Vorsorgen, aber sicher!