Wer Anfang 2001 sein 3a-Geld in Fonds investierte, reibt sich jetzt die Augen: Im besten Fall schauten dabei 2,76 Prozent im Jahr heraus – so hoch war die Rendite für den Testsieger-Fonds Swisscanto/BVG 3, der einen kleinen Aktienanteil von zehn Prozent hat. Wer dagegen auf den UBS-Fonds Vitainvest 50 setzte – Aktienanteil 50 Prozent –, hat Jahr für Jahr 1,08 Prozent verloren. Diese ernüch­ternde Bilanz liefert eine Auswertung des VZ Vermögenszentrums über die 19 Säule-3a-Fonds, die Aktien enthalten (siehe Tabelle unten).

Trotz ihrer zweifelhaften Leistung verrechneten die Banken und Versicherungen kräftig Gebühren. Beim Schlusslicht Vita­invest 50 kassiert die UBS 1,64 Prozent Gebühren – so viel wie niemand sonst. Diese hohen Kosten haben die kümmerlichen Erträge des Fonds glatt weggefressen. Kommt dazu, dass die Anbieter ihre Gebühren so verschleiern, dass sie jeder etwas anders berechnet. So deklariert die UBS eine «pauschale Verwaltungskommission», Raiffeisen spricht von «Management Fee» und «Total Expense Ratio», Swiss­canto schreibt von «Verwaltung». Bei einer Bank ist die Mehrwertsteuer inbegriffen, bei der anderen nicht. Das Gleiche gilt für Transaktionskosten, Courtagen und Abgaben. Transparenz schaut anders aus. Florian Schubiger von der Winterthurer Vermögens-Partner AG hat darum den 3a-Gebührendschungel durchleuchtet – und fand ­diverse versteckte Gebühren.

Die meisten Fonds sind als Dachfonds konstruiert. Sie investieren also nicht direkt in Aktien und Obligationen, was bei den sehr hohen Vermögen in der Säule 3a meist kostengünstiger wäre, sondern in hauseige­ne Fonds. Und dort fallen selbstverständlich zusätzliche Kosten an, die in keiner Gebührenaufstellung auftauchen.

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«Die Anbieter langen doppelt oder sogar dreifach zu», stellt Schubiger nüchtern fest. Erst fällt eine Gebühr für die Verwaltung des Dachfonds an, dann kommen die Kosten für die einzelnen Fondsanlagen hinzu. Häufig agiert die Bank auch noch als Depotbank der Anlagefonds – und kassiert so weitere Depot- und Transaktionsgebüh­ren. Das läppert sich zusammen. Schubiger schätzt, dass Anleger pro Jahr mehr als zwei Prozent Gebühren zahlen. Geld, das die Anbieter kassieren, egal, wie schlecht der 3a-Fonds rentiert.

Um Erklärungen, warum ihre Fonds so mies performen, sind die Verkäufer nicht verlegen. So verwedelt die UBS ihr schwa­ches Abschneiden mit «einem Anlage­konzept, das sich von dem der Konkurrenz unterscheidet und das langfristig ausgelegt ist», wie Sprecher Andreas Kern sagt. UBS Vitainvest 50 habe 2008 Aktien übergewich­tet, was sich «als nicht vorteilhaft herausstellte». Die Gebühren erklärten nur einen Teil der Minderperformance.

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Sogar Renditen im Minusbereich sind möglich:
Das bringen die 3a-Wertschriftenkonti
  Aktienanteil am Fondsvermögen
    Ausgewiesene Gebühren
      Rendite 2009
(1.1 – 31.7)
Anbieter/Produkt       Jahresrendite
(1.1.01 – 31.7.09)
Swisscanto/BVG 3 Portfolio 10 10%  0,9%  4,82%  2,76% 
UBS/Vitainvest 12 12%  1,44%  4%  1,38% 
CS/Mixta-BVG Defensiv 25%  1,15%  5,2%  1,19% 
Luzerner KB/LKB Expert-Vorsorge 25%  1,1%  6,8%  0,79% 
Sarasin/SAST – BVG-Rendite 25%  0,55%  5,17%  1,28% 
UBS/Vitainvest 25 25%  1,52%  5,44%  0,54% 
Swisscanto/BVG 3 Portfolio 25 26%  1%  6,41%  1,99% 
Raiffeisen/Pension Invest 30 30%  1%  5,7%  1,2% 
CS/Mixta-BVG 35%  1,3%  6,5%  0,67% 
Sarasin/SAST-BVG Wachstum 35%  0,6%  7,17%  0,49% 
Zurich/Anlagestrategie 35 35%  «variabel» 7,72%  0,77% 
Sarasin/SAST-BVG Nachhaltigkeit 38%  0,7%  8,37%  0,59% 
Baloise/BVG Mix 40 plus 40%  0,3%  8,02%  0,64% 
UBS/Vitainvest 40 40%  1,62%  6,8%  –0,58% 
CS/Mixta-BVG-Maxi 45%  1,4%  7,9%  0,1% 
Swisscanto/BVG 3 Oeko 25 45%  1,2%  8,87%  2,04% 
Swisscanto/BVG3 Portfolio 45 45%  1,1%  8,2%  0,6% 
UBS/Vitainvest 50 46%  1,64%  7,61%  –1,08% 
Raiffeisen/Pension Invest 50 50%  1%  7,9%  0,02% 
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«Ein echter Wettbewerb fehlt»

3a-Fonds könnten günstiger sein, wenn sie ihr Geld mit Hilfe von Indexfonds anlegen würden – denn hier fallen lediglich Jahresgebühren von 0,3 bis 0,5 Prozent an. Das Problem der Anleger: Es gibt keine güns­tige Lösung mit passiven Fonds innerhalb der dritten Säule. «Uns ist zurzeit kein 3a-Fonds bekannt, der eine wirklich effiziente Kostenstruktur aufweist. Ein echter Wettbewerb fehlt», sagt Florian Schubiger. An diesem Umstand dürfte sich so schnell nichts ändern.

Dringend nötig wäre auch mehr Transparenz. «Das ist eine Frage, die die Politik beantworten muss», wehrt Alain Bichsel, der Sprecher der Finanzmarktaufsicht, ab. Doch Bundesbern bleibt passiv. Als die SP-Fraktion vor zwei Jahren mit einer Motion mehr Markt für die dritte Säule forderte, sah der Bundesrat jedenfalls keinen Handlungsbedarf. Der Wettbewerb solle «nach Möglichkeit gefördert werden», antwortete er. Geschehen ist jedoch nichts.

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Lohnt es sich für Sparer derzeit, ihr Geld in 3a-Wertschriftenfonds zu belassen und zu warten, bis sich die Aktien vom Crash erholt haben? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Sicher ist nur, dass man die Krise nur dann aussitzen kann, wenn man über einen langen Anlagehorizont verfügt. Wer dagegen kurz vor der Auszahlung seiner 3a-Gelder steht, sollte besser auf ein Produkt mit tiefem Aktienanteil oder ein reines Zinskonto umsteigen.

Sein 3a-Guthaben umzuschichten ist in den meisten Fällen kostenlos. Das gilt auch für den Wechsel von einer Bank zur anderen. Trotzdem lohnt es sich, sich zuvor über die Gebühren zu informieren. Denn einzelne Finanzinstitute verlangen beim Kauf neuer Fondsanteile eine Ausgabekommission von bis zu drei Prozent. Genaue Informationen über die Gebühren findet man via Internet bei den einzelnen Banken.

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Wer das Risiko von Kursschwankungen scheut, legt seinen Vorsorgebatzen besser auf ein Zinskonto. Was sich in den letzten zehn Jahren bezahlt gemacht hat: Im Schnitt sind 3a-Zinssparer seit 1999 besser gefahren als 3a-Fondsanleger. Am besten rentiert hat gemäss einer Auswertung des Vermögenszentrums ein 3a-Konto bei der Kleinbank BBO Bank Brienz Oberhasli mit 2,41 Prozent Zins pro Jahr. Bei der Migros-Bank gab es 2,32 Prozent, bei der AEK Bank 1826 mit 2,28 Prozent fast genauso viel. Am wenigsten zahlte die Zuger Kantonalbank mit 1,97 Prozent; sie offeriert auch aktuell mit 1,5 Prozent den tiefsten Zinssatz. Das beste Angebot hat derzeit die Banca Popolare di Sondrio mit 2,75 Prozent.

Auf den Zins zu achten lohnt sich. Das zeigt ein Rechenbeispiel: Zahlt man jedes Jahr den Maximalbetrag von aktuell 6566 Franken in die Säule 3a ein, bringt ein Prozent mehr Zins nach 40 Jahren rund 100'000 Franken mehr Vermögen.

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Vorteil für Vermögende: Sie sparen bei der Säule 3a am meisten

Attraktiv ist 3a-Sparen vor allem aus steuerlichen Gründen. Dabei gilt: Je höher das Einkommen, desto grösser der Steuer­effekt. Wie viel sich sparen lässt, berechnete die Winterthurer Vermögens-Partner AG für das Steuerjahr 2008 am Beispiel eines alleinstehenden reformierten Zürcher Steuerzahlers: Bei einem steuer­baren Einkommen von 100'000 Franken reduzierte er mit seiner Säule 3a seine Steuerlast um 1850 Franken. Das ging nur, weil sein Grenzsteuersatz bei hohen 29,1 Prozent lag. Würde er weniger verdienen und der Grenzsteuersatz bloss 15 Prozent betragen, hätte er nur 955 Franken gespart.

Doch das ist nur der erste Teil der Rechnung. Denn bei Auszahlung der 3a-Gelder fällt eine (reduzierte) Kapitalsteuer an. Sie variiert je nach der Höhe der Auszahlung und des Steuerdomizils. So zahlen Berner bei einer Auszahlung von 250'000 Franken über 20'000 Franken Steuern, Zuger dagegen nur rund 14'000 Franken. Hat man mehrere 3a-Konti und lässt sich diese gestaffelt auszahlen, wird die Progression gebrochen. Dadurch spart man Steuern.

Die Vermögens-Partner AG hat die Rechnung gemacht und den Steuereffekt nach der Auszahlung der 3a-Gelder berechnet. Das ernüchternde Resultat: Die Steuer­ersparnis ist nur für einen Teil der Sparer hoch genug, um die hohen Gebühren der Säule 3a zu kompensieren. Nach zehn Jahren mit einer Rendite von zwei Prozent und bei einem Grenzsteuersatz von 35 Prozent erzielt ein alleinstehender ­reformierter Zürcher dank der Steuer­ersparnis 8,1 Prozent mehr Rendite pro Jahr. Nach 40 Jahren beträgt der Steuer­effekt aber nur noch 1,43 Prozent. Bei Schlechterverdienenden mit einem Grenzsteuersatz von 15 Prozent beträgt die Mehrrendite dank der Steuerersparnis nach zehn Jahren 2,42 Prozent, nach 40 Jahren nur 0,24 Prozent.

Das zeigt: 3a-Sparen lohnt sich vor allem für Besserverdienende.