AHV

So kommen Sie nicht zu kurz

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Fast alle haben mit der AHV zu tun, aber nur wenige blicken durch. Das schafft Unsicherheiten. Hier finden Sie Antworten auf Fragen, die im Beobachter-Beratungszentrum häufig gestellt werden.

von Jeannine Burri und Anne Sciavillaaktualisiert am 2017 M03 28

Wer in der Schweiz wohnt und/oder hier arbeitet, ist obligatorisch bei der AHV versichert – mit Ausnahme weniger Spezialfälle. Erwerbstätige müssen grundsätzlich ab dem 1. Januar nach dem 17. Geburtstag Beiträge zahlen. Die Beitragspflicht endet üblicherweise mit Erreichen des AHV-Rentenalters (Frauen 64, Männer 65); Nichterwerbstätige werden am 1. Januar nach dem 20. Geburtstag beitragspflichtig. Zusammen mit den Beiträgen an die AHV werden auch diejenigen an die IV und die Erwerbsersatzordnung (EO) eingezogen.

So weit alles klar. Doch das Thema AHV-Beiträge hat es an sich, dass es schnell einmal komplizierter wird, sobald man in der Praxis damit zu tun hat. Hier die Antworten auf häufig gestellte Fragen.

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1. Berechnung der AHV-Beiträge

Wie werden die AHV-Beiträge eigentlich berechnet? Müssen alle AHV-Pflichtigen gleich hohe Beiträge einzahlen?
Nein, da gibt es Unterschiede. Massgebend ist, ob man als erwerbstätig, nicht erwerbstätig oder selbständig erwerbend gilt.

Bei unselbständig Erwerbstätigen wird der AHV-Beitrag von 8,4 Prozent aufgrund des Bruttolohns berechnet. Dabei muss der Arbeitgeber die Hälfte berappen, während die andere Hälfte direkt vom Lohn abgezogen wird. Wer weniger als 2300 Franken im Jahr verdient, muss vom Arbeitgeber explizit verlangen, dass darauf AHV-Beiträge abgerechnet werden. Dieser Wunsch ist für den Chef aber dann Befehl. Wer hingegen nichts verlangt, bekommt auch keine Beiträge gutgeschrieben.

Bei Nichterwerbstätigen (zum Beispiel IV-Rentner, Studierende, Hausfrauen und Hausmänner) werden die Beiträge mit einer Formel berechnet. Dabei wird das Vermögen addiert mit dem 20-fachen jährlichen Renteneinkommen. Daraus resultiert ein Bemessungsbetrag, aus dem sich aufgrund einer Tabelle die Höhe des AHV-Beitrags ergibt. Der Mindestbeitrag beträgt 478 Franken pro Jahr, der Maximalbeitrag 23'900 Franken, inklusive IV und EO.

Selbständige zahlen die gesamten AHV-Beiträge von 7,8 Prozent aus der eigenen Tasche. Die Beitragshöhe wird aufgrund des Selbständigen-Reineinkommens berechnet. Gestützt auf das im Steuerverfahren ermittelte Einkommen werden die Beiträge erst nachträglich definitiv festgesetzt. Für Einkommen bis 56'400 Franken pro Jahr gelten tiefere Beitragssätze. Beträgt das Jahreseinkommen weniger als 9400 Franken oder hat man gar einen Verlust gemacht, ist nur der Mindestbeitrag von 478 Franken geschuldet. Bei einem geringen Jahreseinkommen bis 2300 Franken aus einem selbständigen Nebenerwerb ist die Beitragszahlung freiwillig. Voraussetzung ist aber, dass man daneben einen Hauptberuf ausübt. Das kann auch das Führen eines Familienhaushalts sein.

2. AHV-Beiträge für die Putzfrau?

Muss man für die Putzfrau, die im Stundenlohn bezahlt wird, ebenfalls AHV-Beiträge entrichten?
Ja. Wer eine Putzhilfe beschäftigt, gilt als deren Arbeitgeber und muss schon vom ersten Lohnfranken an Beiträge bezahlen. Hier gibt es keinen Grenzbetrag. Das gilt auch für angestellte Kulturschaffende, also wenn man zum Beispiel einen Musiker für eine Hochzeit engagiert. Nur wenn ein solcher als selbständig erwerbend bei der AHV gemeldet ist, gilt man nicht als Arbeitgeber und muss folglich keine Beiträge zahlen.

3. Was gilt für verheiratete Hausfrauen/-männer?

Der Ehemann arbeitet, die Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder. Muss dann die Frau auch AHV-Beiträge zahlen?
Nein. Obschon die Frau AHV-rechtlich gesehen als Nichterwerbstätige gilt, muss sie so lange nicht zahlen, wie der arbeitstätige Ehemann den doppelten Mindestbetrag an die AHV einzahlt. Das sind zurzeit 956 Franken pro Jahr inklusive IV und EO.

4. Wie wirkt sich Gütertrennung aus?

Ein Ehepaar hat einen Ehevertrag auf Gütertrennung. Wie werden dann die AHV-Beiträge für den nichterwerbstätigen Partner ermittelt?
Bei verheirateten oder in eingetragener Partnerschaft lebenden Personen geht die AHV vom ganzen ehelichen Vermögen und Renteneinkommen aus. Dieses wird den Partnern jeweils hälftig angerechnet. Der Güterstand interessiert die AHV dabei überhaupt nicht. Auch nicht, wenn es zu einer gerichtlichen Trennung kommen sollte. Erst eine Scheidung wirkt sich aus.

5. Der berufstätige Ehepartner wird pensioniert, der nichterwerbstätige noch nicht

Der Mann hat bisher gearbeitet und kommt nun in Rente. Seine nichterwerbstätige Ehefrau wird erst in drei Jahren Rentnerin. Was gilt da?
Für nichterwerbstätige Ehepartner gilt unter gewissen Umständen eine AHV-Beitragsbefreiung (siehe Frage 3). Doch wenn der arbeitende Ehegatte in Rente geht, muss die noch nicht rentenberechtigte Ehepartnerin fortan selber AHV-Beiträge zahlen. Wichtig ist, dass sich die Frau bei der AHV-Zweigstelle ihrer Wohngemeinde als nichterwerbstätig anmeldet, sobald ihr Mann aufhört zu arbeiten. Sonst besteht die Gefahr, dass sie am Schluss Beitragslücken hat und somit Kürzungen in Kauf nehmen oder Nachzahlungen leisten muss.

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Was bedeuten Begriffe wie Plafonierung der AHV-Rente oder Splitting? Guider-Mitglieder erhalten weiterführende Informationen, mit welchem Einkommen sie im Alter rechnen und wie sie sich gegen einen Entscheid der AHV wehren können.

6. Nichterwerbstätigenbeiträge für Teilzeitarbeitende?

Es kommt vor, dass die AHV jemandem, der Teilzeit arbeitet, eine Rechnung für Nichterwerbstätigenbeiträge stellt. Warum ist das so?
Das hängt mit dem Umfang der beruflichen Tätigkeit zusammen. Wer nicht dauernd (das heisst weniger als neun Monate im Kalenderjahr) oder nicht voll (weniger als 50 Prozent) arbeitet, muss unter Umständen als Nichterwerbstätiger AHV-Beiträge bezahlen. Es wird eine Vergleichsrechnung gemacht. Ergibt diese, dass die Beiträge vom Erwerbseinkommen tiefer ausfallen als die Hälfte der Beiträge, die man als Nichterwerbstätiger bezahlen müsste, gilt man ebenfalls als nichterwerbstätig.

In jedem Fall gilt man als nichterwerbstätig, wenn man die minimalen Jahresbeiträge der AHV nicht erreicht.

7. Was gilt im Konkubinat?

Welche Auswirkungen hat das Leben im Konkubinat auf die AHV?
Gar keine. Nur die Ehe oder die eingetragene Partnerschaft wirken sich auf die AHV aus. Im Konkubinat lebende Personen werden als Einzelperson beurteilt.

8. Was gilt in der Ehe oder eingetragenen Partnerschaft?

Wie wirkt sich die Ehe oder die eingetragene Partnerschaft bezüglich AHV aus?
Auch in Ehe und Partnerschaft entrichtet jeder Arbeitstätige aufgrund seines Erwerbseinkommens AHV-Beiträge. Jede und jeder hat ein eigenes Konto und bekommt dann auch eine eigene Rente. Die frühere Ehegattenrente existiert nicht mehr.

Sobald der zweite Ehegatte/Partner eine Rente aus der ersten Säule bezieht (AHV oder IV), wird das Splitting vollzogen: Die während der Ehe/Partnerschaft erworbenen AHV-pflichtigen Einkommen werden hälftig auf beide AHV-Konten gutgeschrieben. Diese Regel ist zwingend und kann auch nicht im Einverständnis der Betroffenen umgangen werden.

Zudem unterstehen die Renten eines Ehepaars der Plafonierung: Ein Paar bekommt mit beiden Renten nie mehr als das Anderthalbfache der maximalen Einzelrente; seit 1. Januar 2015 entspricht das 3525 Franken. Gekürzt werden die beiden Renten anteilmässig.

9. Was gilt, wenn ein Rentner weiterarbeitet?

Was bedeutet es für die AHV, wenn jemand nach dem Pensionsalter doch noch weiterarbeitet?
Wer das AHV-Alter erreicht hat und weiterarbeitet, muss weiterhin Beiträge entrichten. Allerdings gibt es einen Freibetrag von 1400 Franken monatlich für Angestellte und von 16'800 Franken jährlich für Selbständigerwerbende. Was darüber hinausgeht, ist AHV-beitragspflichtig – hat allerdings keinen Einfluss auf die Höhe der Rente. Die Abgabe ist ein reiner Solidaritätsbeitrag.

Für Personen, die eine Frührente beziehen und dennoch weiterarbeiten, gibt es diese Freibeträge nicht.

10. Was gilt, wenn man die AHV früher beziehen will?

Woran sollte man denken, wenn man zwei Jahre vor dem Ruhestand eine Rente beziehen will?
Ein Vorbezug der AHV-Rente ist frühestens zwei Jahre vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters möglich. Pro Vorbezugsjahr kürzt die AHV jedoch die Rente um 6,8 Prozent. Bei zwei vorbezogenen Jahren sind das 13,6 Prozent. Bei einem maximalen Rentenanspruch von 28'200 Franken im Jahr werden daraus nur noch 24'365 Franken. Das macht pro Monat 320 Franken weniger Rente. Hinzu kommt, dass man als Nichterwerbstätiger weiter AHV-Beiträge zahlt (siehe Punkt 1 «Berechnung der AHV-Beiträge»), obwohl diese die Rente nicht mehr weiter erhöhen.

11. Was gilt, wenn man sich selbständig macht?

Ein Handwerker, der bisher angestellt war, macht sich selbständig und will die AHV deshalb künftig selber abrechnen. Wird das akzeptiert?
Wer mit dem Gedanken spielt, sich selbständig zu machen, muss sich bewusst sein, dass es letztlich die AHV ist, die beurteilt, ob eine selbständige oder eine unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt. Als selbständig gilt etwa, wer ein Unternehmerrisiko trägt, wer eigene Geschäftsräumlichkeiten hat, Personal beschäftigt sowie wirtschaftlich und arbeitsorganisatorisch unabhängig ist.

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12. Was gilt, wenn man auswandert?

Kann man die AHV weiterführen, wenn man auswandert?
Grundsätzlich ist es möglich, die AHV auch im Ausland freiwillig weiterzuführen. Die genauen Modalitäten hängen vom jeweiligen Einzelfall und insbesondere vom Zielland ab. Man sollte sich also frühzeitig bei der Zentralen Ausgleichsstelle des Bundes informieren. Wichtig ist auch, die Termine im Auge zu behalten: Für die Beitrittserklärung gilt eine Frist von einem Jahr seit Austritt aus der obligatorischen AHV.

13. Wie schützt man sich vor Beitragslücken?

Beitragslücken in der AHV wirken sich negativ auf die Rentenhöhe aus. Kann man sich davor schützen?
Wer den Verdacht hat, dass nicht in allen massgebenden Jahren AHV-Beiträge eingezahlt wurden, kann bei jeder Ausgleichskasse einen Gesamtauszug bestellen oder verschafft sich über das InfoRegister einen Überblick, bei welchen Kassen bereits eingezahlt wurde. Darin ist ersichtlich, ob solche Lücken bestehen. Wichtig ist, bei der Nachkontrolle die Fristen im Auge zu behalten: Für die Berichtigung von Fehlern hat man 30 Tage Zeit.

Lücken können geschlossen werden, indem die fehlenden Beiträge nachbezahlt werden. Das ist aber lediglich bei Lücken möglich, die in den letzten fünf Jahren entstanden sind. Weiter rückwirkend sind keine Nachzahlungen möglich.

Gibt es Beitragslücken, weil der Arbeitgeber seinen Anteil nicht eingezahlt hat, muss man nachweisen können, dass man in der fraglichen Zeit gearbeitet hat. Ferner muss ersichtlich sein, dass der Arbeitgeber die AHV-Beiträge vom Lohn abgezogen hat. Gelingt dieser Beweis, werden die entsprechenden Einkommen gutgeschrieben – selbst dann, wenn die Kasse die Beiträge beim damaligen Arbeitgeber nicht mehr einfordern kann.

Weitere Infos, Adressen und Merkblätter

Allgemeine Informationen zum Thema AHV mit Unterlagen zum Download: www.ahv-iv.ch

AHV im Ausland: Infos für Auswanderungswillige bei der Zentralen Ausgleichsstelle: www.zas.admin.ch oder beim Bundesamt für Sozialversicherungen unter www.bsv.admin.ch

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