Die Banken mussten Ende Fe­bruar der Finanzmarktaufsicht einen fünf Seiten langen Fragebogen abliefern. Darin mussten sie aufschlüsseln, wie viele Re­trozessionen seit 2003 in ihre Taschen flossen, wie viele Kunden sie entschädigen und wie viele Rückstellungen sie bilden. Retrozessio­nen sind verdeckte Provisionen, die laut Bundesge­richt den Bankkunden gehören.

Mit dem Fragebogen will sich die Finma «ein ganzheit­liches Bild über die Situation der Banken verschaffen» – um gezielt weiter vorgehen zu können, erklärte Rainer Borer von der Finma. Dass sie Daten bis zehn Jahre zurück erhebt, will die Finma nicht kommentieren. «Die Frage der Verjährungsfrist ist eine Frage des Zivilrechts» – und nicht der Aufsicht.

Sinneswandel bei Raiffeisen

Inzwischen geben weitere Banken ihre Blockadehaltung auf. Neu auch die Raiffeisen: Noch im Januar hatten einzelne Genossenschaften Vermögensverwaltungskunden abgewimmelt. Jetzt zeigen Recherchen des Beobachters, dass doch gezahlt wird. Raiffeisen erklärt dazu: «Es ist keine pauschale Aussage möglich, welche Kunden entschädigt werden. Ein­gehende Kundenforderungen werden in jedem Fall geprüft und entsprechende Massnahmen getroffen», so die Sprecherin Sonja Stiegl­bauer. Man werde die betroffenen Kunden informieren.

Andere Institute zahlen Re­trozessionen zurück, so die Mi­gros-Bank (4,2 Millionen Franken), die Hypothekarbank Lenz­burg (250'000 Franken), die Schwyzer Kantonalbank und Bank Coop (12,6 Millionen). Die UBS zahlt Entschädigungen nur für 2008. Diverse Kantonalbanken haben namhafte Beträge zurückgestellt, so die Basellandschaftliche (2 Millionen), die Thurgauer (8,4), die St. Gal­ler (6,6), die Bündner (6) und die Zuger (4,1). Die Luzerner, «nur marginal betroffen», will Ende März entscheiden.

Auch Privatbanken ziehen nach

Die Bank Vontobel weist in der Jahresrechnung bloss Eventualverpflichtungen (6,3 Millionen) aus, keine Rückstellungen. Damit zeige sie an, dass sie nicht damit rechne, diese Gelder ­zurückgeben zu müssen, so ein Sprecher. Die Privatbank Rahn & Bodmer bietet Kunden ­«völlig unpräjudiziell» Rückzahlungen an.

Auch Vermögensverwalter wie Isis Management, Bfw oder Cosmopolitan entschädigen Kunden. Andere mauern. So die Teufener VVK Vorsorge- und Vermögenskonzepte, die von einem Kunden 2000 Franken verlangt – um herauszufinden, wie viele Retrozessionen sie ihm schuldet. Martin Vetterli

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