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Giuliana Pellicioli, 42
Sozialhilfe: 1'100 Franken
«Ich finde keinen besseren Job,weil es für alleinerziehende Mütter wie mich kaum passende Stellenangebote gibt.»
Der Wiedereinstieg ins Berufsleben gelang der alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern (10, 12) nach der Scheidung nicht. Die gelernte Coiffeuse schlägt sich durch als Garderobiere, Angestellte in einer Galerie und Farbtherapeutin. Damit verdient sie aber nur maximal 2'000 Franken im Monat. Von der Sozialhilfe wird dieser Betrag auf total 3'100 Franken ergänzt. Dieses Geld muss für die dreiköpfige Familie reichen.



08-07-Betroffenen02.jpgErrol Baumer, 47
Sozialhilfe: 2'300 Franken
«Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als wieder richtig arbeiten und dieses Martyrium vergessen zu können.»
Der Programmierer verlor seine Arbeitsstelle wegen Reorganisationsmassnahmen des neuen Managements - nach zehn Jahren treuer Dienste. Danach fand er zwar in anderen Branchen Jobs, die aber bald dem Sparstift zum Opfer fielen. Als er kein Arbeitslosengeld mehr erhielt, lebte er von Erspartem und musste sich schliesslich doch bei der Sozialhilfe anmelden. Auf seine zahlreichen Bewerbungen erhielt er zur Antwort, er sei entweder überqualifiziert, zu alt, schon zu lange weg vom Job oder er habe die falschen Qualifikationen. Nach Abzug von Miete und Krankenkasse sowie den fixen Nebenkosten bleiben ihm monatlich 400 Franken für den restlichen Lebensunterhalt.



08-07-Betroffenen03.jpgBeatrice Blaser, 29
Sozialhilfe: 500 Franken
«Um eine berufliche Perspektive zu haben, bin ich auf eine Ausbildung angewiesen.»
Die junge Schreinerin verunfallte vor sieben Jahren mit dem Motorrad. Seither kann sie aus gesundheitlichen Gründen im angestammten Beruf nicht mehr tätig sein und höchstens ein halbes Arbeitspensum bewältigen. Als handicapierte Handwerkerin ohne allzu gute Schulbildung hat Beatrice Blaser wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die IV hat bisher jegliche berufliche Massnahme abgelehnt. Nach Abzug der Fixkosten hat Blaser 600 Franken für den Lebensunterhalt zur Verfügung. Sie absolviert derzeit ein Vorpraktikum im Sozialbereich. Mit wachsender Berufserfahrung hofft die 29-Jährige, aus eigener Kraft in der Arbeitswelt wieder neu Fuss zu fassen.



08-07-Betroffenen04.jpgSven Roth, 31
Sozialhilfe: 1'984 Franken
«Mein grösster Wunsch wäre eine Resozialisierung und Anerkennung als kranker, nicht als arbeitsscheuer Mann.»
Der ausgebildete Velo- und Motorradmechaniker und Lagerist findet wegen eines vererbten Rückenschadens keine Stelle mehr. Er lebt mit einer Bandscheibenprothese und bezieht seit rund vier Jahren Sozialhilfe. Nach Abzug von Miete und Krankenkasse bleiben ihm rund 800 Franken zum Leben. Roth bemüht sich seit fünf Jahren um eine Umschulung, welche die IV bisher verweigert hat. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat unlängst entschieden, dass sein Fall neu abgeklärt werden muss.



08-07-Betroffenen05.jpgBettina Schacher, 38
Sozialhilfe: 400 Franken
«Dass Sozialhilfebezüger in den Medien derzeit pauschal als Sozialschmarotzer verunglimpft werden, ist eine Demütigung.»
Die alleinerziehende Mutter eines 12-jährigen Kindes mit Behinderung arbeitete 80 Prozent als Büroangestellte, als sie vor drei Jahren unter der Doppelbelastung zusammenbrach. Da sie ihr Arbeitspensum reduzieren musste, wurde der Gang zum Sozialamt unausweichlich - trotz Teilzeitjob als private Kleinkinderbetreuerin. Die finanzielle Situation erlaubt ihr seit Jahren weder Hobby noch Ferien. Erwerbseinkommen, Alimente, Kinderzulagen und Sozialhilfe zusammengerechnet, hat Schacher monatlich 2'870 Franken zur Verfügung. Das reicht nicht zum Leben.



08-07-Betroffenen06.jpgHassan Abdi, 52
Sozialhilfe: 700 Franken
«Es ist sehr schwierig, mit so wenig Geld eine sechsköpfige Familie zu ernähren.»
Der Schweizer Hassan Abdi, Vater von vier Kindern, verlor seine Stelle als Angestellter bei der Zürcher Sihlpapier, als vor einem Jahr mehrere Stellen abgebaut wurden. Das Arbeitslosengeld reicht nicht, um die sechsköpfige Familie zu ernähren, deshalb bezieht Hassan Abdi ergänzend Sozialhilfe. Nach Abzug der Fixkosten stehen der Familie noch rund 900 Franken für den Lebensunterhalt zur Verfügung. Abdi tut alles für eine neue Stelle. Doch seine Bewerbungen scheitern immer wieder an seinem Alter und an seinem ausländischen Namen.



08-07-Betroffenen07.jpgMonika Graf, 36
Sozialhilfe: 0 bis 300 Franken
«Weil ich meinen Jüngsten nicht fremdbetreuen lassen will, kann ich nur Teilzeit arbeiten und verdiene so oft weniger als das Existenzminimum.»
Die ausgebildete hauswirtschaftliche Angestellte und alleinerziehende Mutter zweier Söhne (16 und 10 Jahre) verlor ihre Stelle, weil der Arbeitgeber Konkurs machte. Heute arbeitet Monika Graf zu rund 40 Prozent als Werbeverträgerin und Putzfrau, doch der Lohn, den sie damit verdient, reicht nicht. Seit eineinhalb Jahren bezieht sie deshalb ergänzend Sozialhilfe. Nach Abzug der Fixkosten wie Mietzins oder Krankenkasse verbleiben der dreiköpfigen Familie pro Monat 500 Franken für Lebensmittel, Kleider oder den Coiffeur. «Ich möchte liebend gern vom Sozialamt weg», sagt Graf.



08-07-Betroffenen08.jpgKatharina Verena Sieber, 54
Sozialhilfe: 2'330 Franken
«Hunderte von Bewerbungen habe ich versandt. Überall ernte ich Absagen. In meinem Alter habe ich auf dem Arbeitsmarkt zurzeit wenig Chancen.»
Katharina Sieber verlor ihren Job als Assistentin eines Schulleiters in der grafischen Industrie, weil ihre Stelle abgebaut wurde. Seit September 2006 ist die gelernte Damenschneiderin, Absolventin der Hotelfachschule, spätere Arztsekretärin und Taxifahrerin ausgesteuert und bezieht Sozialhilfe. Nach Abzug von Miete und Krankenkasse bleiben ihr monatlich 960 Franken. Mit professioneller Unterstützung sucht sie intensiv einen neuen Job.

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