Die Schweizerische Krebsliga lud vor kurzem alle Spender, die ihr regelmässig Beträge über 1000 Franken zukommen lassen und um die 60 Jahre alt sind, in ein Zürcher Restaurant ein. Und zwar zu einem Apéro mit zweistündigem Seminar rund ums Thema Erben und Testament. Rund 50 Interessierte folgten der Einladung, die nicht frei von Absichten war: «Wenn Sie dann gar nicht mehr wissen, wie Sie Ihr Geld loswerden wollen, gibt es noch immer die Krebsliga», rief Markus Diener, bei der Krebsliga zuständig für Legate und Grossspender, im Verlauf des Seminars den Zuhörern zu.

Kaum eine gemeinnützige Organisation, die es nicht auf die Gelder der wohlhabenden Alten abgesehen hat. So führt Greenpeace einmal pro Jahr einen Anlass auf einem Schiff durch, bei dem Mitglieder der Geschäftsleitung über aktuelle Themen wie die Überfischung der Meere informieren und zugleich die Teilnehmenden wissen lassen, dass man durchaus auch Greenpeace in seinem Testament bedenken könne. Amnesty International ermuntert Spender mit sogenannten Testimonials von Legate-Gebern, die Organisation im Testament zu berücksichtigen. Selbst kleinere Organisationen wie umverkehR Schweiz, der Verein für nachhaltige Mobilität, thematisieren Legate in ihrer Zeitung.

Legate-Marketing nennt sich diese Methode, der sich viele Organisationen bedienen, um zu Geld für ihre Zwecke zu kommen. Es ist ein lukrativer Markt: «Das Legate-Marketing wird an Bedeutung gewinnen», sagt Muriel Bonnardin von Greenpeace, «weil immer mehr Geld vererbt wird, auf das die Nachkommen nicht mehr angewiesen sind.»

Bei der Heilsarmee klingelt die Kasse

Tatsächlich begünstigt jeder Sechste im Testament eine gemeinnützige Organisation, pro Jahr werden zwischen 250 und 350 Millionen Franken an Legaten und Erbschaften auf diese Weise vermacht. Doch Legate sind äusserst ungleich verteilt: Während sich Organisationen wie Swissaid, die in der Dritten Welt tätig ist, mit einigen hunderttausend Franken pro Jahr begnügen müssen, können sich andere kaum der Vermächtnisse erwehren: So erhielt etwa die Heilsarmee Schweiz im letzten Jahr 35 Millionen Franken an Legaten, was 60 Prozent der gesamten Spendeneinnahmen ausmachte. Erfolgreich ist auch die Schweizer Berghilfe unterwegs, die 2006 etwa 17 Millionen Franken erhielt. Nicht zuletzt dank solchen Vermächtnissen hat die Berghilfe ein Kapital von gegen 70 Millionen Franken.

Doch wieso fällt bei den einen das Legate-Manna vom Himmel, während bei anderen die Liebesmüh fast umsonst ist? «Wie viele Erbschaften und Legate eine Organisation erhält, hängt stark vom Zweck und den Werten ab, die sie vertritt», sagt der Spendenspezialist Claudio Beccarelli. «Die Berghilfe und die Heilsarmee etwa verkörpern Werte, mit denen sich die heutigen Erblasser stark identifizieren und die ihr Leben geprägt haben», fügt Beccarelli bei, der kürzlich eine Studie über den Legate- und Spendenmarkt verfasst hat.

Schwerer haben es hingegen Drittweltorganisationen. Hier dürfte das Misstrauen vieler eine Rolle spielen, die sich fragen, ob das Geld in uns unbekannten Ländern auch wirklich zweckentsprechend verwendet wird.

Dass bei älteren vermögenden Zeitgenossen noch einiges zu holen ist, zeigen die Steuerzahlen: Im Kanton Zürich etwa versteuert jedes fünfte Rentner-Ehepaar mehr als eine Million Franken Vermögen. Gesamtschweizerisch liegt die Summe der jährlichen Erbschaften bei etwa 30 Milliarden Franken, wobei die durchschnittliche Erbschaft pro Todesfall fast eine halbe Million beträgt.

Wann wirds pietätlos?

Legate-Marketing ist eine diffizile Angelegenheit, der Pfad zwischen Pietätlosigkeit und Mittelbeschaffung ist schmal. Wer zu forsch vorprellt, sieht vermutlich wenig Geld. Umgekehrt meint Beccarelli: «Wenn die Organisation den Prozess einwandfrei dokumentiert und transparent vorgeht, hat das Ganze überhaupt nichts Anrüchiges.»

Nach zwei Stunden wissen die Teilnehmenden am Krebsliga-Seminar fast alles übers Erben und das Verfassen eines Testaments. Die Gespräche beim Apéro sind lebhaft, doch ob die Teilnehmenden die Krebsliga in ihrem Testament berücksichtigen, bleibt deren Geheimnis: «Es liegt in der Natur der Sache, dass sich erst Jahre später feststellen lässt, was an Legaten vermacht wird», so Seminarleiter Markus Diener.

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Geld zu vergeben: So finden Sie den richtigen Empfänger

  • «Legat» und «Vermächtnis» sind rechtlich dasselbe. Das Zivilgesetzbuch verwendet allerdings nur den Begriff Vermächtnis.
  • Vermachen kann man bestimmte Sachen wie den antiken Bauernschrank, eine Geldsumme oder auch Nutzungsrechte wie ein lebenslanges Wohnrecht.
  • Wer mit einem Legat bedacht wird, erhält keine Erbenstellung, wird also nicht Mitglied der Erbengemeinschaft. Deshalb haften Vermächtnisnehmer nicht für Erbschaftsschulden und müssen sich nicht um die Verwaltung und Teilung der Erbschaft kümmern.
  • Wollen Sie die Ausrichtung des Vermächtnisses nicht den Erben überlassen, können Sie in Ihrem Testament einen neutralen Willensvollstrecker mit dieser Aufgabe betrauen.
  • Der Wert des Legats muss in die frei verfügbare Quote passen. Das heisst, die Pflichtteile des überlebenden Ehegatten, der Kinder oder Eltern dürfen nicht gegen deren Willen verletzt sein.
  • Soll eine Person oder Institution ein Vermächtnis erhalten, reicht ein handschriftliches Testament mit Datum und Unterschrift. Um Unklarheiten zu vermeiden, verwenden Sie am besten den Begriff «Vermächtnis» oder «Legat» als Bezeichnung.
  • Sind Sie auf der Suche nach einer geeigneten Institution, die Sie beglücken wollen, kann der Schweizer Spendenspiegel hilfreich sein. Kostenlos erhältlich im Internet unter www.spendenspiegel.ch; im Buchhandel für Fr. 20.50.
  • Gemeinnützige Institutionen mit dem allgemein anerkannten Gütesiegel der Stiftung Zewo finden Sie im Internet unter www.zewo.ch.