Dass es je zu einem solch heftigen Streit unter den Geschwistern kommen würde, hätte in der Familie Leu* niemand gedacht. Dabei hatte sich das Unheil angekündigt, wenn auch schleichend. Der Grund für den Zwist: In den neunziger Jahren schenkten die Eltern eine Liegenschaft an Sohn Rolf* mit Ausgleichungspflicht gegenüber seiner Schwester Maja Kunz*. Der effektive Wert des Hauses lag damals bei 900'000 Franken, der Sohn übernahm die Hypothek über 300'000 Franken.

2014, nachdem beide Elternteile gestorben waren, lag der Verkehrswert der Liegenschaft konjunkturell bedingt bei 1,5 Millionen Franken. Abzüglich der Hypothek habe ihr Bruder damit 1,2 Millionen geschenkt erhalten, die er jetzt bei der Erbteilung ausgleichen müsse, argumentierte Maja Kunz. Rolf Leu dagegen beharrte auf den 600'000 Franken – dem Wert der damaligen Schenkung.