In Adelboden BE freuen sich einige, als ob schon Weihnachten wäre: der Gemeinderat, der Tourismus­direktor, der Skischulleiter und das Bau­gewerbe. Auf einer Brache im Dorf, wo das vor 18 Jahren abgebrannte Hotel Nevada stand, soll ein Fünfstern­hotel mit 200 Betten gebaut werden. Es würde einen Kongressteil und einen Wellnessbereich von 4500 Quadratmetern mit 16 Wasserbecken umfassen. 140 Millionen Franken soll das Projekt kosten. Die Investoren geben sich aber auch auf Nachfrage nicht zu erkennen.

In Adelboden gibt es aber auch etliche Kritiker. Einer ist der Bauer Christian Oester, der an der prominenten Stelle im Dorf gern etwas anderes gesehen hätte, etwa ein Familienhotel. «Ich bin skeptisch», sagt er, «weil ich nicht glaube, dass ein Bad rentiert. Und weil man nicht weiss, wer die Geldgeber sind.» So sieht das auch SP-Grossrätin Andrea Zryd, die in Adelboden aufgewachsen ist: «Wenn man den Geldgeber nicht kennt, ist es falsch, dieses Projekt zu bewilligen.» Anders klingt es bei der Gemeinde: «Es ist nicht unsere Aufgabe, den Investor zu überprüfen», sagt Gemeinderats-Vizepräsident René Müller, der als Adelbodens Sprachrohr bei diesem Thema fungiert.

Der erste Investor ging pleite

Projektleiter Daniel Kündig hat das Vorhaben vor bald zehn Jahren lanciert. Zunächst wollte die Swiss Spa Group mit einem arabischen Investor, der Pearl of Kuwait Real Estate, bauen. Dieser erhielt 2009 eine Baubewilligung, ging aber im Zuge der Finanzkrise pleite. Nun soll der Komplex bis Ende 2017 realisiert werden. Die Gemeinde gibt den Boden im Baurecht ab und erhält dafür einen maximalen Zins von jährlich 80'000 Franken.

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Nachfolgerin der kuwaitischen Firma wurde die Pearl of Switzerland Development SA, die wiederum ihren Namen zu Innovafina Development AG änderte. Diese hat nun die Baubewilligung. Finanziert werden soll das Unterfangen von der Innovafina Projekt AG. Diese 2012 im Handelsregister eingetragene Firma ist mit einem Ak­tienkapital von 100'000 Franken ausgestattet. Domiziliert ist sie in einem Wohnhaus in einem Einfamilienhausquartier in Bottmingen BL. Im Nachbarhaus wohnt der einzige Verwaltungsrat und Geschäftsführer, Werner Fehlmann. Er ist Kadermitglied bei Siemens.

Adelboden ist nicht Bad Ragaz

Auch gegenüber dem Beobachter will sich Fehlmann nicht zu den Investoren äussern. Er sagt lediglich, dass es sich um «schweizerische und ausländische» Gelder handle. Er räumt ein, es sei «schwierig», in den ersten Jahren schwarze Zahlen zu erwirtschaften: «Das Alpenbad ist eine langfristige, nachhaltige Investition, von der die Geldgeber in den ersten Jahren wenig Rendite erwarten.» Deutlicher wird Daniel Kündig: «Es ist ein mutiger Entscheid, in ein Bad zu investieren. Im besten Fall wird die Rechnung in den ersten Jahren ausgeglichen sein.»

Andreas Deuber, Tourismusprofessor an der Fachhochschule HTW Chur, sieht es ähnlich: «Die öffentliche Therme in Bad Ragaz brauchte etwa sechs Jahre und über eine Viertelmillion Besucher, um aus den roten Zahlen zu kommen. Und das trotz guter Verkehrslage, Thermalwasser und einer jahrelang aufgebauten Reputation.» Laut Deuber ist Adelboden auch kein Traumziel – anders als die etablierte Destination Bad Ragaz. Auch verkehrstechnisch liegt die Berner Gemeinde schlecht. Wo also liegt der Reiz einer solchen Geldanlage? Man fragt sich, ob Investoren vielleicht einen sicheren Hafen suchen, ob gar Gelder gewaschen werden sollen. Immer wieder wurden in den letzten Jahren Mittel zweifelhafter Herkunft im Schweizer Immobilienmarkt investiert.

Die Bagger sind schon wieder weg

Geschäftsführer Werner Fehlmann widerspricht einem solchen Verdacht. Für ihn sind die Adelbodner Investorengelder «sauber». Ob sie bereits auf Schweizer Banken liegen, also im Rahmen der Sorgfaltspflicht geprüft wurden, sei «offen».

Nach Jahren der Ungewissheit und etlichen leeren Versprechen fragen sich viele in Adel­boden, ob das Alpenbad auch tatsächlich gebaut wird. Wenige glauben daran. Ein älterer Dorfbewohner, der anonym bleiben möchte, spricht von «Schaumschlägerei». Eine Runde älterer Gäste am Mittagstisch ist ebenso skeptisch wie jüngere Barbesucher oder Passanten auf der Strasse.

Mitte November wäre die bereits einmal verlängerte Baubewilligung abgelaufen. Kritiker meinen, die Swiss Spa Group habe nur deshalb vor einigen Wochen Baumaschinen auffahren lassen, damit die Bewilligung nicht verfällt.

Sie scheinen nicht falsch zu liegen. Die Baumaschinen wurden bereits wieder abgezogen, die Ruine des früheren Hotels sieht aus wie eh und je. Aber obwohl sich nichts zu bewegen scheint, sagt Projektleiter Kündig: «Glauben Sie, ein Investor würde neben den Projektkosten von mehreren Millionen Franken über eine halbe Million in Abbruch und Entsorgung der Altlasten investieren, wenn er nicht bauen wollte?»

Einig ist man sich in Adelboden in einem Punkt: Die hässlichen Überreste des ehemaligen Hotels Nevada sollten nach 18 Jahren endlich verschwinden.