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AktienKaufen oder verkaufen? Hören Sie nicht aufs Gefühl

Roulette-Tisch
Mit der Börse ist es wie beim Roulette: Wer glaubt, Muster zu erkennen, und nur deshalb investiert, kann schnell viel verlieren. Bild: Getty Images

Wer investiert, lässt sich allzu oft vom Bauchgefühl leiten. Das kann böse ausgehen. 7 Tipps gegen häufige psychologische Fehler.

von Andrea Haefelyaktualisiert am 2017 M10 12

Sie haben geerbt? Im Lotto gewonnen? Gratulation! Ihre Probleme beginnen – jetzt. Denn was soll mit dem Geld passieren? Ein Sparkonto ist bei den tiefen Zinsen unattraktiv. Anlegen scheint da eher die Lösung.

Doch leider ist Anlegen, vor allem in Aktien, keine exakte Wissenschaft. Im Gegenteil. Das Verhalten der Börse ist etwa so kontrollierbar wie die Kugel beim Roulette. Also so gut wie nicht.

Kontrollieren lässt sich aber das eigene Verhalten. Mit Vernunft, etwas Basiswissen und dem Bewusstsein, dass uns unsere Psyche gern einen Streich spielt, lassen sich zumindest grobe Investitionsfehler vermeiden.

Helfen Muster beim Geldanlegen?

Vielen Anlegern wird eine eigentlich nützliche Fähigkeit zum Verhängnis: in Dingen oder Ereignissen Muster zu erkennen. Sie sicherte uns in grauer Vorzeit das Überleben. Wer zwischen tief fliegenden Vögeln und einem Wetterumschwung einen Zusammenhang erkannte, hatte bessere Chancen, das schlimme Gewitter in der trockenen Höhle zu überstehen – und wurde nicht vom Blitz erschlagen.

An der Börse – wie beim Glücksspiel – neigen wir ebenfalls dazu, Muster zu erkennen. Nur gibt es die gar nicht. Wenn die Kugel beim Roulette 15 Mal hintereinander auf Schwarz gelandet ist, heisst das nicht, dass jetzt Rot dran wäre. Und wenn eine Aktie steigt und steigt, heisst das nicht zwingend, dass sie weiter steigen wird.

1. Tipp

Lassen Sie das Musterdenken sein.

Kaufen Sie keine Aktie, nur weil sie länger konstant gestiegen ist. Vor allem weil viele Anleger einsteigen, wenn die Aktie länger im Steigflug ist. Denn das macht sie zu teuer.

Für Talfahrten gilt das Gleiche. Es sei denn, der Kursverlust lässt sich auf äussere Umstände zurückführen. Der Kurs einer Firma die ausschliesslich Faxgeräte herstellt, wird garantiert gegen null sinken, da keiner mehr einen solchen Klotz brauchen kann.

2. Tipp

Berücksichtigen Sie beim Kauf- oder Verkaufsentscheid grundsätzlich alle vorhandenen Fakten rund um eine börsenkotierte Firma.

Sich das Wissen dazu anzueignen braucht natürlich etwas Zeit und Einsatz. Eine psychologische Falle ist dabei das Schönreden.

Ein Beispiel: Herr Müller kauft Schön-Aktien, weil er glaubt, dass die Firma bald gute Gewinne schreiben und der Kurs deshalb steigen wird. Da wird die Schön AG überraschend von einem Konkurrenten übernommen, die Aktie steigt tatsächlich. Herr Müller freut sich und gratuliert sich selber zu seiner guten Einschätzung. Doch er überschätzt sich, denn die Übernahme konnte er nicht voraussehen.

Auch im umgekehrten Fall wird schöngeredet. Herr Müller kauft keine Aktien, weil die Börse gerade einen kleinen Taucher macht. Als sie sich erholt, sagt er: «Ich wusste, dass die Kurse wieder steigen werden.» Hm. Und wieso hat er dann nicht gekauft?

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3. Tipp

Machen Sie sich Notizen zu Ihrem Verkaufs- und Kaufverhalten, vor allem zu schlechten Investments.

Nur so finden Sie heraus, ob Sie gut angelegt haben oder einfach Glück hatten. Wer ein paarmal gut gefahren ist, wird nachlässig. Denn Glück macht unvorsichtig. Das gilt fürs Glücksspiel wie für die Börse. Auch hier droht das Risiko des Musterdenkens.

4. Tipp

Investieren Sie Kursgewinne nicht übermütig in die nächste Spielrunde.

Das gewonnene Geld ist gleich viel wert wie jenes, das Sie hart erarbeitet haben. Und es ist schnell wieder weg. Investieren Sie Gewinne also mit der gleichen Sorgfalt wie die Gelder zuvor.

Wenn ein Schaf rennt, rennen alle. Der Mechanismus gilt für viele Anleger. Je öfter eine Aktie gekauft wird, desto mehr steigt ihr Wert. Das sieht irgendwann auch der Kleinanleger, und er macht einfach mit.

In dieser Euphorie neigen viele dazu, mehr anzulegen, als ihr Budget eigentlich erlaubt. Und sie laufen erst noch Gefahr, dass die Aktie ihren Höhepunkt bald erreicht. In der Hochstimmung verpassen viele den Absprung – und verlieren viel Geld.

5. Tipp

Legen Sie Ihr Geld möglichst antizyklisch an.

Kaufen, wenn niemand die Aktie will, verkaufen, wenn alle anderen kaufen. Also nicht mit der Herde rennen, sondern gegen den Strom schwimmen.

Wenn die Nüsschen auf dem Tisch stehen, greift man öfter zu, als wenn man zum Vorratsschrank oder gar in den Laden gehen muss. So ähnlich ist es mit der Börse. Wer sich konstant mit den Finanzmärkten beschäftigt, tätigt eher Transaktionen. Damit wächst auch die Gefahr, Geld zu verlieren. Im besten Fall nur mit Transaktionsgebühren. Oder, wie eine Börsenweisheit sagt: Hin und Her macht Taschen leer.

6. Tipp

Wenn Sie dazu neigen, sich von Medien, Bekannten und Börsennews zu schnellen Käufen und Verkäufen verleiten zu lassen, meiden Sie sie.

Legen Sie sich eine Investitionsstrategie zurecht und halten Sie sich daran.

7. Tipp

Streuen Sie Ihr Portfolio über mindestens 12 bis 18, noch besser aber über 20 bis 30 Titel.

Viele Privatanleger kaufen zudem nur Aktien von wenigen Firmen. Laut einer Studie der Uni Zürich von 2010 investierten Schweizer zu 80 Prozent in Schweizer Titel. Rund 60 Prozent hielten ausschliesslich Schweizer Aktien. Ein Fehler, denn das Verlustrisiko ist bei einseitigen Portfolios grösser als bei gut diversifizierten.

Achten Sie darauf, dass sie weltweit und in verschiedene Branchen investieren. Sie können auch Fonds kaufen, die das für Sie übernehmen.

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