Was ist ein Börsencrash?
Wenn die Börsenkurse in sehr kurzer Zeit extreme Einbrüche verzeichnen, spricht man von einem Börsencrash.

Ist das Geld auf meinem Konto gefährdet?
Dafür gibt es keine Anzeichen. Sollte jedoch der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass eine Schweizer Bank Konkurs geht, waren bislang pro Kunde lediglich maximal 30'000 Franken geschützt. Nun haben die Eidgenössischen Räte einen dringlichen Bundesbeschluss in Kraft gesetzt und diesen sogenannten Einlegerschutz per sofort auf 100'000 Franken pro Kunde erhöht. Neu gilt für Vorsorgegelder ein zusätzlicher Einlegerschutz für weitere 100'000 Franken pro Kunde. Bei den meisten Kantonalbanken besteht aufgrund der Staatsgarantie keine Gefahr. Beim normalen Kontosortiment der Postfinance – ausgenommen Vorsorge – ist ebenfalls nichts zu befürchten.

Ich habe mein Geld in Kassenobligationen angelegt. Sind diese auch betroffen?
Kassenobligationen sind von den Turbulenzen an der Börse nicht betroffen. Im Falle eines Bankenkonkurses gilt jedoch dasselbe wie bei den Bankkonten.

Da ich seit einiger Zeit freischaffend bin, liegt mein Pensionskassengeld auf einem Freizügigkeitskonto. Inwiefern ist dieses Geld vom Crash betroffen?
Direkt betroffen sind Sie derzeit nur, wenn Sie die Gelder in einem Anlagefonds mit Aktienanteil angelegt haben. Die Kursverluste bei den Aktien haben den Wert der Fondsanteile vermindert. Bei einer langen Anlagedauer, wie sie üblicherweise bei Vorsorgegeldern vorgesehen ist, dürfte die Rendite im langfristigen Durchschnitt bei Fondsanlagen trotzdem höher sein als auf dem Konto. Liegt Ihr Guthaben auf dem Konto, gilt auch hier der Einlegerschutz von 100’000 Franken pro Kunde.

Lässt man Anlagefonds der Säule 3a einfach im Depot? Oder ist es besser, diese auf weniger Risiko zurückzustufen, sprich, den Aktienanteil zu vermindern? Soll ich künftige Einzahlungen gar nicht mehr anlegen, sondern auf dem Konto belassen?
Wenn sich Ihr Anlagehorizont und Ihre Risikobereitschaft nicht geändert haben, sollten Sie jetzt nichts ändern. Bei langer Anlagedauer können auch künftige Vorsorgebeiträge in Fonds angelegt werden. Wenn Sie sich das Vorsorgekonto bald auszahlen lassen müssen, ist es empfehlenswert, die Fondsanteile abzubauen (zu verkaufen) und allenfalls noch vorhandene Gewinne zu realisieren.

Soll ich jetzt günstig Aktien kaufen?
Niemand kennt den günstigsten Zeitpunkt, um bei Aktien einzusteigen. Ist der für Sie angemessene Aktienanteil noch nicht ausgeschöpft, können Sie von den tieferen Aktienkursen profitieren. Da die Aktienkurse noch weiter sinken können, empfiehlt es sich, Ihr Kapital aufzuteilen und gestaffelt über einige Monate zu investieren. Dabei ist ein langfristiger Anlagehorizont wichtig und nötig.

Viele Experten sagen, man solle Aktien jetzt nicht verkaufen. Weshalb sind die Börsenkurse trotzdem so stark gefallen?
An den Börsen spielen viele Faktoren eine Rolle. Zu den wirtschaftlichen Gründen wie tiefere Gewinnschätzungen, Rezessionsgefahr in den USA und Japan und die generelle konjunkturelle Abkühlung kommen auch psychologische. Die verunsicherten Anleger verkaufen in Panik, um noch grössere Verluste zu vermeiden. Verkauft haben vor allem institutionelle Anleger, die für erhebliche Volumen verantwortlich sind. Sobald dann gewisse Kurslimiten unterschritten werden, werden automatisch weitere Verkaufsaufträge ausgelöst, sogenannte Stop-loss-Aufträge. Daraus ergibt sich eine Sogwirkung der Kurse nach unten.

Steigen nach einem Börsencrash die Kurse wieder?
Die Aktienkurse werden irgendwann wieder ansteigen. Derzeit kann niemand mit Bestimmtheit sagen, ob den Anlegern eine längere Zeit sinkender Kurse bevorsteht oder nicht. In nächster Zeit ist mit grösseren Schwankungen an den Finanzmärkten zu rechnen, was man auch als Volatilität bezeichnet.

Was ist eigentlich eine Rezession?
Eine Rezession liegt vor, wenn das Bruttoinlandprodukt eines Landes mindestens zwei Quartale hintereinander stagniert oder abnimmt, jeweils gemessen am gleichen Quartal des Vorjahres. Typischerweise sinken in einer Rezession die Börsenkurse. Die Wirtschaftslage wird eher schlecht beurteilt, die Nachfrage sinkt, demzufolge auch die Produktion. Dadurch werden mehr Arbeitnehmer entlassen, und die Arbeitslosenquote steigt an.

Wird es in der Schweiz auch eine Rezession geben?
Das Wirtschaftswachstum hat sich aufgrund der Finanzkrise in der Schweiz und weltweit abgeschwächt. Anders als noch vor einigen Monaten schliessen Fachleute eine Rezession in der Schweiz nicht mehr aus.

Werden die Löhne in der Schweiz sinken?
Die Löhne sind noch nicht gefährdet. Wenn sich die Wirtschaft jedoch abschwächt, werden sie in näherer Zukunft wieder weniger stark steigen oder gar stagnieren.

Steigt die Arbeitslosenquote wieder an?
Mit diesem Szenario muss gerechnet werden, wenn das Bruttoinlandprodukt weniger wächst. Banken haben bereits Entlassungen angekündigt. Ob auch weitere Branchen betroffen sind, wird sich noch zeigen. Eine höhere Arbeitslosenquote würde den Druck auf die Löhne verstärken.

Sinken die Zinsen in der Schweiz noch weiter?
Die Schweizerische Nationalbank hat im Herbst 2008 die Leitzinsen kräftig gesenkt, um die Wirtschaft weiterhin mit günstigem Geld zu versorgen. Mit billigen Krediten sollen Investitionen auch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten ermöglicht werden. Die SNB sieht das Inflationsrisiko derzeit als eher gering an. Ob die Zinsen noch weiter sinken werden, hängt vom weiteren Wirtschaftsgang und der Inflationsentwicklung ab.

Die Zinssätze für Kassenobligationen und Festhypotheken sind gesunken. Hat dies Auswirkungen auf Anleger, Eigenheimbesitzer und Mieter?
Die Anleger erhalten für neue Festgelder und Kassenobligationen wieder weniger Zins. Die bereits laufenden sind nicht betroffen, deren Zinssätze sind für die ganze Laufzeit fest. Eigenheimbesitzer hingegen profitieren von den derzeit tieferen Zinsen, wenn sie jetzt eine fällige Festhypothek haben oder von der variablen Hypothek auf eine feste Laufzeit umsteigen wollen. Den Mietern bringen diese Zinssenkungen noch nichts. Die Wohnungsmieten werden seit Herbst 2008 aufgrund eines von der Nationalbank ermittelten Referenzzinssatzes festgelegt. Dabei handelt es sich um einen Durchschnitt von Hypothekarzinssätzen von Schweizer Banken.

Müssen Privatpersonen wegen der Finanzkrise mehr Steuern bezahlen?
Tatsache ist, dass bei Bund, Kantonen und Gemeinden mit weniger Steuereinnahmen zu rechnen ist. Die Banken liefern weniger Gewinnsteuern ab, und wenn sie weniger Boni und Dividenden auszahlen, wirkt sich das auch auf die Einkommenssteuern aus. Diese Ausfälle müssen irgendwie kompensiert werden, sonst muss der Staat Ausgaben kürzen. Durch das Wirtschaftswachstum wird mindestens ein Teil der Steuerausfälle wieder reingeholt, und die Banken werden auch künftig wieder fette Gewinne schreiben. Je nachdem, wie lange die Krise anhält, sind Steuererhöhungen jedoch denkbar.

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