Steuern sparen wie die Grossen – ganz simpel: 280'000 australische Dollar aufnehmen, 50'000 Dollar aus dem eigenen Sack dazulegen. Dieser Tipp stammt vom Vermögensverwalter «BZ Berater Zentrum» (BZ) aus Thalwil und sollte einem Ostschweizer Lokführer helfen, seine Steuern um ein paar Tausender zu optimieren.

Das Kunststück möglich machen sollte der MQ-Kinetic-Fonds der australischen Investmentbank Macquarie. Nur ist dieser Fonds weder ein Sparbüechli mit eingebautem Turbo, noch taugt er als Steuersparinstrument. Marc Hari, Geschäftsführer der Schweizer Macquarie-Niederlassung, sagt: «Fondsanteile zu kaufen, um damit Steuern zu sparen, wäre ein absolutes Fehlverständnis des Fonds. Das ist so verkehrt, wie wenn man den Karren vor das Ross spannen würde.» Es handle sich um ein Investment in den australischen Dollar und in die Schwellenländermärkte. Und: «Nur wer felsenfest davon überzeugt ist, dass beide sich in den nächsten dreieinhalb Jahren positiv entwickeln, darf an eine Fremdfinanzierung denken», so Hari. Indem man Geld aufnehme, erhöhe man selbstverständlich seine Risiken.

BZ-Chef Garzetti sieht kein Problem

Marco Garzetti, Gründer und Kopf des «BZ Berater Zentrums» (nicht zu verwechseln mit dem «VZ Vermögenszentrum»), will solche Warnhinweise nicht wahrhaben. «Es handelt sich nicht eigentlich um ein klassisches Anlageprodukt», sagt er. «Der Fonds macht nur Sinn, wenn man damit Steuern optimieren will.» Deshalb empfehle er ihn nur Kunden, deren Grenzsteuersatz bei mindestens 30 Prozent liege. «Nach Steuern gerechnet, müsste für solche Anleger kein Risiko bestehen», sagt Garzetti. «Die einzig mögliche Verlustquelle besteht, wenn der australische Dollar an Wert verlieren sollte.» Eine krasse Verharmlosung.

Das andere Problem des «BZ Berater Zentrums»: Der Macquarie-Fonds ist in der Schweiz gar nicht zugelassen und darf nur an qualifizierte Anleger verkauft werden, wie es im Fondsprospekt heisst. Und qualifizierte Anleger sind gemäss dem Kapitalanlagegesetz Privatpersonen mit mindestens zwei Millionen Franken Anlagevermögen und Anleger mit schriftlichem Vermögensverwaltungsvertrag. Auf den zweiten Punkt beruft sich das BZ. Im Rundschreiben der Finanzmarktaufsicht vom August 2008 steht jedoch, dass Vermögensverwalter dafür drei Kriterien erfüllen müssen: Sie müssen dem Geldwäschereigesetz unterstellt sein, ihre Verträge müssen die Richtlinien einer Branchenorganisation erfüllen, und sie müssen den Verhaltensregeln einer Branchenorganisation unterstehen.

Anzeige

Das «BZ Berater Zentrum» ist zwar Mitglied Nummer 11915 des Vereins für Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen (VQF). Laut VQF-Geschäftsführer Patrick Rutishauser beschränkt sich die Mitgliedschaft auf die Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung. «Das Mitglied steht also nicht unter Aufsicht der Branchenorganisation für die Vermögensverwaltung des VQF, die den Anlegerschutz bezwecken.» Diese Regeln hätten «für das Mitglied keine Geltung», so Rutishauser.

5000 Franken für drei Kundenbesuche

Noch klarer wird Patrick Dorner, Geschäftsführer des Verbands Schweizerischer Vermögensverwalter: «Nur wenn sich ein Vermögensverwalter den professionellen Regeln einer Branchenorganisation vollumfänglich unterstellt, kann er seinen Kunden Fonds für qualifizierte Anleger ins Portefeuille legen.» Das «BZ Berater Zentrum» erfüllt aber nur einen Teil dieser Kriterien.

Die Recherchen des Beobachters haben Konsequenzen. Die Macquarie-Bank hat nach Auskunft von Geschäftsführer Marc Hari eine interne Prüfung angesetzt. Die Geschäftsbeziehung mit dem «BZ Berater Zentrum» wurde vorläufig auf Eis gelegt. Ob sie jemals wieder aufgenommen wird, sei offen. Die Aussage von BZ-Chef Garzetti gegenüber dem Beobachter, er persönlich habe einen vorläufigen Verkaufsstopp verhängt, ist deshalb die halbe Wahrheit. Er kann und darf im Moment gar keine Macquarie-Fonds verkaufen. Auch die Finanzmarktaufsicht prüft intern den Fall «aus aufsichtsrechtlicher Warte», bestätigte Finma-Sprecher Tobias Lux.

Das «BZ Berater Zentrum», das eigenen Angaben zufolge 100 Mitarbeiter und 8000 Kunden zählt, ist kein unbeschriebenes Blatt. Der Beobachter erhält immer wieder Anfragen zur Seriosität der Beratung dieses Strukturvertriebs und hört Klagen über dessen überrissene Gebühren.

Anzeige

Der Ostschweizer Lokomotivführer, dem der todsichere Fonds angeboten wurde, hat das einzig Richtige getan. Er hat sich gegen ein Engagement entschieden und wird weiterhin korrekt Steuern bezahlen. Und spart sich damit Ärger.

Gelohnt hätte sich das Geschäft dagegen für das «BZ Berater Zentrum». Eigenen Angaben zufolge verzichte man zwar bei den MQ-Kinetic-Fonds auf die sonst übliche BZ-Einstiegsgebühr von fünf Prozent und die «normalen» 0,4 Prozent Vermögensverwaltungsgebühr pro Quartal. Garzettis Firma hätte aber auch so kräftig kassiert: einen einmaligen Ausgabeaufschlag von 0,75 Prozent plus 0,4 Prozent Retrozessionen pro Jahr von Macquarie. Das hätte insgesamt 4840 Franken gemacht. Kein schlechter Lohn für drei Kundenbesuche bei einem Lokführer.