Es war früher so verbreitet wie heute Cumulus-Karte und Supercard: das Jugendsparbuch. Zwar ist es nach wie vor im Angebot, steht allerdings in harter Konkurrenz, namentlich zu Sparplänen.

Machen wir den Vergleich: Derzeit beträgt der «Vorzugszins» für ein Jugendsparbuch in der Regel ein Prozent. Selbst wenn das Zinsniveau steigen sollte, werden es über die 18 Jahre zwischen Geburt und Volljährigkeit kaum mehr als durchschnittlich zwei Prozent sein. Das heisst: Aus 1000 Franken werden in dieser Zeit bestenfalls 1428 Franken - gerade genug, um die Teuerung auszugleichen.

Viel vorteilhafter sieht die Rechnung bei Aktien aus: Wer 1925 für 1000 Franken Schweizer Dividendenpapiere kaufte, hätte heute gut 660'000 Franken auf der hohen Kante. Gemäss Berechnungen der Bank Pictet werfen Schweizer Aktien über lange Zeiträume im Schnitt 10,3 Prozent pro Jahr ab - fünfmal mehr als ein Jugendsparbuch. Bei Obligationen beträgt die Langfristrendite immerhin 4,5 Prozent.

Sicher, Börsen können tauchen, Aktienkurse können einbrechen. Wer aber einen langen Sparhorizont hat, für den ist der Gang an die Börse durchaus sinnvoll. Schon mit 50 Franken pro Monat können vorausschauende Eltern ihren Nachwuchs von Gewinnen an der Börse profitieren lassen: über Fondssparpläne. Bei diesen werden regelmässig (monatlich, viertel- oder halbjährlich) gleichbleibende Beträge in Anlagefonds investiert. Das Risiko, das sie dabei eingehen wollen, bestimmen die Eltern über die Fondsauswahl: Mit der Höhe des Aktienanteils steigen Rendite und Risiko.

Hier die Regeln, damit aus den geplanten Erträgen keine Verluste werden:

Anbieter und Kosten

Fondssparen kann man bei Banken, Versicherungen oder Fondsanbietern. Halten Sie sich direkt an die Anbieter, schliessen Sie nicht bei irgendwelchen Vermittlern ab. Die Kosten sind sehr unterschiedlich: Den grössten Brocken machen die sogenannten Ausgabeaufschläge für die Fonds aus. Sie betragen null bis sechs Prozent der einbezahlten Summe. Dazu kommen Spesen für die Verwaltung und Depotführung. Sie fallen besonders bei wenig rentierenden Obligationenfonds ins Gewicht. Die Rechnung ist einfach: Je tiefer die Kosten, desto höher wird am Schluss der angesparte Betrag sein. Die Gebühren müssen auch immer in Relation zu den Einzahlungen gesetzt werden: So sieht der Sparplan Swisscanto Flex der Kantonalbanken eine Administrationsgebühr von mindestens 25 Franken pro Jahr vor. Bei einer monatlichen Einzahlung von 50 Franken würde diese Gebühr rund vier Prozent des jährlichen Anlagebetrags verschlingen. Eine Investition in solch teure Instrumente lohnt sich deshalb erst ab etwa 300 Franken monatlich.

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Anlagesegment und Risiko

Ob Auslandsaufenthalt, Sportkarriere oder Studium: Um für Kinder Vermögen aufzubauen, ist in der Regel reichlich Zeit. Mit 15 oder 20 Jahren Anlagehorizont ist das Sparen mit renditestarken Aktienfonds eine gute Wahl. Zwischenzeitliche Verluste lassen sich gut aussitzen. Fonds mit risikoärmeren Obligationen schneiden auf lange Sicht deutlich schlechter ab. Kurzfristig schwanken Aktien aber viel stärker. Der Rekord: 1974 verloren sie einen Drittel an Wert. Seien Sie sich dieses Risikos bewusst.

Fondsauswahl und Rendite

Sie können zwischen zahlreichen Fonds wählen. Meiden Sie auf einzelne Länder, Themen oder Branchen fokussierte Fonds, streuen Sie stattdessen das Risiko. Am besten eignen sich Produkte, die europa- oder weltweit in Aktien investieren. Achten Sie darauf, wie das Fondsmanagement die letzten Jahre gearbeitet hat. Allerdings: Auch die schönste Wertentwicklung über die vergangenen fünf Jahre ist keine Garantie für Gewinne in der Zukunft.

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Mindestbetrag und Einzahlungszwang

Bei den meisten Sparplänen können Sie einzahlen, so viel und wann immer Sie möchten. Einige Produkte sehen jedoch Mindesteinlagen vor (CS: Ersteinlage 1000 Franken, Migros-Bank: 500) oder einen bestimmten Zahlungsrhythmus (Postfinance: 100 Franken pro Monat, Kantonalbanken: 50 Franken pro Monat). Wenn Sie sich zu den disziplinierten Zahlern zählen, sollten Sie so flexibel wie möglich bleiben. Legen Sie sich nicht auf eine Mindestlaufzeit fest und schliessen Sie vor allem keine Fondspolicen ab, die auch noch einen Versicherungsschutz enthalten. Falls Sie Ihr Kind auch gegen Invaliditätsrisiken versichern möchten, decken Sie diese am besten mit einer reinen Risikoversicherung ab.

Einzahlungen und Durchschnittskurseffekt

Regelmässige Einzahlungen auf das Fondssparkonto sind jedoch sinnvoll. So verhindern Sie, dass Sie einen schlechten Einstiegszeitpunkt erwischen: Falls Sie monatlich Fondsanteile für 50 Franken kaufen, erzielen Sie im Schnitt einen besseren Einstandskurs, als wenn Sie Ende Jahr 600 Franken auf einmal investieren würden. Man nennt das den Durchschnittskurseffekt; dieser kann bis zu ein Prozent zusätzliche Rendite pro Jahr bringen. Denn für Fondskäufe immer den Tiefstkurs zu erwischen, schafft niemand.

Dank dem Zinseszinseffekt summieren sich auch Kleinstbeträge über die Jahre hinweg zu stattlichen Summen. Wer vom Zeitpunkt der Geburt eines Kindes an jeden Monat 50 Franken in einen Fondssparplan einzahlt, häuft bis zum 18. Geburtstag des Sprösslings bei einem angenommenen Durchschnittszins von 4,5 Prozent 16'506 Franken an, bei 200 Franken pro Monat sind es 66'023 Franken. Deutlich weniger (9'505 respektive 38'018 Franken) sind es, wenn erst beim Schuleintritt mit den monatlichen Zahlungen begonnen wird. Die wichtigsten Tipps für Eltern, die ihren Kindern einen Sparbatzen mit ins Erwachsenenleben geben wollen, lauten deshalb: Möglichst früh anfangen - und eisern dranbleiben.

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