1. Home
  2. Geld
  3. Trickbetrug: Gauner, Gold und Gier

TrickbetrugGauner, Gold und Gier

Ein Walliser Ehepaar wird um 100'000 Franken erleichtert. Die beiden wollen andere warnen.

Der Käufer schien bereit 2,5 Millionen Franken für das Bed and Breakfast zu bezahlen – zu verlockend, um wahr zu sein.

Von Veröffentlicht am 06. Juni 2019

Das ist die wahre Geschichte von zwei klugen Menschen, die trotz Bildung, Wohlstand und viel Erfahrung in Geschäftsdingen unglaublich naiv gehandelt haben. Denen die Gier die Sicht vernebelt hat. Es ist eine Geschichte, die zeigt, dass es für jeden Menschen den richtigen Betrüger gibt.

Es begann mit einem Anruf Anfang März. «Ich suche für meinen Auftraggeber nach kleineren Hotels, Pensionen, Bed and Breakfasts. Möchten Sie verkaufen?», sagte ein Mann – er nannte sich Thomas Neil – in gebrochenem Französisch.

Karl Müller* war baff. Er besass zusammen mit seiner Frau Hanna* tatsächlich ein Haus, in dem sie ein Bed and Breakfast betrieben. Und sie trugen sich schon länger mit dem Gedanken, das Haus zu veräussern. Doch sie hatten nur innerhalb der Familie über ihre Absichten geredet. «Bis heute ist es uns ein Rätsel, wie die Bande ausgerechnet auf uns kam», sagt Karl Müller.

Ein Anruf zur richtigen Zeit

Das Haus. Ein jahrhundertealtes Bauernhaus mit angehängtem Stall, mitten in einem abgeschiedenen Dorf im Wallis gelegen. Die beiden haben es nach ihren Plänen umbauen lassen. Sie, Grafikerin von Beruf, hat das Farbkonzept für den Innenausbau gemacht. Designermöbel, eine offene Feuerstelle, Panoramafenster. Ausgeklügelte Haustechnik. Jedes Stück ist mit Bedacht ausgesucht, nichts dem Zufall überlassen. Ein Schmuckstück zeitgenössischen Wohnens, geschätzt auf 1,6 bis 2 Millionen Franken.
 

«Bis heute ist es uns ein Rätsel, wie die Bande ausgerechnet auf uns kam»


«Wir hatten uns mit dem Umbau finanziell ein wenig übernommen Haus renovieren Woher das Geld für den Umbau nehmen? und deshalb beschlossen, das Haus ein paar Jahre zu geniessen und es dann zu verkaufen», sagt Karl Müller. «Der Anruf passte zu unseren Plänen wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.»

Wie viel das Anwesen denn kosten solle, wollte Thomas Neil wissen. «Ich sagte 2,5 Millionen Franken», erzählt Karl Müller. «Und dachte, damit habe sich die Sache sicher erledigt.»

Falsch gedacht. «Neil wollte lediglich ein paar Kennzahlen, wie viele Zimmer wir hätten und wie hoch der Jahresumsatz sei, den wir erwirtschafteten.» Er müsse Rücksprache nehmen mit seinem Kunden. Kurz darauf meldete er sich wieder. Sein Klient sei gewillt, das Haus zum ­gewünschten Preis zu kaufen.

Treffen im Ausland

Müllers waren freudig perplex. In ihrem riesigen Wohnzimmer mit Sicht auf die schneebedeckten Berge und auf die Wiesen, die auch hier in der Höhe frühlingshaft erwachten. Der Samen war gesät.

Für das erste Treffen mit dem Käufer, einem gewissen Aljasser Saleh, schlug Vermittler ­Thomas Neil Turin vor – Müllers wäre Chiasso lieber gewesen. Man einigte sich auf Mailand. Dass das Treffen auf keinen Fall in der Schweiz stattfinden sollte, wurde dem Ehepaar erst klar, als es zu spät war.

«Saleh wirkte am Telefon sehr bestimmt und klar. Er schlug vor, dass wir zum Treffen zwecks Vertrauensbildung 5000 Franken mitbringen sollten, er bringe 5000 Euro», sagt Karl Müller.

Am 8. April 2019, einem Montag, sassen Karl und Hanna Müller also im Restaurant La Ri­sacca 2 im geschäftigen Mailänder Stadtteil ­Porta Venezia. Es regnete in Strömen. Das Ehepaar war aufgeregt. Neugierig. Durchaus auch skeptisch und angespannt. Denn gleich sollten sie den Mann kennenlernen, der ihr Haus kaufen wollte, ohne es je gesehen zu haben. Zu einem völlig überteuerten Preis.

 

Hanna und Karl Müller waren stolz auf ihr Haus. Doch sie hatten sich finanziell etwas übernommen.

 

Auftritt Aljasser Saleh. «Er war nicht gerade teuer gekleidet, eher im Gegenteil. Aber trug er eine Rolex. Und er konnte gut reden, wirkte durchaus vertrauenswürdig», sagt Karl Müller. Er sei Araber, sein Vater gebürtig aus Dubai. ­Seine Mutter sei Schweizerin und er in Genf aufgewachsen. Sein Geld verdiene er vor allem mit Diamanten, erzählte er.

Die ersten Warnsignale

«Ich fragte ihn, wer die Hand­änderung auf dem Grundbuchamt machen werde. Er erklärte, das übernehme der Gerant seines Hotels in Zermatt Wanderung Die ruhige Tour am Matterhorn .» Wie das Hotel in Zermatt heisst, wollte er nicht sagen. «Es reihte sich Warnton an Warnton, aber wir hörten einfach nicht. Oder wollten nicht hören», sagt Hanna Müller. «Ich verstehe es nach wie vor nicht.»

Man bestellte, das Ehepaar Fischfilet Importfisch Legal, aber nicht unbedingt nachhaltig mit Salzkartoffeln, Aljasser Saleh eine üppige Meeresfrüchteplatte mit Pommes. Er würde später nicht nur die Rechnung bezahlen, sondern dem Paar auch noch 500 Franken in die Hand drücken für die Auslagen, die das Treffen in Mailand verursachte. Eine vertrauensbildende Massnahme, die sich zweihundertfach auszahlen sollte.

«Saleh zeigte seine 5000 Euro und fragte nach unseren 5000 Franken. Ich antwortete, wir hätten kein Geld dabei, Reisen Lieber mit Bargeld oder Kreditkarte zahlen? wozu auch», sagt Karl Müller. Saleh realisierte, dass die Speckration für seine zwei Mäuse nicht reichte.

Er habe nur 1,5 Millionen Franken auf dem Konto, die er überweisen könne. Die restliche Million müsse er in Euro zahlen, erklärte Saleh. Doch diese Euros müsse er waschen, es handle sich um Schwarzgeld Steuerhinterziehung Schwarzgeld besser freiwillig melden . «Er schlug Folgendes vor: Wir sollten ihm Schweizer Franken geben, er würde uns die gleiche Summe in Franken plus 15 Prozent Kommission überlassen.»

Mit Speck fängt man Mäuse

Saleh realisierte, dass die skeptischen Müllers kurz davor waren zu kippen. Also schnell noch ein Scheibchen Speck obendrauf gepackt.

Salehs wichtigstes Arbeitsgerät ist – wie bei jedem Trickbetrüger Diebe und Betrüger Halten Sie Ihr Geld fest! – das Gespür für die Schwächen des Gegenübers. Dass Müllers stolz sind auf ihr Haus und es geniessen, ihre Kinder und Enkel in dem grossen Haus willkommen heissen zu können, hat er schon lange herausgehört.

Er selber wolle gar kein Bed and Breakfast betreiben, erklärte er deshalb plötzlich. Er kaufe das Haus eigentlich für seine Tochter, die in London Zahnärztin Preiserhöhung wegen neuem Zahnarzttarif Warum Zahnärzte noch teurer werden sei und ohnehin nicht im Wallis leben wolle. «Im Prinzip wäre es doch das Beste, wenn Sie beide weiter da wohnen und das Bed and Breakfast weiterhin betreiben. So lange Sie wollen», sagte er. «Natürlich nicht umsonst: Ich würde Ihnen 2000 Euro pro Monat bezahlen.»

Der Widerstand des Ehepaars verdampfte nachgerade. «Es war wie ein wahr gewordener Traum Psychologie Wie Träume uns helfen , alle unsere Hoffnungen schienen erfüllt», sagt Hanna Müller.

Gold für 100'000 Franken

«Dann fragte er fast nebenbei, wie viel Bargeld wir bis zum nächsten Treffen flüssig machen könnten. Wir sagten: Nichts, wir müssten es überweisen können. Doch das wollte er nicht», erzählt Hanna Müller. Sie sollten Gold kaufen und mitbringen, verlangte Saleh. Man einigte sich auf 100'000 Franken. «Das waren 2,5 Kilo Gold, drei handliche Plättchen, die sich im Hosensack verstauen liessen.» Wie in Trance fuhren die beiden nach Hause.

Eine Woche später, am 16. April, traf man sich wieder, diesmal in der Pizzeria Segrino, ebenfalls in Mailands Zentrum. Die Sonne schien, der Himmel war blau.

«Saleh hatte keine Tasche dabei, das irritierte mich», erinnert sich Karl Müller. Er habe das Geld im Wagen beim Chauffeur gelassen, erklärte Saleh auf Nachfrage. «Ich lasse ihn dann vorfahren.» Dann gab er uns seine Visitenkarte. «Financier» stand da in Grossbuchstaben weiss auf schwarz. Und eine – nicht existente – Adresse in Monaco. Seine Identitätskarte Ausweise Warum vernichtet der Staat meinen Pass? wollte er entgegen den Abmachungen nicht vorweisen. Das sei zu heikel, in Anbetracht der Tatsache, dass sie gerade Geld waschen «Laundromat» Geldwäsche: Die Schweiz als Drehscheibe würden.

Eine Rechnung ohne den Wirt

Frau Müller bestellte Pizza, Herr Müller Fisch, Aljasser Saleh eine Platte mit Fisch vom Grill. Diesmal würden Müllers die Rechnung selber bezahlen müssen. «Saleh wollte das Gold sehen», erzählt Karl Müller weiter. «Und wie in Trance gab ich es ihm. Ich verstehe es auch heute noch nicht.»

Saleh stand auf, er rufe jetzt seinen Chauffeur. Auch Müller erhob sich und folgte Saleh nach draussen, der telefonierte. Prompt fuhr ein roter Kleinwagen vor und hielt in der zweiten Reihe an. Nichts Grossartiges, erinnert sich Müller. ­Saleh quetschte sich zwischen den parkierten Autos hindurch. Stieg ein. Das Auto brauste ­davon. Mit Müllers Gold.

An Verfolgung war nicht zu denken. «Jetzt hast du echt eine Idiotie gemacht, fuhr es mir durch den Kopf», sagt Karl Müller. Zurück am Tisch rief Müller Saleh an, der ihn beruhigte und sagte, er komme gleich wieder. Sie assen etwas, bezahlten auch Salehs Zeche. Noch einmal rief Müller den angeblichen Financier an. Doch das Telefon war tot. «Vermutlich hat er es in den nächsten Kanal geworfen, weil er befürchtete, von der Polizei getrackt zu werden.»

Der gelassene Polizist

Karl und Hanna Müller standen unter Schock Trauma Ein Schock, der das Leben verändert . Wie in einem schlechten Traum gingen sie zum nächsten Polizeiposten. Der zuständige Polizist nahm die Anzeige ge­lassen auf. Zu oft kommen solche Trickbetrügereien vor. «Er gab uns zu verstehen, dass die Chance auf Aufklärung minimal sei.»

Auf der Heimfahrt schwiegen die beiden, die ganzen dreieinhalb Stunden lang. «Wir waren völlig deprimiert und beschämt, dass wir uns so hatten reinlegen lassen.» Salehs «Ehrenwort ­unter Männern» war genauso viel wert wie die Visitenkarte mit den falschen Angaben.

Zurück in der Schweiz dachten sie daran, auch hier Anzeige zu erstatten. Eine schlechte Idee, wie ihnen bald klar wurde. Die 2,5 Kilo Gold hatten sie nicht deklariert. Sie hatten sich des illegalen Devisenhandels schuldig gemacht. «Das war wohl der Grund, wieso sich Saleh um keinen Preis in der Schweiz treffen wollte. Durch den Schmuggel Betrug am Zoll Die Grenze zieht Gauner aller Art an waren uns juristisch die Hände gebunden, es sei denn, wir wollten uns selber inkriminieren», weiss Karl Müller heute.


* Name geändert

Unterstützen auch Sie die Stiftung SOS Beobachter mit Ihrer Spende!

In der Rubrik «Der Fall» geht es um Geschichten von Menschen, die eine Phase durchmachen, in denen es das Leben nicht gut meint mit ihnen. Auch die Stiftung SOS Beobachter unterstützt Menschen, die einen Schicksalsschlag verkraften müssen – mit einer Spende können Sie mithelfen. 

«Jeden Freitag direkt in Ihre Mailbox»

Martin Vetterli, stv. Chefredaktor

Jeden Freitag direkt in Ihre Mailbox

Der Beobachter Newsletter

Veröffentlicht am 07. Juni 2019

Bitte melden Sie sich an, um zu diesem Artikel zu kommen­tieren.

3 Kommentare

Sortieren nach:
Antonia44

Diese 'Masche' ist leider Realität! Diese Betrüger gehen gezielt vor und suchen sich die Opfer in Zeitungsannoncen aus (z.B. in Tierwelt, Anzeigern usw.). Bei uns und auch hier ohne die zu verkaufende Liegenschaft besichtigt und ohne die Verkaufsdokumentation eingesehen zu haben wurde sofort telefonisch ein überhöhter Kaufpreis genannt. Hier ging es nicht um Goldbarren, sondern um einen 1:1 Tausch von Euro in CHFranken, Treffpunkt zuerst Milano und dann entgegenkommenderweise Como! Das Walliserehepaar ist bestimmt kein Einzelfall.

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.

kut

Eine fast unglaubliche Geschichte. Den Betroffenen muss in kritischen Momenten unerklärlicher Rauch ihren Verstand vernebelt zu haben.

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.

Erika_H.

Das ist kein Trickbetrug mehr, das ist nur noch Gier und Dummheit des Ehepaares. Bei so vielen Warnzeichen und Ungereimtheiten müssten doch alle Warnlampen aufleuchten und das "faule" Geschäft abgebrochen werden.

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.