Ina Reber (Name geändert) wollte bei ihrer Krankenkasse Visana eine Zusatzversicherung mit Spital allgemein abschliessen. Doch der Antrag der kleingewachsenen Frau wurde «aufgrund der Risikobeurteilung» abgelehnt. Reber fragte nach und musste sich anhören, ihr Body-Mass-Index (BMI) sei zu hoch. Dieser errechnet sich aus dem Gewicht geteilt durch das Quadrat der Grösse. In Rebers Fall: 72 : (1,48 x 1,48) = 32,87. Die Visana legt die Latte bei einem BMI von 30 an. Ab BMI 25 ist man laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) übergewichtig.

Um unter BMI 30 zu kommen, müsste die Mutter von drei Kindern sieben Kilo abnehmen, einen Zehntel ihres Körpergewichts. «Für Kleinwüchsige wie mich ist der BMI der falsche Richtwert», ärgert sich Reber. Sie fühlt sich aufgrund ihrer Körpergrösse diskriminiert. Tatsächlich hat der Index seine Grenzen: Er gilt nur eingeschränkt für Kleinwüchsige, für Schwangere und Stillende, für Personen unter 18, für Senioren sowie für Athleten, da Muskeln schwerer als Fett sind.
In der Zusatzversicherung ist es den Anbietern freigestellt, welche Aufnahmekriterien sie anwenden. Visana-Sprecher Christian Beusch erklärt, dass man von Daten ausgehe, die auf die «Normalverteilung» in der Bevölkerung bezogen seien. Darin seien die 2,5 Prozent Kleinwüchsigen berücksichtigt. Will heissen: Auch unter angepassten Kriterien liege bei Ina Reber noch starkes Übergewicht vor.

400'000 Personen sind betroffen

Gut 400'000 Personen in der Schweiz haben einen BMI über 30 und tun sich somit schwer, eine Zusatzversicherung neu abzuschliessen. Denn die Visana ist mit ihrer restriktiven Praxis nicht allein: Auch bei der CSS ist der BMI «eines von mehreren Selektionskriterien». Die Helsana macht bei einem BMI zwischen 30 und 34,99 einen Vorbehalt: Gewisse Risiken werden also nicht versichert. Welche das sind, gilt als Geschäftsgeheimnis. Schwergewichte ab BMI 35 werden bei der Helsana nicht mehr in die Zusatzversicherung aufgenommen.

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