Während man in der Grundversicherung problemlos jedes Jahr im November bei der einen Krankenkasse kündigen und zur nächsten wechseln kann, ist dies bei den Zusatzversicherungen nicht so leicht möglich.

Im Gegensatz zur Grundversicherung handelt es sich hier nämlich um privatrechtliche Versicherungspolicen, bei denen praktisch uneingeschränkte Vertragsfreiheit herrscht. Das heisst, die Kassen dürfen beim Abschluss Vorbehalte anbringen oder den Vertrag auch ganz ablehnen, dies sogar ohne Begründung.

Um das Versicherungsrisiko einzuschätzen, stellen die Kassen eine Palette von Fragen zur Gesundheit, was den Kunden - durch die sogenannte Anzeigepflicht - praktisch zur grenzenlosen Offenbarung seiner Krankengeschichte zwingt.

Vielen Leuten ist der Zugang zu neuen Zusatzversicherungen deshalb von vornherein verwehrt, sei es wegen häufiger Krankheiten oder auch nur wegen des Alters. Ein Kassenwechsel sollte deshalb gut überlegt sein und rechtzeitig in Angriff genommen werden.

Ganz wichtig dabei: Die bisherigen Policen sollten erst gekündigt werden, wenn man von der neuen Kasse definitiv aufgenommen wurde; in der Regel muss die Kündigung bis Ende September bei der alten Kasse eintreffen.

Der umfassenden Anzeigepflicht des Kunden wurden im geänderten Versicherungsvertragsgesetz nun immerhin auch klare Informationspflichten der Kasse gegenübergestellt. Damit wurde das einseitige Kräfteverhältnis zwischen Kunde und Versicherung etwas ausgeglichen.

Doch selbst bei einer vorbehaltlosen Aufnahme in die neue Kasse kann es unter Umständen später zu einer bösen Überraschung kommen: Die Versicherung kann den Vertrag nachträglich auflösen, wenn sie erfährt, dass auch nur eine einzige Frage im Gesundheitsformular unwahr beantwortet wurde. Zudem darf sie Leistungen im Zusammenhang mit den nicht angegebenen Leiden verweigern beziehungsweise bereits geleistete Zahlungen zurückfordern.

So sind Sie auf der sicheren Seite

Das Beratungsgespräch:

  • Seien Sie sich bewusst, dass der Berater nicht unabhängig ist - er wird von der Versicherung bezahlt.
  • Lassen Sie sich nicht zu einer voreiligen Unterschrift drängen.
  • Lesen Sie alle Unterlagen, die Ihnen der Berater übergibt, aufmerksam durch, bevor Sie den Versicherungsantrag stellen.
  • Füllen Sie die nötigen Formulare eigenhändig aus.
  • Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen. Die Gesundheitsfragen können Sie allenfalls mit Ihrem Arzt besprechen.
  • Machen Sie sich Kopien von den ausgefüllten und unterzeichneten Unterlagen, bevor Sie sie einreichen.
  • Erteilen Sie dem Berater keine Vollmacht, Ihre bisherigen Policen zu kündigen, sondern kündigen Sie diese selber, wenn Sie in die neue Kasse aufgenommen sind. Die Kündigung muss in der Regel bis Ende September bei der alten Kasse sein.
  • Prüfen Sie umgehend nach Erhalt die Versicherungspolice. Sollte der Inhalt nicht mit Ihrem Antrag übereinstimmen, können Sie innert vier Wochen eine Berichtigung verlangen.
  • Führt eine Fehlinformation durch den Berater zu finanziellem Schaden, können Sie direkt die Krankenkasse haftbar machen.


Informationspflichten der Versicherung

  • Vor Vertragsabschluss müssen Sie vom Versicherungsberater über folgende Punkte informiert werden: versicherte Risiken; Umfang der Leistungen; Prämien; Vertragsdauer und Kündigungsmöglichkeiten; Umgang mit persönlichen Daten.
  • Ebenfalls vor Vertragsabschluss müssen Sie im Besitz der allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) sein.
  • Stellen Sie nachträglich fest, dass diese Informationspflichten verletzt wurden, können Sie den Vertrag innert vier Wochen schriftlich kündigen. Das Kündigungsrecht besteht allerdings nur im ersten Jahr nach dieser Pflichtverletzung.