Das einstige Ziel, dass AHV und berufliche Vorsorge 60 Prozent des einstigen Erwerbseinkommens decken, wird je länger, je weniger erreicht . Wir leben länger, und das Altersguthaben wächst aufgrund tieferer Verzinsung weniger. Ausserdem lassen sich die bisherigen Umwandlungssätze, welche die Rentenhöhe festlegen, kaum noch erwirtschaften. Deshalb senken die Pensionskassen den Umwandlungssatz unter 6 oder sogar unter 5 Prozent.

Ein Budget pro Übergang in andere Lebensphase

Das Pensionierungs-Barometer 2019 des VZ Vermögenszentrums zeigt, dass ein heute 55-Jähriger bei einem Lohn von CHF 120'000 mit einer Rente aus AHV und Pensionskasse von rund CHF 60'000 rechnen darf. 2002 wären es noch CHF 75'000 gewesen. Die zu erwartenden Renten sind somit zwischen 2002 und 2019 um 20 Prozent geschrumpft. Das heisst, Erwerbstätige müssen heute viel mehr selbst für ihre finanzielle Vorsorge tun, und sie müssen sich rechtzeitig damit befassen, um die Löcher zu stopfen Rentenlücke Und was kann ich jetzt tun? .

Damit man weiss, wie viel man sparen muss, braucht es mindestens zwei Budgets – ein aktuelles und eines für den Ruhestand. So macht man sich die Übergänge in andere Lebensphasen bewusst. Mehr als zwei Budgets sind nötig, wenn es mehrere Übergänge gibt: wenn man nach der Pensionierung in einem Teilzeitpensum weiterarbeitet, ein Partner erst ein paar Jahre später pensioniert wird oder das Kind voraussichtlich erst nach der Pensionierung auszieht. Wir zeigen, wie man die Budgets erstellt und wie man sie analysiert.

Erfassen der aktuellen Einnahmen und Ausgaben

Es geht darum, möglichst genau die Einnahmen und Ausgaben über zwei bis drei Monate zu erfassen. In der Regel lässt die Disziplin nach ein paar Tagen nach. Doch mittlerweile gibt es Hilfsmittel, die das Budgetieren erleichtern. Der Dachverband Budgetberatung Schweiz bietet eine App an, mit der man die Ausgaben und Einnahmen erfassen und gleich kategorisieren kann. Sie werden laufend addiert und datiert. Jährliche Ausgaben rechnet die App automatisch auf den Monat herunter. Dank eines Updates haben ab Ende November mehrere Personen Zugriff auf das Budget, und für eine bessere Übersicht lässt es sich in eine Excel-Tabelle exportieren.

Um nicht dauernd Barausgaben erfassen zu müssen, kann man einen oder mehrere Monate lang alles per Debitkarte zahlen. Am Ende der Periode kann man die einzelnen Posten aus dem Kontoauszug in der App eingeben. «Damit nichts vergessen geht, lohnt es sich, das Budget mit einer gewissen Systematik zu erfassen», sagt Andrea Schmid vom Dachverband Budgetberatung Schweiz und fügt hinzu: «Zuerst die Einnahmen, dann die Ausgaben. Unsere Vorlagen zeigen, wie es geht.»

Budget an Haushaltsform anpassen

Im Berufsleben stehen auf der Einnahmenseite Lohn, Alimente, Renten, Wertschriften- und Liegenschaftserträge. Zu den Fixkosten gehören: Steuern, Wohnkosten (Miete oder Hypothekarzins, Amortisationen, Nebenkosten, Liegenschaftsunterhalt), Krankenkasse Krankenkassenwechsel Fragen und Antworten zur Prämienersparnis , Versicherungen, ÖV, Auto, Telefon, Hobbys. Nicht vergessen werden dürfen Rückstellungen für unregelmässig anfallende Kosten: Serafe, Strom, Gesundheitskosten (Franchise, Selbstbehalt), Zahnarzt, Versicherungen. Bei den variablen Kosten fallen meist die Ferien am stärksten ins Gewicht. Dafür überschlägt man, was man im vergangenen Jahr ausgegeben hat.

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«Man sollte immer ein Budget entsprechend der Haushaltsform erstellen. Also Ehepaare ein gemeinsames, Konkubinatspaare Geld im Konkubinat Wer zahlt nach Pensionierung mehr? ein Konkubinatsbudget, das gemeinsame und nicht gemeinsame Kosten aufzeigt, und ein Paar mit Kindern ein Familienbudget», sagt Andrea Schmid. Und sie macht auf Folgendes aufmerksam: «Wenn es bei einem Konkubinatspaar grosse Differenzen beim Einkommen gibt, geht es nicht auf, wenn man gemeinsame Kosten prozentual zum Einkommen teilt. Erstens hat der weniger Verdienende eine viel tiefere Altersvorsorge, und zweitens bleibt ihm am Ende des Monats viel weniger übrig. Somit hat er einen tieferen Lebensstandard.» Sie empfiehlt, zu besprechen, wie man dies auffangen will, ob das Paar etwa analog dem Ehepaarbudget vorgehen will. «Das Ehepaarbudget hat gegenüber dem Konkubinatsbudget den Vorteil, dass der Überschuss dem Paar gemeinsam gehört», sagt Andrea Schmid.

Checkliste «Budgetplanung Pensionierung» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Haben Sie Ihre Finanzen im Griff? Wissen Sie, wie viel Geld Ihnen bei der Pensionierung bleiben wird? Mitglieder von Guider können mit der Checkliste «Budgetplanung für die Pensionierung» ihre Ausgaben und Einnahmen in der Tabelle detailliert auflisten und sehen dadurch, wie viel ihnen heute und bei der Pension zur Verfügung steht.

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Nach der Pensionierung sinken einzelne Ausgaben, während andere steigen

Das zweite Budget zeigt, wie sich Einnahmen, Ausgaben und Steuern entwickeln. Bei der AHV-Ausgleichskasse kann man auf Antrag die AHV-Rente vorausberechnen lassen. Welche Rente man aus der Pensionskasse erwartet, entnimmt man dem jährlichen Pensionskassenausweis. Es spielt noch keine Rolle, ob man dereinst die Rente oder das Kapital bezieht. Bei den Ausgaben muss man prüfen, wie sich diese im Alter ändern. Die Erfahrung zeigt, dass einzelne Ausgaben zwar sinken, andere hingegen steigen. Die Kosten für den Arbeitsweg, für Berufskleidung und auswärtige Verpflegung etwa fallen ganz oder teilweise weg. «Dafür kann man sie in der Steuererklärung auch nicht mehr abziehen», sagt Karl Flubacher vom VZ Vermögenszentrum. «Viele sind erstaunt, dass die Steuerlast nicht so stark abnimmt wie erwartet und dass die Ausgaben in den ersten Jahren nach der Pensionierung sogar steigen, weil die Leute mehr reisen oder sich ihren Hobbys widmen.»

Diese Aspekte sollte man beim zweiten Budget berücksichtigen:

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Wer hilft, das Budget zu erstellen?

Unterstützung beim Aufstellen eines Budgets gibt es bei Budgetberatungsstellen, von Finanzplanern und Vorsorgeberatern von Banken oder Versicherungen. Bei unabhängigen Beratern sollte man immer klären, welche Ausbildung sie haben. Der Vorteil von professioneller Hilfe: Budgetberaterinnen wissen genau, welche Posten man im Budget schönt. Finanzplaner sind Profis, wenn es darum geht, Budgets zu analysieren und zu planen, wie man Lücken bis zur Pensionierung stopfen kann. Dies wissen auch auf Finanzplanung spezialisierte Bankberater. Allerdings haben diese ein Interesse, am Vermögensaufbau mitzuverdienen.

 

Wie teuer ist eine Finanzplanung?

Beim VZ Vermögenszentrum etwa kostet eine etwas komplexere Finanzplanung zwischen 2000 und 6000 Franken. Der tatsächliche Betrag hängt vom Stundenaufwand ab. Das Erstgespräch ist kostenlos. Nach diesem erhält man eine Offerte. Kundinnen und Kunden können nicht viel dazu beitragen, die Kosten zu minimieren. Ein möglichst vollständiges Budget hilft aber, einen genauen Finanzplan zu erstellen.

Einzahlungen in die 2. Säule und die Säule 3a nicht unterschätzen

Hat man aufgrund des tieferen Einkommens im Alter ein Loch, analysiert man das erste Budget: Wo besteht Sparpotenzial? Welche Posten kann man ganz streichen Budget Den Geldfressern auf der Spur oder zumindest reduzieren (etwa Ferien , Hobbys, Wellness)? Wie viel legt man jetzt schon monatlich auf die Seite, und wie viel liegt zusätzlich drin?

«Viele unterschätzen die Steuerersparnisse. Diese lassen das Vermögen weiter wachsen», sagt Karl Flubacher und fügt hinzu: «Wichtig sind deshalb Einzahlungen in die Säule 3a und in die 2. Säule.» Ein Finanzplaner ist nützlich, wenn man in den letzten zehn Jahren vor der Pensionierung mit Amortisationen und Steuerersparnissen jonglieren muss. Im Beispiel der Familie (siehe nebenstehendes Budget) sieht man, dass sich die Ausgaben mit dem Auszug der Kinder zunächst markant reduzieren. Nach der Pensionierung steigen sie aber wieder, weil das Paar mehr reisen will und annimmt, dass der Hypozins höher sein wird als heute. Es ist relativ gut dran: Es wird in Kürze pensioniert, und der Ehemann verfügt über eine überdurchschnittliche PK-Rente. Deshalb wird es im Ruhestand noch rund 65 Prozent des bisherigen Einkommens haben. Ein heute 55-jähriges Paar kann damit laut dem VZ-Pensionierungsbarometer jedoch nicht mehr rechnen.

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Mit individuellem Sparen, Steueroptimierung, Einzahlungen in die Säule 3a und die Pensionskasse kann man in rund 15 Jahren noch einiges erreichen Altersvorsorge Nur wer sät, kann auch ernten , um Einkommenslücken im Alter abzufedern. Die Analyse zeigt auch, ob es sinnvoll wäre, über das Pensionierungsalter hinaus zu arbeiten, oder ob man versuchen soll, ein Teilzeitpensum in den Jahren vor der Pensionierung aufzustocken.

Budget nach Pensionierung

Klicken Sie auf die Tabelle, um sie herunterzuladen.

Quelle: VZ und Beobachter

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Jasmine Helbling, Online-Redaktorin

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