Eine freie Wahl der Pensionskasse (PK) wird es in der Schweiz in absehbarer Zeit nicht geben, obwohl Experten und Politiker diese mit schöner Regelmässigkeit als Lösung vieler Probleme vorschlagen. Im März dieses Jahres hielt der Bundesrat fest, dass «die freie Pensionskassenwahl zurzeit kein wünschbares Modell für die Weiterentwicklung der zweiten Säule darstellt». Die Versicherten bleiben also auf Gedeih und Verderb an die Pensionskasse ihres Arbeitgebers gekettet.

Nur in einem Fall haben Angestellte eine gewisse Wahlfreiheit: Wer seine Stelle wechselt, darf sich mit dem künftigen Arbeitsumfeld auch seine Pensionskasse aussuchen. Und das kommt relativ häufig vor; im Schnitt wechseln Schweizer während ihres Berufslebens siebenmal die Stelle.

Insgesamt zählen die Pensionskassen rund 3,2 Millionen Versicherte. 10’000 Franken zahlen Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Schnitt pro Jahr gemeinsam in die Pensionskasse ein - mindestens die Hälfte übernimmt der Arbeitgeber. Im Vergleich dazu sind andere Lohnkomponenten - etwa ein von der Firma gesponsertes Halbtaxabo, grosszügige Spesenentschädigungen oder verbilligtes Kantinenessen - bloss Brosamen. Pensionskassenexperte Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum stellt denn auch fest: «Neben dem Lohn ist die Pensionskasse der bei weitem wichtigste Entlöhnungsbestandteil.» Deshalb lohnt sich ein Blick auf die PK-Lösung eines potenziellen neuen Arbeitgebers auf jeden Fall.

Wenn sich die Kasse sanieren muss

Wer würde sein Pensionskassenkapital beispielsweise nicht gern zu einer Kasse transferieren, die es ein bis zwei Prozentpunkte besser verzinst? Die Unterschiede sind enorm: Während das Gros der Kassen im Jahr 2005 dem Kapital der Versicherten lediglich den Mindestsatz von 2,5 Prozent gutschrieb, gab es bei einigen Kassen 3,75 (Sulzer), 4 (Apothekerverein) oder gar 4,5 Prozent (Stadt Zürich).

Solche Renditeunterschiede wirken sich wegen des Zinseszinseffekts ganz erheblich auf die künftigen Renten aus. «Wer über Jahrzehnte nur 2,5 statt 4 Prozent gutgeschrieben erhält, hat bei der Pensionierung rasch 150’000 Franken weniger zur Verfügung», gibt Walter A. Oetiker, unabhängiger Finanzplaner aus Meilen ZH, zu bedenken. Er warnt deshalb davor, zu einer PK zu wechseln, die das Sparguthaben schlechter verzinst als die bisherige Kasse.

Damit ein Stellenwechsel nicht zum Verlustgeschäft wird, soll man laut Oetiker vor allem auf drei Punkte achten: erstens die Leistungen der neuen PK, zweitens die Verzinsung des Alterskapitals, drittens den Gesundheitszustand der Kasse. Wer beispielsweise von einer Pensionskasse, die bei Invalidität eine Rente in der Höhe von 60 Prozent des versicherten Verdienstes garantiert, zu einer Kasse mit gesetzlichen Minimalleistungen übersiedelt, riskiert massiv schlechtere Leistungen für sich und seine Familie. «Das kann im Invaliditätsfall gut und gern 1’000 bis 1’500 Franken pro Monat ausmachen», sagt Oetiker.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Gesundheitszustand der künftigen Kasse. Immer noch haben rund zehn Prozent aller Kassen eine so genannte Unterdeckung: Ihr Vermögen ist zu klein, um alle heutigen und künftigen Verpflichtungen gegenüber Versicherten und Rentnern erfüllen zu können. Ein Deckungsgrad von nur 90 Prozent bedeutet, dass das Vermögen zehn Prozent zu tief ist. Kassen mit Unterdeckung müssen sich sanieren.

Dafür können auch die Versicherten herangezogen werden: Via Zusatzbeiträge, Leistungsreduktionen oder eine tiefere Verzinsung der Guthaben müssen sie einen Teil dazu beitragen, dass die Kasse wieder auf einen gesunden Deckungsbeitrag von über 100 Prozent kommt. «Bei einem Deckungsgrad von 90 Prozent kann der Versicherte im schlimmsten Fall zehn Prozent seines Alterskapitals abschreiben», sagt Pensionskassenfachmann Stefan Thurnherr.

Mehr Lohn als Kompensation

Wer sich um eine neue Stelle bewirbt, sollte deshalb keine Hemmungen haben, nach der finanziellen Situation und den Leistungen der Pensionskasse zu fragen (siehe nachfolgender Hinweis «Wechsel der Kasse: Diese Fragen sind wichtig»). Verschlechterungen gegenüber dem jetzigen Arbeitgeber dürfen in Anstellungsgesprächen durchaus zur Sprache gebracht werden. Empfehlung von Finanzplaner Walter A. Oetiker: «Der Bewerber kann als Kompensation mehr Lohn fordern, weil er die Leistungseinbussen ja privat abdecken muss.» Der Zürcher VZ-Experte Stefan Thurnherr rät jedoch davon ab, gleich mit der Tür ins Zweite-Säule-Haus zu fallen: «Fragen rund um die Abdeckung der Pensionskasse gehören sicher nicht an den Anfang eines Bewerbungsgesprächs!»

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Wechsel der Kasse: Diese Fragen sind wichtig

  • Wie hoch sind die Arbeitgeberbeiträge? Grosszügige Arbeitgeber übernehmen mehr als die Hälfte der Sparbeiträge an die Pensionskasse. Das erhöht das Alterskapital und damit die spätere Rente wesentlich.
  • Wie hoch wird der versicherte Lohn sein? Sämtliche Leistungen der Pensionskasse hängen vom versicherten Lohn ab. Darum gilt: Je höher der maximal versicherbare Lohn, desto besser. Ein tiefer Koordinationsabzug erhöht den versicherten Lohn.
  • Wie gesund ist die Kasse? Je höher der Deckungsgrad, desto gesünder die Kasse, desto sicherer das Alterskapital. Wünschenswert ist ein Deckungsgrad von deutlich über 100 Prozent.
  • Wie ist die Verzinsung? Die Verzinsung hängt von verschiedenen Faktoren ab und ist nicht vorhersagbar. Die Verzinsung über die letzten Jahre gibt aber Anhaltspunkte, wie professionell eine Kasse das Geld anlegt.
  • Wie gut sind die Versicherungsleistungen? Fortschrittliche Kassen gewähren Leistungen, die deutlich höher sind als das gesetzliche Minimum: Sie berechnen die Höhe der IV- und Hinterbliebenenrenten nach dem versicherten Lohn (zum Beispiel 60 Prozent des versicherten Lohns) statt aufgrund des Kapitals.
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