Beliebt scheinen Briefe, bei ­denen der Emp­fän­ger erst ­er­schrickt, weil das Schreiben aussieht, als käme es von einer Anwaltskanzlei.

Ein Beispiel: eine Mahnung, in der im Briefkopf die «Rechtsberater Marending & Lombriser» erwähnt sind. Marending informiert im Anwaltsjargon, sie seien «von ihrem Mandan­ten beauftragt worden, die notwendigen gerichtlichen Schritte ein­zulei­ten», falls die offene Telefonrech­nung von Orange nicht beglichen werde. Erst am Ende des Textes sieht man: «Ma­rending & Lom­briser» sind keine Anwälte, sondern arbeiten in der Abteilung Debitorenmanagement von Intrum Justitia.

Für Sprecher Sascha Brombois ist das kein Problem: «Wir sind der Ansicht, dass wir mit die­sem Ansatz eher etwas für den Schuldner tun als gegen ihn. Wir haben zuvor bereits zwei Mahnungen mit einem ­Intrum-Justitia-Briefkopf verschickt. Re­agiert der Schuldner auf diesen Brief nicht, müssen wir die Betreibung einleiten.»

Anderer Ansicht ist Anwaltsverbands-Sprecher Michael Hüp­pi. Es sei nicht in Ordnung, missverständliche Berufsbezeichnungen wie Rechtsberater zu verwenden. Ein Laie könne kaum zwischen Anwalt, Notar und Rechtsberater unterscheiden: «Mit diesem Vorgehen bewegt sich die Intrum Justitia am Rande der Legalität. Sie verunsichert den Rechtssuchen­den und bringt damit den Anwaltsstand in Verruf».

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