Selbständigkeit

Im Alter solls nicht knapp werden

Thinkstock Kollektion

Jeder vierte Selbständige nimmt die Vorsorgeplanung auf die leichte Schulter. Wer clever in die private Vorsorge der 3. Säule investiert, hat im Alter mehr davon.

von Hansjürg Reberaktualisiert am June 22, 2016

Mit einer zündenden Geschäftsidee und der Finanzierung der neuen Firma ist es nicht getan. Bei Firmengründungen geht oft ein wichtiger Punkt vergessen: die langfristige Altersvorsorge.

Wie eine Studie des Bundes zeigt, verzichtet rund ein Viertel der Selbständigerwerbenden auf eine freiwillige Vorsorge. Sie richten ihr ganzes Augenmerk auf den Geschäftsbetrieb und denken nicht – oder zu spät – an die Zeit nach der Pensionierung.

Es ist zwar richtig, dass der in die Firma reinvestierte Geschäftsgewinn deren Wert steigert. Offen bleibt aber, ob ein späterer Verkauf ausreichen wird, die Altersvorsorge ausreichend zu sichern. Aus diesem Grund sind vor allem die «echten» Selbständigerwerbenden (siehe «AHV: ‹Echt› oder ‹unecht› selbständig») – also Einzelunternehmer, Kollektiv- oder Kommanditgesellschafter – gut beraten, weitsichtig zu planen. Zwar zahlen sie wie alle Werktätigen in der Schweiz obligatorisch in die AHV (erste Säule) ein, doch diese Beiträge allein sichern nur die Grundbedürfnisse ab: Ohne zusätzliche Absicherung kann es im Alter knapp werden.

Als «unechter» Selbständigerwerbender dagegen ist man besser abgesichert. Als Angestellter seiner AG oder GmbH spart man wie die angestellten Mitarbeitenden der Firma zusätzlich in der zweiten Säule (Pensionskasse) für das Alter.

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Möglichkeiten fürs Alterssparen bei Selbständigerwerbenden

«Echte» Selbständigerwerbende haben die Wahl zwischen verschiedenen Vorsorgemöglichkeiten:

  • freiwillige Versicherung bei der Pensionskasse des Berufsverbands oder der Auffangeinrichtung;
  • freiwillige Versicherung bei der Pensionskasse der Angestellten;
  • 20 Prozent des Nettoerwerbseinkommens, maximal 33'840 Franken jährlich, in die Säule 3a einzahlen.
     

Was ist nun vorteilhafter: in der zweiten oder in der dritten Säule zu sparen? Für «echte» Selbständigerwerbende ist es die Säule 3a, denn sie bietet maximale Flexibilität.

  • Erstens dürfen die Einzahlungen bis zum obengenannten Maximalbetrag vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden.
  • Zweitens sind die Zinserträge steuerfrei, und das angesparte Guthaben wird nicht als Vermögen besteuert. Erst bei der Auszahlung werden Steuern fällig.
  • Drittens kann man neben dem Alterssparen auch die Lebensrisiken Tod und Invalidität mitversichern. Denn auch diese Risiken werden von den «Echten» häufig stiefmütterlich oder gar nicht versichert.
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Das 3a-Sparen ist sowohl über Vorsorgekonten bei der Bank wie über Versicherungspolicen möglich:

  • 3a-Bankkonto mit festem Zins.
  • 3a-Fondssparen bei der Bank: Die Einzahlungen werden in Anlagefonds angelegt.
  • 3a-Vorsorgepolice mit garantiertem Zinssatz. Dabei handelt es sich in der Regel um eine gemischte Lebensversicherung mit einem garantierten Erlebens- und Todesfallkapital. Vereinbart man zusätzlich Prämienbefreiung, übernimmt die Versicherung im Fall einer Erwerbsunfähigkeit die Prämien.
  • Fondsgebundene 3a-Vorsorgepolice: Wie bei der klassischen Vorsorgepolice sind auch hier die Risiken Tod und Invalidität mitversichert. Der Sparanteil hingegen wird in Anlagefonds investiert. Mögliche Wertschwankungen gilt es hier zu berücksichtigen.
Guider Logo

Wer den Schritt in die Selbständigkeit wagt, ist zu Beginn oft mit anderen Fragen als der Altersvorsorge beschäftigt. Guider erinnert seine Mitglieder an deren Wichtigkeit, zeigt Optionen für die Altersvorsorge von Selbständigerwerbenden auf und wie sie optimal aus der 3. Säule schöpfen können.

Produkte der freien Vorsorge 3b voll ausschöpfen

Bevor man ein Produkt für das 3a-Sparen wählt, sollte man eine individuelle Risiko- und Vorsorgeanalyse erstellen lassen. Denn es geht nicht nur darum, das Alterssparen zu regeln, sondern auch die Absicherung im Fall einer vorübergehenden Erwerbsunfähigkeit, von Invalidität oder Tod zu klären. Dies gilt vor allem für Selbständigerwerbende, die Versorgerpflichten haben und nicht erwerbstätige Familienmitglieder unterstützen.

Für eine umfassende Risiko- und Vorsorgeanalyse sollte man Experten beiziehen. Versicherungen, Banken und Finanzplaner helfen dabei weiter.

Hat man es versäumt, nach der Unternehmensgründung die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, ist trotzdem nicht alles verloren – vorausgesetzt, man hat etwas beiseitelegen können und in der Säule 3b gespart.

Zur Säule 3b zählt jede Form des Sparens: Sparkonto, Wertschriften, Eigenheim, Kunstsammlung, das eigene Unternehmen sowie Lebensversicherungen. Eine Lebensversicherung ist sinnvoll, wenn man finanzielle Folgen bei Erwerbsunfähigkeit und Tod abfedern möchte. Zudem bietet sie eine sichere, garantierte Verzinsung und schützt das Kapital vor Verlust und Betreibung.

Fürs Alterssparen können auch Anlagefonds oder Wertschriften eine Alternative sein – allerdings nur wenn man das angelegte Kapital rund zehn Jahre liegen lassen kann. Eine Trennung zwischen Risikoabdeckung und Sparen kann sinnvoll sein. Welche Vorsorgelösung jedoch am besten passt, lässt sich nur individuell entscheiden. Eine kompetente Beratung kann hier weiterhelfen.

AHV: «Echt» oder «unecht» selbständig

  • Gründen Sie eine Einzelfirma, Kollek­tiv- oder Kommanditgesellschaft, sind Sie Personengesellschafter und gelten als «echter» Selbständigerwerbender. Die AHV setzt für die Bescheinigung «ech­ter» Selbständigkeit voraus, dass Sie ein wirtschaftliches Risiko tragen, bedeutende Investitionen tätigen, Kosten und Verluste selber tragen und nicht an Weisungen Dritter gebunden sind.
  • Gründen Sie dagegen eine GmbH oder AG (Kapitalgesellschaft), gelten Sie als «unechter» Selbständigerwerbender, da Sie in der eigenen Firma angestellt sind.

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