Haben auch Sie letztes Jahr Geld am Staat vorbeigeschmuggelt? Sie wären nicht allein. Fast täglich suchen beim Beobachter-Beratungszentrum Abonnenten Rat zu den Themen Schwarzgeld und Steuerhinterziehung. Üblich waren dabei Fragen wie «Wie hoch sind die Nachsteuern und die Busse?» oder «Wie kann ich Schwarzgeld weisswaschen?» und «Gibt es einen Freibetrag bei Schwarzgeld?».

Gleich vorneweg: Es gibt kein Einkommen und keine Vermögenswerte Steuern Was muss ich alles versteuern? , die man nicht versteuern muss. Zum Vermögen gehören nicht nur das Eigenheim und die Wertschriften im Depot, sondern auch das Ferienhaus in Frankreich und die Kinderkonten. Sind die Angaben in der Steuererklärung unvollständig oder falsch, spricht man von Steuerhinterziehung. Fälscht man auch noch Urkunden wie eine Firmenbilanz oder den Lohnausweis, handelt es sich um Steuerbetrug. Hier ermitteln die Strafbehörden; die Sanktionen können bis zu einer Gefängnisstrafe reichen. Bei Steuerhinterziehung bleibt dagegen das Steueramt zuständig. Geschuldet sind Nachsteuern und Verzugszinsen für die letzten zehn Jahre. Ausserdem wird eine Busse fällig. Sie entspricht üblicherweise der hinterzogenen Steuer und kann – je nach Verschulden – bis auf das Dreifache ansteigen.

Bei hinterzogenem Vermögen sind die Nachsteuern weniger hoch, da sie bloss ein paar Promille pro Jahr betragen und sich die Einkommenssteuer lediglich auf allfällige Zinsen und Dividenden bezieht. Anders bei unversteuertem Einkommen; hier wird die Einkommenssteuer fällig, die im betreffenden Jahr galt.

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Steueramnestie: Ethische Bedenken

Seit 2010 ist es weniger kostspielig, wenn man von sich aus Schwarzgeld bei den Behörden meldet. Seitdem entfällt eine Busse, wenn man sich zum ersten Mal anzeigt. Und Erben profitieren von einer vereinfachten Nachbesteuerung. Die Gesetzesänderungen sind das Ergebnis einer langen Debatte: Seit 1992 wurde mit parlamentarischen Vorstössen immer wieder eine allgemeine Steueramnestie gefordert. Wegen rechtlicher und ethischer Bedenken entschied sich der Bundesrat im Jahr 2004 aber für eine weniger weit gehende Lösung, die das Parlament dann 2008 absegnete.

Gemäss einer Schätzung der Wirtschaftsprofessoren Lars P. Feld und Bruno S. Frey sollen im Jahr 2014 20,3 Milliarden Franken Steuern hinterzogen worden sein. Das macht 6 bis 23,5 Prozent aller Schweizer Einkommen aus – da lohnt es sich schon, zu überlegen, wie man die Steuersünder wieder zurück ins Boot holt. Im Hinblick auf die Einführung des automatischen Informationsaustausches Geld im Ausland Böses Ende für schwarze Konten zwischen der Schweiz und verschiedenen Staaten haben die Selbstanzeigen stark zugenommen. So sind im Jahr 2017 allein im Kanton Zürich 6150 Fälle gemeldet worden, die dem Kanton und den Gemeinden gut 1,3 Milliarden Franken an zusätzlichen Steuererträgen über die nächsten Jahre einbringen.

Straflos bleibt man sowohl bei einer Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung wie auch bei Steuerbetrug. Im Wiederholungsfall muss man aber trotzdem mit einer Busse oder gar einem Strafverfahren rechnen. Bei der selbst angezeigten Hinterziehung beträgt die Busse wie bis anhin meist einen Fünftel der hinterzogenen Steuern. Hinzu kommen Nachsteuern für die letzten zehn Jahre und Verzugszinsen.

Mehr zu Steuerdelikten bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Bei Steuerdelikten versteht der Staat keinen Spass. Erfahren Sie als Guider-Mitglied den Unterschied zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug, wann eine Selbstanzeige straflos bleibt und welche Auskunftspflicht Steuerpflichtige gegenüber den Steuerbehörden haben.

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Was, wenn man die Hinterziehung «erbt»?

Nachkommen, die eine Steuerhinterziehung quasi erben und diese zur Anzeige bringen, kommen am besten weg (siehe Artikel bei Guider unten). Sie müssen keine Busse bezahlen, und es fallen auch weniger Nachsteuern an. Das Steueramt bittet sie nur für die letzten drei Jahre vor dem Tod des Erblassers zur Kasse. Bis Ende 2009 galt ein Zeitraum von zehn Jahren.

Sich selber anzeigen kann man jederzeit. Eine blosse Deklaration in der Steuererklärung genügt allerdings nicht. Man muss das Steueramt ausdrücklich darauf hinweisen. Straflos bleiben dabei jene, die an der Steuerhinterziehung mitgewirkt haben, also auch Anstifter und Gehilfen. Aber Vorsicht! Nur wenn die Steuerbehörden noch nichts von der Steuerhinterziehung wussten, entfällt die Busse.

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Schwarzgeld geerbt: Wie deklariere ich das Konto gegenüber dem Steueramt?

Lesen Sie bei Guider (exklusiv für Mitglieder und Beobachter-Abonnenten) wie Sie vorgehen, wenn Ihre Erbschaft bisher noch nie in einer Steuererklärung des Verstorbenen aufgeführt wurde.

zum Artikel

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Quelle: Geber86

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Quelle: Beobachter Edition