Zügeln sei das lohnendste Mittel, um Steuern zu sparen, wissen Stammtisch und Experten. Dass zahlreiche Schweizer dies zu beherzigen versuchen, zeigt sich jedes Jahresende in Steueroasen wie Freienbach SZ: Die Gemeinde kann sich vor Neuzuzügern kurz vor Silvester kaum retten. Der Stichtag ist wichtig, weil für die Steuerberechnung massgeblich Umzug Zahle ich noch Steuern am alten Ort? ist, wo man am 31. Dezember angemeldet ist.

Für die meisten ist diese Steuersparmassnahme unrealistisch, nur schon weil man dort zuerst eine bezahlbare Bleibe finden müsste. Und reinen «Briefkasten-Wohnungen» kommen die Behörden in der Regel rasch auf die Schliche.

Wer aber ohnehin an zwei verschiedenen Orten zu Hause ist, hat unter Umständen eine realistische Steuersparmöglichkeit. Wochenaufenthalt nennt sich der Status, wenn man zwar in einer Gemeinde arbeitet und auch eine Unterkunft hat, aber in einer ganz anderen Gemeinde angemeldet bleibt und dort Steuern bezahlt, zum Beispiel am Wohnort der Eltern.

Steuern sparen – 3 Tipps

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Was kann man alles von den Steuern abziehen? 3 Tipps wie das Ausfüllen der Steuererklärung mehr Freude bereitet.

Für Wochenaufenthalter ist das Sparpotential beträchtlich. Mit einem steuerbaren Einkommen von 60'000 Franken bezahlt man als Lediger in Hergiswil NW 5286 Franken Staats- und Gemeindesteuern, in Winterthur über 1000 Franken mehr, in Bern sogar mehr als doppelt so viel. Bei einem Einkommen von 80'000 Franken erhöht sich der Unterschied schon auf 2200 (Winterthur) respektive 8000 Franken (Bern).

Steuerpflichtige können nicht wählen, wo sie Steuern zahlen

Kein Wunder also, wollen die Steuerbehörden solcher Steueroptimierung einen Riegel schieben. Vor allem die Städte haben in den letzten Jahren ihre Kontrollen verschärft. Die Steuerämter haben ein starkes Argument auf ihrer Seite: Der Steuerpflichtige kann nicht selbst wählen, wo er seine Steuern zu entrichten gedenkt – entscheidend ist, wo er seinen Lebensmittelpunkt hat. Diese Formulierung lässt wohl einen gewissen Ermessensspielraum zu, doch haben Gesetzgeber und Gerichte eine Reihe von Richtlinien und Faustregeln aufgestellt, so dass längst nicht jeder Pendler quasi wählen kann, von welcher Gemeinde er die Steuerrechnung erhält.

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Verheiratete haben ihren Steuersitz in der Regel dort, wo der Partner wohnt. Ein in Bern arbeitender Ingenieur bezahlt somit in Hergiswil Steuern, wenn er dort zusammen mit seiner Frau ein Häuschen hat – selbst wenn er in Bern ebenfalls eine Wohnung hat und sehr oft dort übernachtet. Ausnahmen gibt es praktisch nur für Führungskräfte, die meist am Arbeitsort besteuert werden, auch wenn sie regelmässig zur Familie fahren.

Bei Ledigen gilt der Arbeitsort als Steuersitz

Bei Ledigen ist es komplizierter. Grundsätzlich gilt bei ihnen der Arbeitsort als Steuersitz. Der in Bern angestellte alleinstehende Ingenieur muss darum in Bern die (hohen) Steuern bezahlen, selbst wenn er regelmässig zu den Eltern nach Hergiswil fährt oder dort eine Freundin hat und sich dort heimisch fühlt. Die Behörden gehen davon aus, dass die am Arbeitsplatz geknüpften Kontakte enger sind als die familiären.

Kann der Ingenieur aber belegen, dass er mindestens einmal wöchentlich zurückfährt und in Hergiswil soziale Kontakte pflegt, spielt er den Ball zurück. Am besten tut er dies mit eindeutigen Belegen wie Bahnbilletten sowie glaubhaften Schreiben von Nachbarn, Freunden und Vereinen, die soziale Kontakte bezeugen können. Jetzt müssten die Berner Steuerbehörden beweisen können, dass sein Lebensmittelpunkt dennoch in Bern ist.

Im Konkubinat werden Wochenaufenthalter kaum akzeptiert

Kommt es zu einem juristischen Seilziehen um die Frage des Steuersitzes, sind die Gerichte oftmals streng, so beispielsweise im Fall eines 33-jährigen Mannes, der mit seiner Freundin in Luzern wohnt, aber regelmässig in sein Haus im bündnerischen Disentis fährt, wo auch seine Mutter wohnt. Das Konkubinat Quiz Was wissen Sie über die «wilde Ehe»? «überstrahlt alle anderen familiären und persönlichen Kontakte», befand das Bundesgericht 2009. Wer also mit der Freundin oder dem Freund zusammenwohnt, hat praktisch keine Chance, als Wochenaufenthalter akzeptiert zu werden.

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Pech für die Betroffenen, denn der Status Wochenaufenthalter ist nicht nur wegen unterschiedlicher Steuersätze attraktiv. Er erlaubt darüber hinaus zusätzliche Abzüge Steuern Das können Sie abziehen : Mehrauslagen für auswärtige Verpflegung und für ein Zimmer am Wochenaufenthaltsort (wer eine Wohnung hat, kann trotzdem in den meisten Kantonen nur die Kosten für ein Zimmer abziehen) sowie die Fahrkosten für die wöchentliche Reise vom Arbeits- zum Wohnort. Zusammen mit der eigentlichen Steuerersparnis läppert sich das rasch zu einem fünfstelligen Betrag zusammen.

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Je nach Kanton profitieren steuerpflichtige Personen, die verheiratet oder alleinstehend sind, vom persönlichen Steuerabzug. Mitglieder von Guider erfahren im Merkblatt «Persönliche Abzüge», wie hoch dieser in ihrem Wohnkanton ist.

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